Special - Spielejournalisten : Der Abschaum des Universums

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    Die Publisher haben die Spielejournalisten also kastriert und darum müssen Websites und Hefte jetzt mit Artikeln wie „Die zehn coolsten Bosskämpfe aller Zeiten“ gefüllt werden (Anm. d. Red.: Wir würden so etwas natürlich niiieee machen). Wenn diesem Treiben nicht Einhalt geboten wird, dann gibt es bald gar keinen Grund mehr, Spielezeitschriften zu kaufen oder Websites zu besuchen.

    Übrigens legten die Publisher ihren Entwicklern gleichzeitig einen Maulkorb an. Jede zweite Interview-Frage beantworten die verängstigten Kreaturen mit: „Ich glaube nicht, dass ich darauf antworten darf“ oder „Dazu kann ich momentan leider nichts sagen“. Mein Aufkleber ist also auch als Mahnung zu verstehen. Als Signal für die Publisher, endlich wieder investigativen Journalismus zu fördern. Davon würden am Ende alle profitieren, denn es brächte wieder etwas Dampf und Magie ins Spiel.

    Du hast die Macht

    Wenn ihr das nächste Mal über einen schlecht recherchierten, langweiligen oder fehlerhaften Artikel stolpert, solltet ihr dem Autor nicht gleich einen Einlauf verpassen, sondern Mitgefühl demonstrieren. Postet meinen Aufkleber ins Kommentarfeld, um zu signalisieren, dass ihr den strauchelnden Verfasser nicht verurteilt. Zeigt lieber, dass ihr für seine Situation Mitleid mit ihm empfindet. Zeigt ihm, dass er ein armes Schwein ist, das unter den Machtspielchen der Großkonzerne zu zerbrechen droht.

    Schickt auch ruhig ein paar E-Mails an Verlage und Spielehersteller. Lasst sie wissen, dass ihr schändliches Treiben die Qualität eurer Spieleleidenschaft trübt und dass sie viel mehr Geld verdienen würden, wenn sie weniger gierig wären.

    Falls ihr diesen Aufruf nicht unterstützt, werden immer mehr gute Redakteure dazu gezwungen, inhaltsleere Podcasts oder YouTube-Videos zu produzieren oder bei Herstellern für Free-to-play-Browser-Spiele die Pressearbeit zu übernehmen. Ihr werdet mit ansehen müssen, wie sich ehemalige Redakteure mit Kameras in eine Achterbahn hocken, weil ihnen nichts Neues einfällt. Ihr werdet wie räudige Hunde leiden müssen, weil Christian Gürnth und seine Mitopfer zweistündige Referate über Pokémon auf MP3 bannen. Wollt ihr das wirklich?

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    Über den Autor

    Unser Kolumnist Ahmet Iscitürk schreibt seit 16 Jahren über Spiele und müsste deshalb schon längst für die andere Seite arbeiten - zum Beispiel als PR-Manager. Darauf hat er aber keinen Bock. Ebenso wenig möchte er YouTube-Videos machen, denn er ist zu fett für die Kamera. Das Schreiben ist seine einzige Fähigkeit und darum wird er mit den Fingern auf der Tastatur sterben. Sein Credo lautet: „Lebe deinen Traum, auch wenn der Traum scheiße ist.“ Seinen Untergang könnt ihr unter anderem auf Twitter live miterleben.