Test - Alan Wake: American Nightmare : Dr. Wake und Mr. Scratch

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Mr. Scratch ist ein echtes, Verzeihung, Arschloch. Er behandelt Frauen wie Dreck. Er quält und tötet wahllos Menschen. Und er ist das böse Alter Ego von Alan Wake, dem bekannten Schriftsteller. Als hätte der damals in seinem ursprünglich als Urlaub geplanten Horrortrip am See nicht schon genug mitgemacht, muss er sich nun mit seinem fiesen Doppelgänger rumschlagen. Aber passiert das alles wirklich? Ist es nur Teil der Mystery-Serie „Night Springs“? Träumt Alan Wake das alles nur oder ist er gar tot und Mr. Scratch seine Fahrkarte zurück in die Welt der Lebenden? Ihr merkt schon, auch der DLC wirft in bester Tradition des Hauptspiels viele Fragen auf.

Statt euch aber wie beim Hauptspiel langsam mit einer beschaulichen Introsequenz an die Geschichte heranzuführen, ist von Anfang an Action angesagt. Schon nach wenigen Sekunden steht euch das erste Schattenwesen gegenüber. Alan zückt wie gewohnt seine Taschenlampe, um das Wesen mit dem Lichtstrahl zu schwächen. Nun noch ein paar Kugeln aus der Pistole, und die Sache ist erledigt. Dann geht’s auf der Jagd nach dem irren Serien-Killer Scratch ohne Verschnaufpause zum nächsten Wegpunkt, der euch auf dem Radar angezeigt wird.

Splitter und Spinnen

Anfangs schlägt sich Alan Wake in einer Kleinstadt mit dem lichtscheuen Gesindel herum. Später warten noch Ausflüge auf eine Sternwarte und in ein Autokino auf den Autor. Wenn euch nicht gerade dunkle Kreaturen mit Kettensäge oder Messer attackieren, solltet ihr Ausschau nach Manuskriptseiten halten. Die haben zwei Funktionen: Zum einen bringen sie etwas mehr Licht ins Dunkel sowohl der Hauptspielhandlung als auch der DLC-Geschichte, zum anderen kommt ihr durch sie an neue Wummen. Habt ihr nämlich genug Seiten gesammelt, könnt ihr Kisten öffnen, in denen sich ein Sturmgewehr, eine abgesägte Schrotflinte oder eine Uzi befinden. Während Veteranen die herumliegenden Leuchtfackeln und Blendgranaten aus dem Hauptspiel kennen, sind Waffen wie der Nagler oder die Armbrust neu.

Gute Waffen sind nicht unwichtig, schließlich warten einige neue Gegnertypen auf euch. So verwandelt sich der Vogelmann kurzerhand in einen Schwarm von Raben, sobald ihr ihn angreift. Der Gigant dagegen setzt auf pure Kraft und versucht, euch mit seiner Metallsäge zu zerstückeln. Dagegen muten die Spinnen fast schon niedlich an. Die tauchen zwar in Massen auf, halten aber nicht viel aus. Nerviger sind da schon die Splitter. Trefft ihr die Gestalten, teilen sie sich in zwei kleinere Kreaturen. So werden aus einem Gegner dann schnell acht kleine. Rettungsinseln im Kampf gegen das Böse bieten die Straßenlaternen, deren Lichtkegel eure Lebensenergie wieder auffrischen und die ganz nebenbei als Speicherpunkte fungieren. Doch Vorsicht! Anders als im Hauptspiel erlischt das Licht nach kurzer Zeit. Nützlich sind auch die Munitionsschränke, die für volle Magazine sorgen.

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Ich schau TV!

Eurem bitterbösen Doppelgänger begegnet ihr anfangs nur, wenn ihr einen der in den Levels verteilten Fernseher anschaltet. Mr. Scratch verhöhnt den braven Wake, zeigt sein mörderisches Waffenarsenal oder gibt Einblicke in seine kranke Psyche. Etwas Abwechslung von den nervenzerreißenden Kampfeinlagen mit den Schattenwesen bieten superseichte Rätseleinlagen, die ihren Namen eigentlich nicht verdienen. Da müsst ihr dann ein Ventil aufdrehen, den Strom einschalten, an einem Kalender das richtige Datum einstellen oder einen Schlüsselbund finden. Diese Einlagen wirken aufgesetzt und dienen offensichtlich lediglich dazu, die vielen Kampfsequenzen etwas zu entzerren.

Im Vergleich zum „großen“ Alan Wake wirkt der DLC-Ableger insgesamt dezent farbenfroher und passt sich somit auch optisch dem actionorientierten Ansatz an. Großartig sind nach wie vor die Licht- und Schatteneffekte, die Remedy auf den Bildschirm zaubert. Besonders die Abschnitte im Autokino machen grafisch einiges her. Die Klangkulisse ist ähnlich beeindruckend wie im Hauptspiel. Eine gute englische Sprachausgabe (auf Wunsch mit deutschen Untertiteln) und passende Musikstücke unterstreichen die düstere Atmosphäre bei der Jagd nach dem irren Serien-Killer. Wer nach circa vier Stunden den Story-Modus durchhat, probiert sich im Arcade-Modus. Hier müsst ihr auf fünf Karten jeweils zehn Minuten lang Wellen von Schattenwesen erledigen, um euch in den Highscore-Listen verewigen zu können.

Fazit

von Jens Quentin
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich den Spielablauf und das Konzept von American Nigthmare als geniale Darstellung eines wirren Psychotrips feiern oder als schnöde Geldmacherei von anscheinend einfallslosen Entwicklern verurteilen soll. Ohne zu viel verraten zu wollen und die Überraschung vorwegzunehmen: Abwechslung und Vielfalt wird auf der Jagd nach dem bösen Alter Ego nicht gerade großgeschrieben. Wer sich im Alan-Wake-Universum heimisch fühlt, die vielen Andeutungen und Hinweise auf die Geschichte des Hauptspiels, die Charaktere und deren Beziehungen zueinander deuten kann, für den ist American Nightmare mit seinen vier Spielstunden die 1200 MS-Punkte wert. Wer das Hauptspiel nicht kennt und lediglich ein abwechslungsreiches XBL-Action-Spiel sucht, für den ist American Nightmare trotz netter Arcade-Modus-Dreingabe ein Griff ins Klo. Gemein formuliert: Das Beste an American Nightmare ist der Hinweis im Abspann, dass Alan Wake bald wieder im Kampf gegen dunkle Mächte unterwegs sein wird. Dann hoffentlich wirklich in Form eines zweiten Teils.

Wertung

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