Special - GameStop-Einflussnahme : Schritt Richtung Abgrund?

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    Vorbestellerboni wie exklusive Steelbooks oder In-Game-Kostüme sind heutzutage Gang und gäbe. Was aber wäre, wenn eine riesige Einzelhandelskette in laufende Entwicklungsprozesse von Videospielen einbezogen werden würde und so exklusive Spielabschnitte anbieten könnte? Das könnte nun tatsächlich passieren und böse Folgen haben.

    Für Fans einer Reihe wie beispielsweise Assassin's Creed kann die Flut an Sammlereditionen zur Qual der Wahl werden. Nicht nur, dass es haufenweise unterschiedliche Versionen mit Beilagen wie Figuren, T-Shirts, Download-Codes, Soundtracks und Ähnlichem gibt. Manchmal ist es gar nicht möglich, alle diese Inhalte zu bekommen, ohne das Spiel ein zweites Mal zu erwerben.

    Obendrein sind die Editionen nicht der einzige Faktor, der den geneigten Käufer beschäftigt, denn die Händler buhlen ebenso mit gewissen Beilagen und Boni um die Zielgruppe. Möchte man beispielsweise von einem Titel ein schickes Steelbook im Regal stehen haben, das exklusiv von einem Online-Händler angeboten wird, bestellt man ihn vermutlich dort. Doch wenn man auch auf das coole Waffenset, dessen Download-Code ausschließlich der Verkaufsversion einer großen Einzelhandelskette beiliegt, nicht verzichten möchte, muss man sich gezwungenermaßen entscheiden.

    In einer ganz anderen Dimension dieser Zwangslage könnten sich Spielerinnen und Spieler in naher Zukunft wiederfinden. Wir zitieren kurz einen Absatz aus unserer News dazu:

    "Einigen Berichen zufolge plant die Händlerkette GameStop künftig exklusive Spielabschnitte für Kunden anzubieten. Den Kollegen von VentureBeat zufolge hat sich das Unternehmen kürzlich mit der Investorenfirma R.W.Baird zusammengesetzt, um über die eigene Zukunft zu beratschlagen. Gegenüber VentureBeat bestätigte GameStop seine Pläne, künftig früh in den Entwicklungsprozess von großen Spielen einbezogen zu werden, um exklusive Inhalte, wie beispielsweise bestimmte Spielabschnitte, anbieten zu können. Offiziell heißt es, man arbeite mit den Publishern zusammen, um sowohl physische als auch digitale Inhalte exklusiv anbieten zu können."

    Aus Sicht des marktführenden US-Unternehmens wäre so eine Einflussnahme erstrebenswert und ausgesprochen lukrativ, da Hardcore-Fans auf bestimmte Inhalte wie ganze Levelabschnitte vermutlich nicht würden verzichten wollen. Wahrscheinlich würden diese Fans das Spiel dann bei GameStop kaufen, obwohl sie für gewöhnlich ihre Videospiele im Elektronikmarkt erstehen oder die Download-Version erwerben - oder aber auch lieber den örtlichen Spielehändler um die Ecke unterstützen würden.

    Exklusivinhalte, die nur auf bestimmten Plattformen spielbar sind, gibt es bereits. So verfügt zum Beispiel die PlayStation-3-Fassung von Assassin's Creed 3 über 60 Minuten Gameplay, das Besitzern anderer Systeme verwehrt bleibt. Das sorgte schon damals für Unmut bei der Käuferschaft, aber der nächste Schritt scheint nun nicht mehr fern zu sein. Man stelle sich vor, im nächsten Ableger von The Legend of Zelda gäbe es einen Dungeon, der nur für GameStop-Kunden zugänglich wäre.

    Wie würde die Konkurrenz auf eine derartige Verkaufsstrategie reagieren? Der Konzern Amazon, der wohl größte Händler weltweit, würde in dem Fall sehr wahrscheinlich ebenfalls versuchen, im Entwicklungsprozess der Studios mitzumischen, um seiner Käuferschicht genauso wie GameStop eigene  Boni und Inhalte bieten zu können. Darüber hinaus wäre zu klären, ob Drittanbieter über Amazons Marketplace überhaupt Sondereditionen anbieten dürften, die Boni beinhalten, die der Versandriese regulär nicht im Sortiment hat.

    Auch die digitalen Plattformen wie Xbox Live, Steam und PlayStation-Network würden bestimmt reagieren und versuchen, das erbitterte Käuferabwerben der Konkurrenz zu kompensieren. Am Ende stünden die Konsumenten vor einem unüberschaubaren Wust an zerstückelten, unvollständigen Produkten.

    Aus Sicht der Publisher gäbe es ebenfalls einige Fallstricke zu überwinden, da sich mögliche Absprachen mit Händlern negativ auf die eigene Reputation auswirken könnten. Besonders pessimistische Kritiker sehen vermutlich jetzt schon den Untergang der Spielkultur voraus. Schließlich habe es mit den DLCs auch nur mit einer Pferderüstung für The Elder Scrolls IV: Oblivion angefangen und jetzt werden kostenpflichtige Zusatzinhalte schon vor Veröffentlichung des eigentlichen Spiels angekündigt.

    Doch auch bei gelasseneren Beobachtern wird die Neuigkeit von GameStops Wunsch auf frühzeitige Einflussnahme wohl ein ungutes Gefühl in der Magengrube entstehen lassen. Es bleibt abzuwarten, ob das Ganze im Sande verlaufen wird oder ob die Spielerinnen und Spieler dieser Welt irgendwann mit Grauen an den Tag zurückdenken werden, an dem die Händler anfingen, sich in die Entwicklung ihrer geliebten Unterhaltungsmedien einzumischen.

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