Test - Ferrari Challenge : Emotionslose Raserei in Rot

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Steig in die Eisen, Junge!

Von lammfromm bis beinhart lassen sich die Fahrhilfen mehrstufig regulieren. Wer gerne alle Zügel selbst in den Händen hält, wird mit sehr stoischen Pferdchen seine Freude haben. Jedes Fahrzeug fährt sich zudem sehr unterschiedlich. Während aktuellere Modelle noch sehr gut in der Spur bleiben, halten ältere Baujahre mit ihrer Hecklastigkeit ihren Kutscher gut auf Trab.

Ein großes Manko bei 'Ferrari Challenge' ist das Schadensmodell. Immerhin ist ein solches vorhanden. Weder akustisch noch optisch kann das Spiel allerdings hier überzeugen. Blech sieht eher zerknittert als eingedellt aus. Und wenn man dann noch bedenkt, dass die Unfallgefahr aufgrund der sehr aggressiven Fahrweise der Computergegner ausgesprochen hoch ist, dann hätten die Entwickler an dieser Stelle ein wenig mehr Sorgfalt walten lassen müssen.

Ramm mich doch, du Sau!

Die KI ist es, die zu den wenigen emotionalen Ausbrüchen des Testers geführt hat: Wut. Eigentlich freuen wir uns, wenn Gegner nicht einfach stur der Ideallinie folgen, sondern auch Paroli bieten. Wenn man allerdings zu 99,9 Prozent davon ausgehen kann, dass ausnahmslos jeder computergesteuerte Fahrer kurz vor dem Anbremsen ruckartig auf die Kampflinie wechselt, sodass eine Kollision nur mit sehr viel Geschick vermieden werden kann, dann hat das mit Intelligenz nichts mehr zu tun, sondern mit unfairer Dummheit. Damit werden die Kameraden auf der Strecke zudem eine ganze Ecke berechenbarer. Wir fahren also rechts und täuschen ein Ausbremsmanöver an, der Gegner zieht rüber und muss früher bremsen, wir weichen nach links auf die Ideallinie aus und ziehen am Kontrahenten vorbei. Das hat mit Realismus leider nichts mehr zu tun, ist aber oftmals die beste Möglichkeit, gefahrlos vorbeizufahren.

Zudem fehlt 'Ferrari Challenge' eine wichtige Sache: Emotionen. Was den realen Vorbildern ohne große Mühe gelingt, schafft das Spiel nur sehr selten. Es gibt keine richtige Karriere, sondern nur unterschiedliche Wettbewerbsarten, die sich aber immer gleich spielen. Wir spulen Rennen für Rennen ab, kassieren für die Erfolge Geld und können damit freigeschaltete Wagen kaufen. Eine begehbare Garage wie bei 'Project Gotham Racing' oder motivierendes Tuning wie bei 'Forza Motorsport' werden schmerzlich vermisst. Siegerehrungen? Fehlanzeige. Actionreiche Stadtrennen? Gibt es nicht. 'Ferrari Challenge' präsentiert sich so nüchtern und trocken wie eine Simulation, ohne deren Anspruch zu liefern.

Fazit

von Dennis Hartmann
Technisch gibt es an ’Ferrari Challenge’ gar nicht viel zu bemängeln. Die Fahrzeuge und Strecken sehen klasse aus. Dafür schwächelt das Spiel beim Schadensmodell und der Gegner-KI. Was jedoch viel schwerer wiegt, sind die fehlenden Emotionen, die Ferrari-Karossen eigentlich ausmachen. Wer gerne einfach nur Rennen fährt, wird sicher seinen Spaß haben, doch wer drumherum auch etwas geboten haben möchte, wie etwa bei 'Race Driver: GRID', der wird enttäuscht sein. Wie man so schön sagt, bietet 'Ferrari Challenge' eine solide Leistung, ohne in irgendeinem Punkt wirklich herauszustechen. Was fehlt, ist das „Feindbild“. Ein besonders starker Gegner und keine lästigen Hindernisse, die vor jeder Kurve zumachen.

Überblick

Pro

  • viele Ferraris sehr gut umgesetzt
  • Originalstrecken
  • Regenrennen
  • Fahrhilfen frei wählbar
  • Motorensound klingt realistisch

Contra

  • viel zu aggressive und berechenbare KI
  • mangelhaftes Schadensmodell

Wertung

  • PS3
    75
    %

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