Test - The Sojourn : So schön und doch so hohl

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Knobeln, um des Knobelns Willen. Wer sich von The Sojourn eine tiefgreifende Geschichte und immersives Worldbuilding erhofft, wird im Puzzle-Abenteuer eher enttäuscht. Für reine Rätselfreunde hat das schlichte Singleplayer-Adventure vielleicht mehr zu bieten.

Alles beginnt mit dem Wunder der Geburt: The Sojourn erzählt die Geschichte einer kleinen Familie und wie die raue Realität das Leben ihres Neugeborenen formt – oder so ähnlich. Denn was genau dem Kind beim Älterwerden so widerfährt, ist in großen Teilen des Spiels Interpretationssache. Story-Happen werden euch ausschließlich in Form von steinernen Statuen dargeboten, die unbewegt einzelne Szenen aus dem Leben der Protagonisten darstellen.

Die Säulen des Gameplays

Doch nicht nur in der Handlung spielen Steinfiguren die Hauptrolle, auch die Rätsel, die das tragende Gameplay-Element im Puzzlespiel bilden, drehen sich um Statuen. Die grundlegende Mechanik in The Sojourn besteht darin, dass es neben der normalen, hellen Welt auch eine düstere Parallelwelt gibt, in der Wege, Brücken und Pfade oftmals ganz anders liegen als im Tageslicht. Diese Schattenwelt könnt ihr aber nur durch blaue Flammen betreten und euch lediglich eine begrenzte Anzahl an Schritten darin bewegen, bevor es wieder helllichter Tag wird.

Um durch versperrte Pfade und über zerbrochene Brücken zu kommen, müsst ihr mit Statuen interagieren, was nur in der Schattenwelt möglich ist. So könnt ihr etwa eure Position mit einer bestimmten Figur tauschen; steinerne Harfen reparieren für eine begrenzte Zeit Brücken und verschlossene Portale brauchen ebenfalls eine Figur, um den Weg freizugeben. Die Kombinationsmöglichkeiten dieser Elemente sind vielfältig und werden laufend schwieriger.

Mehr Elemente – weniger Abwechslung

Je weiter ihr vorankommt, desto mehr Elemente füllen die Levels. Etwa Tore, die euch dauerhaft in der Schattenwelt wandeln lassen, oder Maschinen, die Statuen verdoppeln. The Sojourn verlangt vom Spieler regelmäßiges Umdenken und sorgt so dafür, dass die Rätsel bis zum Schluss fordernd bleiben. Auch wenn der gleiche Lösungsansatz so gut wie nie mehrfach gefragt ist, schleicht sich doch auf Dauer Monotonie ein. Wenn ihr etwa zehn Levels am Stück löst, bei denen zwar jedes für sich spaßig und fordernd war, kommt trotzdem leicht das Gefühl auf, dass es an Abwechslung fehlt.

Trotz der diversen Objekte, die zum Einsatz kommen, läuft nämlich jedes Rätsel nach dem gleichen Schema ab: Die Welt baut sich vor euch auf, ihr ortet den Ausgang und welche Mittel euch zur Verfügung stehen, knobelt etwas herum, erreicht den Ausgang und bekommt in der Regel dann noch die Möglichkeit in einem neu entstehenden Abschnitt eine Bonusschriftrolle zu holen. Im Schnitt erscheint alle fünf Rätsel ein Story-Happen in Form der eingangs erwähnten, unbewegten Szenarien.

Die sind leider nicht interessant genug, um zum schnellen Vorankommen zu motivieren. Wer sich in The Sojourn bis ans Ende kämpfen will, muss tatsächlich rätseln, um des Rätselns Willen. Denn neben der eher lauwarmen Inszenierung bieten auch die Bonusobjekte keinen großen Anreiz voranzukommen. Auf den sammelbaren Schriftrollen stehen meist „Lebensweisheiten“, die auch direkt aus dem Poesiealbum der vierten Klasse oder dem Esoterik-Bildband mit bedeutsamen Sprüchen, der bei Omma im Regal verstaubt, stammen könnten.

Weise oder doch belanglos?

Ein Beispiel gefällig? Für einen zusätzlichen Levelabschnitt bekamen wir unter anderem diesen Sinnspruch: „Ketten dienen zur Bewahrung von Ordnung und Gleichgewicht, doch auch dazu, Veränderung zu verhindern.“ Tja, ob sich dafür, je nach Schwierigkeitsgrad, rund zehn Minuten Extrarätselzeit gelohnt haben, muss jeder für sich entscheiden. Wir finden das jedoch etwas dürftig.

Am liebevollen Grafikstil gibt es hingegen wenig zu meckern. Die Welten, die ihr durchpuzzelt, sind abwechslungsreich gestaltet und durchaus detailliert. Zwar sieht man dem Grafikstil an, dass es sich nicht um einen Vollpreistitel handelt, das tut der stimmigen Atmosphäre mit entspannter Hintergrundmusik aber keinen Abbruch. Wer die 21,99 Euro in den Puzzler stecken will, muss sich jedoch bewusst sein, dass er nicht viel mehr als durchaus fordernde Kombinationsrätsel im immergleichen Stil geboten bekommt.

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