Test - Castlevania: Portrait of Ruin : Mobile Vampirjagd mit Biss

  • DS(i)
Von Kommentieren

Während Konamis berühmte ’Castlevania’-Reihe in den vergangenen Jahren auf den Heimplattformen eher enttäuschte, sorgen die Handheld-Versionen dagegen regelmäßig für hitlastige Vampirjagden. Auch das neue ’Castlevania: Portrait of Ruin’ weiß trotz erster Ermüdungserscheinungen zu überzeugen.

Es wird eng in der „Timeline“

Diesmal darf Jonathan Morris die Peitsche seines Vaters John auspacken, der seinerseits in der alten Mega-Drive-Episode einen von zwei spielbaren Helden mimte. Zusammen mit seiner besten Freundin Charlotte Aulin wagt er sich in das kürzlich zum x-ten Male aufgetauchte Domizil von Graf Dracula. Dort treibt ein Vampir namens Brauner sein Unwesen, der all die verstorbenen Seelen des in vollem Gange befindlichen Zweiten Weltkrieges für seine Machtübernahme und zur anschließenden Zerstörung der Welt sammelt.

Das Spielkonzept von ´Portrait of Ruin´ orientiert sich wie schon bei allen Game-Boy-Advance- und DS-Vorläufern am Klassiker ´Symphony of the Night´. Dies bedeutet, dass euch ein riesiges zu erforschendes Areal erwartet, wo ihr in einem Mix aus Jump’n’Run, Action und Rollenspiel massenweise Monster vernichtet, dafür Erfahrungspunkte erhaltet und Waffen sowie Extrafähigkeiten sammelt. Zu Letzteren gehören beispielsweise der Doppelsprung, das Verwandeln in einen fliegenden Uhu oder simple, Beat´em-up-ähnliche Special-Moves.

Doppelrolle

Charlotte stellt dabei ein Novum dar: Zum ersten Mal in der Geschichte der Serie steuert ihr zwei Figuren gleichzeitig, ihr könnt also jederzeit zwischen ihr und Jonathan wechseln oder dank einer simplen „Hinterherlauf-K.I.“ gar simultan Monster prügeln gehen. Das Problem dieser an sich pfiffigen Idee: Die Button-Konfiguration wirkt überbelegt. Besonders mitten während eines Endgegnerkampfes verwechselt ihr öfters die Funktionen zum einfachen Umschalten der Figuren und der Rufen-Option des Partners. Nur selten keimt das Gefühl auf, dass dieses Feature das Spiel sinnvoll bereichert und nicht vielmehr unnötig komplizierter macht.

Immerhin funktioniert die Idee der Rollenverteilung: Während Jonathan den Standardkämpfer darstellt, der im Idealfall per Peitsche agiert, ist Charlotte die Magiebegabte. Dies wirkt sich nicht zuletzt auf die große Gegnervielfalt aus, von denen manche nur auf physische oder magische Angriffe reagieren.

Damit ist mit den RPG-Elementen noch lange nicht Schluss: Im Shop besorgt ihr euch Rüstungen, Waffen oder lebensspendende Getränke, beim ominösen Geistercharakter Wind könnt ihr kleine Aufträge annehmen und es gibt so viele Räume, diesmal verteilt auf mehrere Karten, dass ihr ohne Übersichtskarte und Speicherpunkte völlig verloren wärt. Dennoch stehen das Springen und das Kämpfen im Vordergrund. Gleichzeitig hat sich Konami ganz wenige Adventure-Rätsel einfallen lassen, deren Potenzial trotz der Zwei-Figuren-Idee leider nur im Ansatz angerissen wird.

Der Umfang an Geheimräumen stellt ebenso keinen neuen Rekord auf: Dies liegt vorrangig daran, dass nur wenige der zu entdeckenden Fähigkeiten euch neue Räumlichkeiten zugänglich machen. Des Weiteren wirken manche Zwischenräume aufgrund ihrer Leere wie schnöde Lückenfüller und insgesamt fühlt sich das Level-Design im Vergleich zu älteren ´Symphony of the Night´-inspirierten Vorgängern eine Nuance schlechter an.

Optik baut ab, Akustik legt zu

Auch grafisch sind wir von der Serie Besseres gewöhnt: Während die Gegner pixelperfekt und größtenteils sehr gut animiert sind, wirkt die Farbwahl etwas zu dezent und einige Hintergründe sehen einfach nur durchschnittlich aus. Manche von ihnen wurden obendrein mit mäßigen 3D-Objekten verziert, welche so gut wie keinen räumlichen Effekt erzeugen und dafür pixelig und/oder schlecht hineinkopiert aussehen.

Nur in einem Punkt erreicht ´Portrait of Ruin´ fast durchweg Lob: Der Soundtrack, komponiert von den beiden Kultvideospielmusikern Michiru Yamane und Yuzo Koshiro, ist serienbezogen der beste seit Langem und muss sich nur vor dem nach wie vor unerreichbaren ´Symphony of the Night´-Ohrenschmaus verbeugen. Ein Mini-Multiplayermodus, in dem ihr euch zu zweit mehreren Bosskämpfen stellt oder Gegenstände im eigens aufgestellten Shop vertickert, rundet das Spiel ab, ohne es bedeutend aufzuwerten.

Fazit

Andreas Altenheimer - Portraitvon Andreas Altenheimer
Ist am Ende der Lack ab? Design und Grafik zeigen minimale Ermüdungserscheinungen, zudem die Zwei-Figuren-Idee das Spielgefühl eher verkompliziert als bereichert. Trotzdem immer noch ein empfehlenswerter Action/RPG-Mix inklusive wunderschöner Musik.

Überblick

Pro

  • bewährtes, unverwüstliches Spielkonzept
  • stellenweise exzellenter Soundtrack
  • enorm große Gegnervielfalt

Contra

  • Idee der zweiten Figur verwirrt
  • schwächelndes Level-Design
  • Hintergrundgrafiken wirken uninspiriert

Wertung

  • DS(i)
    82
    %

Könnte dichinteressieren

Kommentarezum Artikel