Test - Driver 76 : Ein ’GTA’-Konkurrent im 70er-Look

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Nach den enttäuschenden letzten Episoden der ’Driver’-Reihe auf den Heimkonsolen versucht sich der ’GTA’-Konkurrent mit neuem Publisher und Entwickler auf der PSP. Ob die Handheld-Episode ’Driver 76’ aber wirklich neue Hoffnungen wecken kann? Die Antwort steht im Test.

Gute alte Zeit

Was waren das noch für Zeiten: Auf PSone galt ’Driver’ als schärfster Konkurrent von ’Grand Theft Auto’ und wusste nicht zuletzt dank der schicken 3D-Grafik im Gegensatz zur hässlichen Bitmap-Optik des Kontrahenten zu begeistern. Doch als der Stern von ’GTA’ mit der dritten Dimension im dritten Teil zu ungeahnten Höhen aufstieg, sank derjenige von ’Driver’. ’DRIV3R’ enttäuschte selbst hartgesottene Fans und auch ’Driver: Parallel Lines’ konnte das verlorene Vertrauen nicht mehr zurückgewinnen. Es kam, wie es kommen musste: Atari verkaufte die Lizenz samt Entwicklerteam Reflections an Ubisoft. Dort wagt man nun mit ’Driver 76’ für PSP einen neuen Anlauf und gab Reflections die erfahrenen Rennspielexperten von Sumo Digital (’OutRun 2006’) an die Hand. Experimente wurden allerdings nicht gewagt. Neben dem klassischen Spielprinzip im ’GTA’-Stil kommt einem auch das Szenario bekannt vor: Die Story spielt in den 70er-Jahren, wie auch schon ein Teil von ’Parallel Lines’. Die PSP-Version erzählt allerdings die Geschehnisse zwei Jahre früher. Der Rennfahrer und Aushilfsgauner will in der Unterwelt von New York City groß herauskommen und hat gar ein Auge auf die Tochter des Triadenbosses geworfen. Zusammen mit seinem ausgeflippten Kumpel macht er sich auf, zahlreiche krumme Aufträge für die Gangsterwelt zu erledigen.

Diebe mit Bleifuß

Die, zugegeben, ziemlich dünne Story wird euch mittels netter Comic-Zwischensequenzen näher gebracht. Dazwischen stehen diverse Missionen, die ihr auf einer Karte direkt auswählt – anders als in ’GTA’ müsst ihr also nicht zuerst zu eurem Auftraggeber fahren. Neben den Hauptmissionen, die ihr nicht alle in der vorgegebenen Reihenfolge absolvieren müsst, gibt es eine ganze Reihe an Minispielen bzw. Minimissionen. In diesen nehmt ihr beispielsweise an Rennen durch die Stadt teil, schleppt Karossen ab oder spielt ein wenig Taxifahrer. Bei den eigentlichen Missionen haben sich die Entwickler augenscheinlich von ’GTA’ & Co. inspirieren lassen. Ihr überfallt etwa Delikatessenlaster, schnappt euch den motorisierten Untersatz eines Filmstars, schleppt einen zerdepperten Luxuswagen ab und sucht nach Ersatzteilen oder nehmt an illegalen Straßenrennen teil. Ihr merkt schon, der Schwerpunkt in den Einsätzen liegt auf den Fahrzeugen, sodass ihr meist hinter dem Steuerrad sitzt. Ab und an muss Ray aber auch mal seinen Wagen verlassen und zu Fuß etwas erledigen. Sowohl im Auto als auch zu Fuß könnt ihr mit verschiedenen Waffen auf die Feinde ballern. Währen die Fahrzeugsteuerung in Ordnung geht und mit den etwas schwammig zu handhabenden Karossen an die früheren ’Driver’-Episoden erinnert, fehlt es den Abschnitten ohne Fahrzeug an Dynamik, Steuerung und Interaktionsmöglichkeiten.

Laue Fahrt

Insgesamt ist der Schwierigkeitsgrad von ’Driver 76’ ziemlich niedrig ausgefallen. Dies liegt nicht zuletzt an der enttäuschenden KI: Schon die Polizei stellt kaum eine echte Bedrohung dar, meist reicht es einfach, kräftig Gas zu geben und unfallfrei zu fahren, um die Polente abzuhängen. Unfreiwillig komisch wird es gar, wenn euch etwa andere Gangster verfolgen oder ihr an einem Rennen teilnehmt – die Kontrahenten verkeilen sich öfters mal ineinander oder schlingern wie betrunken über die Fahrbahn. Durch die mäßige Forderung des Spielers fällt noch mehr auf, dass der Umfang des Titels nicht gerade groß ist – die Hauptmissionen hat man in etwa sechs Stunden durch und die Minispiele sowie die öde Suche nach versteckten Sternen halten euch nur wenig länger in der Stadt. Auch der uninspirierte Zwei-Spieler-Modus mit vier Rennspielvarianten sowie einer Tauschfunktion für erspielte Extras sorgt nicht gerade für Begeisterung. Die Entwickler haben New York City großflächig und ganz passabel umgesetzt, allerdings wirkt das Szenario mit seinem Schachbrettmuster-Straßenbild, den wenigen Passanten, dem kargen Verkehr und den wenigen Interaktionen nicht sonderlich spannend.

Die Grafik von ’Driver 76’ macht mit ihrem realistischen Look und diversen Effekten, wie Sonnenspiegelungen, Zeitlupen-Crashs und dampfende Gullys, ordentlich was her. Die Texturqualität und die Framerate schwanken dagegen stark. Unakzeptabel sind die furchtbar langen Ladezeiten vor der jeweiligen Mission und die nervigen Nachlade-Unterbrechungen mitten in der Action. Während die Soundeffekte und die deutsche Sprachausgabe auf mittlerem Niveau anzusiedeln sind, punktet der funky 70er-Jahre-Soundtrack mit lizenzierten Songs von Iggy Pop, The Temptations, The Stranglers, Blondie, David Bowie und anderen.

Fazit

von David Stöckli
Auch mit dem PSP-Ausflug rast die ’Driver’-Reihe nicht aus der Krise. Zu unoriginell ist der Mix aus Action und Rennspiel. Auf Nummer sicher zu gehen, zahlt sich nicht immer aus. Zwar weiß das klassische Gameplay im ’GTA’-Stil wie gewohnt zu unterhalten, auf der PSP gibt es aber deutlich bessere und umfangreichere Genre-Vertreter.

Überblick

Pro

  • gut umgesetztes 70er-Szenario
  • stimmiger Soundtrack
  • passabel umgesetztes Spielprinzip

Contra

  • schwache KI
  • lange Ladezeiten und Nachladepausen mitten im Spiel
  • langweilig gestaltete Stadt
  • mäßiger Umfang

Wertung

  • PSP
    68
    %

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