Special - Förderung der deutschen Spielelandschaft : Entwickler- oder Entwicklungsland?

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Die Bundesrepublik Deuschland gehört zu den innovativsten Ländern der EU – zumindest wenn es nach einer vor Kurzem veröffentlichten Studie der Europäischen Kommission geht. Demnach ist Deutschland nicht nur Wirtschaftsmotor, sondern auch ein Garant für neue Ideen. Herrscht also eitel Sonnenschein im Land der Dichter, Denker und Autobauer? Nicht ganz. Wenn es um den digitalen Zeitvertreib geht, besteht offenbar Nachholbedarf. Während Großbritannien seit Kurzem die Entwicklung von Spielen mit bis zu 1,2 Millionen Euro fördert, geschieht auf deutscher Ebene äußerst wenig.

Das Steuererleichterungsprogramm der britischen Regierung zur Förderung der Spielebranche, das kürzlich von der EU-Kommission bewilligt wurde, ist für den BIU (Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e. V.) Grund genug gewesen, um eine Stellungnahme zu veröffentlichen. Darin begrüßt der Verband einerseits, dass die Pläne Großbritanniens genehmigt wurden, andererseits befürchtet der BIU, „[...] dass der Wettbewerbsdruck auf die in Deutschland ansässigen Unternehmen durch die Entscheidung der Kommission weiter steige.“ Die Absichten des BIU sind klar: eine stärkere Förderung der hiesigen Industrie. Laut BIU soll dies jedoch nicht nur auf finanzieller Ebene geschehen.

Laut BIU müssen unter anderem auch die Behebung des Fachkräftemangels, neue Geschäftsmodelle und die Aufhebung von Wettbewerbsnachteilen Teil eines neuen, ganzheitlichen Konzeptes sein. Der BIU vertritt die in Deutschland ansässige Video- und Computerspielindustrie. Dementsprechend ist es Teil seiner Aufgabe, Lobby-Arbeit zu leisten und für bessere Bedingungen zu kämpfen. Es stellt sich also die Frage, ob diese Forderungen berechtigt sind? Muss die deutsche Spielelandschaft besser gefördert werden, damit ansässige Entwickler und Publisher nicht den Anschluss verlieren?

Der Preis ist (nicht) heiß

Wenn man sich mit der Subventionierung in Deutschland auseinandersetzt, muss man zunächst zwischen der Förderung auf Landes- und Bundesebene unterscheiden. Hört man sich bei den verschiedenen Entwicklern, wie beispielweise Daedalic oder Crytek (Interview mit Geschäftsführer Avni Yerli folgt auf Seite 2), um, kommt man zu dem Schluss, dass der Bund nur wenig Geld in die Hand nimmt, um die hiesige Industrie zu unterstützen.

Da mag es den Deutschen Computerspielpreis geben, der eigens ins Leben gerufen wurde, um qualitativ hochwertige Produktionen auszuzeichnen. Allerdings werden die Verantwortlichen erst mit einem Preisgeld geehrt, wenn ein Produkt den kompletten Entwicklungszyklus durchlaufen und sich obendrein noch gegen die Konkurrenz durchgesetzt hat. So bleibt kleineren Studios Unterstützung seitens des Bundes verwehrt, da es mit wenig Budget so gut wie unmöglich ist, ein gutes Spiel auf die Beine zu stellen, das genügend Aufmerksamkeit bekommt.

(Gewinner "Bestes Deutsches Spiel" Crysis 2: Felix Leyendecker, Avni Yerli (Crytek), Ruben Salgado Esadero v. l. n. r.)

Lenkt man den Blick auf die einzelnen Bundesländer, zeigt sich ein etwas anderes Bild. Das föderalistische Staatenprinzip Deutschlands sorgt dafür, dass jedes einzelne Bundesland bis zu einem gewissen Grad unabhängig ist. Dadurch verhält es sich sehr unterschiedlich, was die Förderung der Industrie anbelangt. Entwickler Daedalic Entertainment war seinerzeit das erste Unternehmen der Spielebranche, das im Rahmen des Programms zur Prototypenförderung von der Stadt Hamburg unterstützt wurde. Mit einer Summe in Höhe von 100.000 Euro wurde die Produktion eines Prototyps ermöglicht.

Solch ein Vorhaben kann inbesondere kleinen und mittleren Studios helfen. Das Land streckt das Geld wie in diesem Beispiel in Form einer rückzahlbaren Zuwendung vor, sodass Entwicklern die Möglichkeit gegeben wird, ihre Ideen anhand eines Prototyps zu veranschaulichen. Das kann schlussendlich dabei helfen, Geldgeber in Form größerer Publisher zu finden und die anfängliche Idee zur Marktreife zu bringen.

Landespolitik

Auch das Land Baden-Württemberg hat erst vor Kurzem zwei kleinere Entwickler unterstützt. Das in Freiburg ansässige Unternehmen 5D Lab erhielt eine Förderung in Höhe von 90.000 Euro für Mitosis – ein Wissen vermittelndes Spiel für Smartphones und Tablets. Zudem erhielt Causa Creations, ein Karlsruher Spielentwickler, 50.000 Euro für ihr Online- und Mobile-Spiel Minewars. Keine Frage, auch Spiele und deren Entwicklung werden gefördert, wenn auch in einem überschaubaren Rahmen und nicht, wie eingangs erwähnt, in solchen Dimensionen, wie es in Großbritannien nun der Fall ist.

(Szene aus dem Spiel Deponia, ein Spiel vom Hamburger Entwicklerstudio Daedalic)

Der FilmFernsehFonds Bayern (FFF) greift kleineren Unternehmen seit 2009 finanziell unter die Arme. Seitdem stehen dem Förderbereich jährlich 470.000 Euro zur Verfügung, um die Entwicklung von Konzepten und Prototypen sowie die Produktion von Spielen zu unterstützen. Nähere Informationen, wie hoch die Finanzierung ausfallen kann, findet ihr hier. Im Vergleich zur Filmförderung wirken diese Beträge hingegen nur wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Allein das Land Bayern gibt jährlich über 25 Millionen Euro für die Filmförderung aus.

Angesichts dieser Zahlen scheint es wenig verwunderlich, wenn der BIU die mangelnde Förderbereitschaft der Bundesregierung anprangert. Um zu erfahren, wie die Betroffenen denken, haben wir bei Entwickler Crytek, genauer gesagt bei Avni Yerli, einem der Geschäftsführer des renommierten Frankfurter Studios, nachgefragt. Unsere Fragen sowie Avni Yerlis Antworten findet ihr auf der nächsten Seite.

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