Test - Sinner: Sacrifice for Redemption : Dark-Souls-Klon aus China: einfach nur billig?

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Greift zu, wenn...

… ihr alles spielt, das auch nur entfernt an Dark Souls erinnert, und sowieso der Meinung seid, die Bosskämpfe sind das mit Abstand Beste an den Spielen.

Spart es euch, wenn...

… für euch ein paar Bosskämpfe in leicht amateurhafter Verpackung kein vollständiges Spiel sind.

Fazit

Matthias Grimm - Portraitvon Matthias Grimm
Dreister Dark-Souls-Klon in einer Light-Variante, der zwischendurch aber durchaus Spaß machen kann

Sinner: Sacrifice for Redemption ist ein bisschen wie das Konzert der Coverband, die die Greatest Hits ihrer Lieblingskünstler zum Besten gibt, nur eben halt nicht in großen Stadien, sondern im Bierzelt auf dem Dorffest zwischen Pommesbude und Riesenrad. Da klingt alles etwas blechern, der Sänger bewegt sich ungelenk zum Rhythmus und die Instrumente stammen unverkennbar aus dem Second-Hand-Laden in der Fußgängerzone.

Es fiele leicht, sie deshalb mit nichts als Häme zu überschütten. Doch letztlich singt man die Lieder seiner Lieblingsband auch dann (und erst recht) noch mit, wenn man kaum noch auf dem Tisch stehen kann, auf dem man tanzt. Denn auch wenn sie zweifellos nicht zu derselben handwerklichen Perfektion und kreativen Raffinesse imstande ist wie ihr Vorbild, so spürt man doch die Leidenschaft, mit der die Kapelle aufspielt, und ihren Sinn fürs Wesentliche, das eine Hommage vom reinen Plagiat unterscheidet.

Sinner: Sacrifice for Redemption dividiert aus der Dark-Souls-Formel alles heraus, was dort als Variable vorkommt, und reduziert sie auf den kleinsten gemeinsamen Nenner: die Kämpfe gegen acht Bosse, die allesamt wie Substrate ihrer klar erkennbaren Inspirationsquellen aus den Soulsborne-Spielen wirken. Sinner ist damit ein stellenweise dreister China-Klon seiner Vorbilder, verfügt aber dennoch über das nötige Fünkchen handwerkliche Solidität, um ihm zumindest die Existenzberechtigung nicht völlig abzusprechen – From Software klaut schließlich auch oft genug Ideen bei sich selbst. Dass es zeitweise sogar Spaß macht und einen ähnlichen Ehrgeiz wie Dark Souls zu erzeugen versteht, ist in diesem Sinne vor allem ein weiterer Beweis dafür, wie genial das Souls-Prinzip einfach funktioniert - selbst in einer mittelmäßigen Kopie.

„Lieber von den Besten kopieren als schlecht selber machen“, ist ein Motto, das in vielen Fällen aufgeht und in den restlichen zumindest meist den Totalausfall verhindert. So auch hier. Aber um das einleitende Bild der Coverband abschließend nochmal aufzugreifen: Was sagt man doch gleich über den mittelmäßigen Klaus? Rock'n Roll sieht anders aus.

Die richtig guten Dark-Souls-Klone gibt es hier: Die 10 besten Alternativen zu Soulsborne

Überblick

Pro

  • 8 Bosse nach Dark-Souls-Vorbild
  • Dark-Souls-typischer Ehrgeiz wird zeitweise entfacht
  • interessante Opferungs-Spielmechanik

Contra

  • Plagiatverdacht: kaum Eigenständigkeit beim Boss-Design
  • außer den Bosskämpfen gibt es sonst keine Inhalte
  • technisch ordentlich umgesetzt, aber weit entfernt von From-Software-Perfektion
  • Opfermechanik macht das Endgame nervig schwer
  • verhält sich zu Dark Souls wie Tütensuppe zu einem Sternegericht
  • für 30 Euro gibt es deutlich bessere Soulslike-Alternativen

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