Test - Dante’s Inferno : Ein höllisches Vergnügen?

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Der arme Dante. Gerade erst hat er die neun Höllen auf Xbox 360 und PlayStation 3 durchquert, da wird er auch schon auf Taschenformat geschrumpft und muss genau die gleiche Tortur noch einmal über sich ergehen lassen.

Die Bemerkung „auf Taschenformat geschrumpft" ist im Fall von Dante's Inferno übrigens wörtlich zu nehmen, denn die PSP-Version ist praktisch identisch mit den großen Geschwistern für PlayStation 3 und Xbox 360. Da ihr keinen zweiten Control-Stick habt, wurden zwangsweise einige Tasten anders belegt, Inhalt und Ablauf sind aber gleich geblieben. Selbiges gilt auch für die Hintergrundgeschichte, die an Dante Alighieris mittelalterliche Göttliche Komödie angelehnt ist. In dem Meisterwerk wird die Reise durch die neun Höllenkreise beschrieben, die auch Dante durchqueren muss, um die Seele seiner Liebsten Beatrice aus den Klauen Luzifers zu retten.

Da so ein Besuch in der Hölle bekanntlich keine Kaffeefahrt ist, gibt man dem tapferen Kreuzritter Beatrices Kruzifix mit auf den Weg, dank dessen ihr später gleißende Lichtkreuze auf eure Gegner schießen könnt. Weiterhin tretet ihr in einem als Tutorial fungierenden Kampf gegen den Sensenmann an, um ihm sein „bestes Stück" abzunehmen. Schließlich ist es kein großes Geheimnis, dass sich mit so einer Sense Höllenkreaturen aller Art besonders gut filetieren lassen. Doch unser Held kann noch mehr. Jedes zerschnetzelte Biest hinterlässt einige Seelen(punkte), die ihr sammelt, um damit eure Fähigkeiten auszubauen. Diese lassen euch die Sense noch derber schwingen oder ganze Wände an Lichtkreuzen abfeuern.

Fahr zur Hölle!

Neben den Horden von Höllenkreaturen, die in den einfachen Schwierigkeitsgraden eigentlich kein Problem für euch darstellen, warten zwischendurch immer wieder Schalter-, Sprung- oder Schieberätsel und natürlich - wie könnte es anders sein - riesige Obermotze auf euch. Diese Ausgeburten der Hölle sind dann jeweils nur mit einer bestimmten Taktik zu besiegen. In einigen Fällen werden auch Knöpfe angezeigt, die ihr drücken müsst, um eine geforderte Aktion auszulösen. Diese wird dann per Quick-Time-Event in einer kurzen Zwischensequenz eingeblendet und endet meist mit einer besonders brachialen, eure Gegner in Stücke zerlegenden Gewaltattacke.

Dante's Inferno - Acclaim Trailer
Dantes Weg durch die Hölle sorgt für einige Aufmerksamkeit.

Insgesamt ein recht gut funktionierendes Konzept, die daraus resultierenden Unterbrechungen im Spielfluss störten uns allerdings manchmal. Selbiges gilt für Situationen, bei denen ihr immer wieder zu Wiederholungen gezwungen werdet, und einige der Rätsel, bei denen ihr zwar schnell eine Lösung erkennt, die Ausführung dann aber in eine relativ nervige Fummelei ausartet. Zum Glück wurden die Speicherpunkte und Energiequellen relativ fair gesetzt, sodass ihr selten viel von eurem Spielfortschritt verliert, wenn ihr einmal das Zeitliche segnet.

In der Hölle ist es schön ... warm!

Bei der grafischen Darstellung mussten auf der PSP einige Abstriche gemacht werden. So verkommt unser glorreicher Held zum Beispiel fast zum kantigen Strichmännchen, wenn die automatisch geführte Kamera zu weit wegfährt. Wenn es an das Design der abgrundtief hässlichen Monster und der Spielwelt in den neun Höllenkreisen geht, können die Entwickler allerdings auch auf der Taschenkonsole punkten. Wobei die Gewaltorgien mit literweise Blut und Zwischensequenzen mit für ein Videospiel ungewöhnlich viel nackter Haut sicherlich nicht jedermanns Geschmack treffen.

Kollege Jens hat im Test der Versionen für X360 und PS3 bereits hervorgehoben, dass viel der morbiden Atmosphäre auch durch die Geräuschkulisse und den Soundtrack geschaffen wird. Daran hat sich auch auf der PSP nichts geändert. Allerdings müsst ihr die die Effekt- und Musiklautstärke erst einmal lauter stellen, zumindest wenn ihr ohne Kopfhörer spielt. Mit der voreingestellten Lautstärke ist Dante's Inferno nämlich so leise, dass ihr nicht einmal die Dialoge der Zwischensequenzen versteht. Und das sogar, wenn eure PSP voll aufgedreht ist. Zum Glück lässt sich dieses Manko schnell beheben, indem ihr dem Optionsmenü kurz einen Besuch abstattet.

Fazit

von Juergen Siegordner
Da auf der PlayStation Portable die Auswahl im Metzelgenre nicht ganz so gewaltig ist wie bei den stationären Konsolen, sollten Fans entsprechender Spiele ruhig einen Ausflug in die neun Höllen der PSP-Version von Dante’s Inferno wagen. In Viscerals Höllenküche werden zwar keine weltbewegenden Neuerungen zubereitet, dafür aber durchaus wohlschmeckende Hausmannskost. Allerdings solltet ihr euer Fleisch blutig mögen und volljährig sein, sonst könnte es sein, dass euch die Schlachtplatte sauer aufstößt. In diesem Sinne, guten Appetit!

Überblick

Pro

  • gute Kameraführung
  • schafft grafisch und akustisch wahrhaft höllische Atmosphäre
  • bildschirmfüllende Bossgegner
  • riesige Monster als Reittiere
  • ausreichend Speicher- und Rücksetzpunkte

Contra

  • grafische Präsentation der riesigen Höllenareale bringt PSP-Bildschirm und -Hardware an ihre Grenzen
  • keine großartigen Innovationen
  • teils nervige Rätseleinlagen

Wertung

  • PSP
    80
    %