Special - Rockstah goes Gaming #8 – Kolumne : Videospielbranche, wir müssen reden!

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Die einst grün sprießende Rare-Wiese wurde an Microsoft verkauft und das einst gelobte Land wurde in den Folgejahren eine hässliche, graue Industrielandschaft. Ein bisschen wie beim Lorax. Grabbed by the Ghoulies, den ersten Gehversuch auf der Xbox, wollte man Rare noch verzeihen, doch jeder weitere Titel hämmerte laut und ohne Gnade den Nagel in den Sarg des früher so glänzenden Rare-Logos. Eine schlechte Perfekt-Dark-Fortsetzung, die Ausschlachtung von Viva Piñata sowie die beispiellose Hinrichtung der Banjo-&-Kazooie-Reihe waren die Folge. Lediglich Kameo ließ kurz auf das Anknüpfen an alte Erfolge hoffen, aber auch das konnte nichts mehr retten. Das Logo verlor seinen Glanz und wurde zu Recht gegen einen einfachen, serifenlosen Schriftzug ausgetauscht, der heute für nicht mehr steht als ein paar seelenlose Kinect-Sportspiele. Schade, Rare. Das hätte so nicht enden müssen. Aber nun ist es so. Was uns bleibt, sind ein paar schöne Erinnerungen. Mehr leider nicht. Hoffen wir mal, dass Pixar die Parallele zu Rare vermeiden wird, denn das Animationsstudio hat die letzten Jahre auch mehr falsch gemacht als richtig.


3. Der hässliche Sohn, der angekettet auf dem Dachboden wohnt: Virtual Boy

Wer Punkt 1 aufmerksam gelesen hat, der weiß: Nintendo war für mich eines der besten und bis zu einem gewissen Zeitpunkt makellosesten Unternehmen der Unterhaltungsindustrie. Ich habe immer Argumente gefunden, die Big-N-Fahne hochzuhalten, selbst vor dem größten Hater. Beim Virtual Boy konnte allerdings auch ich nicht mehr vernünftig argumentieren und musste mir am Ende eingestehen: Das ist ganz großer Mist.

Die meisten von euch mögen diesen seltsamen Fauxpas von Nintendo gar nicht mehr kennen. Das liegt eventuell daran, dass das Gerät nie offiziell in Deutschland erschienen ist. So oder so: Ihr habt nichts verpasst. Der Virtual Boy wurde irgendwann im Jahr 1995 veröffentlicht. Es handelte sich um eine Art Brille, die so groß war wie ein Super Nintendo und auch genauso schwer. Diese Brille konnte man nicht aufsetzen, sondern nur auf einem klapprigen Ständer befestigen. Ein daran rumbaumelnder Controller mit zu kurzem Kabel war für die Steuerung zuständig. Damit fehlte schon mal die Grundvoraussetzung, auf der alle Videospiele irgendwie beruhen: eine gemütliche Haltung.

Hatte man irgendwie eine Möglichkeit gefunden, eine für sich annehmbare Position zu finden, bei der man sich nicht mit sofortiger Wirkung einen Bandscheibenvorfall zuzog, erlebte man das vielleicht unzumutbarste Spielerlebnis seines Lebens. Die Grafik, die ausschließlich nur Rot, Blau und Schwarz darstellen konnte, trumpfte zwar, durch die Brille gesehen, mit 3-D-Tiefe auf, kam aber aufgrund des zweifarbigen, billigen Game-Boy-Looks in keiner Weise zur Geltung. Wer länger als zehn Minuten spielte, wurde mit Migräne und vier leeren AA-Batterien bestraft.

Bis heute ist mir unklar, was das sollte. Und Nintendo sicherlich auch. Wer auch immer da im Koksrausch nach dem Lesen von Stephen Kings “Rasenmähermann“ noch vor der Jahrtausendwende dachte, 3-D-Brillen seien eine gute Idee, arbeitet hoffentlich inzwischen in einem Gravis-Store. Der Virtual Boy machte einen polnischen Abgang und verschwand so unspektakulär, wie er auftauchte. Neben dem Powerglove und der Super Scope Bazooka ist der Virtual Boy bis heute das größte Fragezeichen, das Nintendo je in meinem Kopf hinterlassen hat. Dafür liebe ich Nintendo auch schon wieder fast ein bisschen. Aber nur fast.

Puh, das war ganz schön viel, was wir bequatschen mussten. Und jetzt ist es auch schon ganz schön spät. Ich denke, wir vertagen die weiteren Punkte unseres Gesprächs auf die nächste Woche, liebe Videospielindustrie. SEGA, Kinect, Resident Evil und viele andere Themen bieten noch genug Gesprächsstoff für die kommenden Wochen. Ich liebe dich aber trotzdem. Du brauchst dir keine Sorgen um uns zu machen. Wir bleiben zusammen bis zum Ende. Schlaf gut.

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