Test - Rock Revolution : Musikalische Entziehungskur

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Veni, vidi, weg damit. Unter diesem Motto scheint Konamis Versuch zu stehen, sich erneut im boomenden Musikspielgenre zu etablieren. Seitdem Rock Band und Guitar Hero kräftig Kohle einfahren, zumindest in den USA, sprießen immer mehr Klone aus dem Boden, die ein Scheibchen des Erfolgs abknabbern möchten. Konami ist ja noch nicht mal unerfahren in dem Bereich. Doch schlecht kopieren ist kein wirkliches Erfolgsrezept.

Fangen wir gleich mal mit dem wohl einzig wirklich guten Feature des Spiels an. Nämlich dass die derzeit gängigen Musikspiel-Controller klaglos unterstützt werden. Guitar-Hero-Gitarre oder Rock-Band-Schlagzeug angeklemmt und problemlos verrichten diese ihren Dienst. Das ist auch gut so, denn in Europa bietet Konami das Spiel ohne Hardware an. Vielleicht sogar ein kleiner Vorteil, denn Stimmen in den Foren berichten über ein miserabel verarbeitetes Drumkit.

So weit zu den Pluspunkten. Vom Spielprinzip her hat Rock Revolution so ziemlich genau das zu bieten, was die Konkurrenz ebenfalls im Gepäck hat. Wahlweise mit Gitarre, Bass oder Schlagzeug versucht ihr, als Farbkleckse auf einem Laufband markierte Töne rechtzeitig zu erwischen. Den Gesang hat sich Konami allerdings gleich komplett gespart. Warum? Keine Ahnung, so schwer kann das eigentlich nicht sein, andere kriegen es ja auch hin. Nun gut.

Spielbarkeit in den Sand gesetzt

Das Problem: Im Hinblick auf die Spielbarkeit muss Konami noch einige Runden im Übungsraum verbringen. Schwachpunkt Nummer eins ist das Laufband. Wo die Konkurrenz mit einer schrägen Draufsicht arbeitet und ihr schon früh die kommenden Sequenzen erkennt, arbeitet Rock Revolution mit einer senkrechten Anzeige. Gerade schnelle und kompliziertere Sequenzen werden so zu einem reinen Glücksspiel, weil ihr nicht die Zeit habt, euch mit Fingerpositionierung und etwas Planung darauf vorzubereiten.

Rock Revolution - Scars Trailer
Drums, Gitarren und fette Beats: Konami schafft mit 'Rock Revolution' Konkurrenz für 'Rockband' und Co.

Schwachpunkt Nummer zwei: Das Laufband nimmt nur einen kleinen Teil des Bildschirms ein, zudem sind die Farbmarkierungen arg klein, während auf zwei Dritteln des Bildschirms schlappe, aber flackernde Bühnenshows ablenken. Nicht gut gelöst, weil sehr unübersichtlich. Schwachpunkt Nummer drei: Die Präzision der Steuerung scheint eher in den Bereich Glückssache zu fallen. Zum einen, weil die Kalibrierung nicht viel taugt, zum anderen, weil die Töne streckenweise nur wenig passend zu Melodie und Rhythmus gesetzt sind.

Karriere ja, aber wozu?

Der Karrieremodus hat wenig zu bieten. Motivationslos schrammelt ihr euch durch verschiedene Challenges, in denen es goldene und Platin-Schallplatten zu ergattern gilt. Jede Scheibe umfasst sechs Lieder, darunter einige Herausforderungen und einige normal zu spielende Stücke. Sinnigerweise meist dieselben. Spannend. Die Herausforderungen sind durchaus nicht unoriginell. Mal gilt es, Störtöne zu vermeiden, mal mit wechselnden Schwierigkeitsgraden durch einen Song zu gelangen.

Und da sind wir schon beim nächsten Problem: Die Schwierigkeitsgrade, die ihr jederzeit frei wählen könnt, sind furchtbar ausbalanciert. Auf den einfachen Stufen könnt ihr locker zwischen zwei Tönen einen Kaffee trinken gehen und langweilt euch zu Tode, doch bereits auf mittleren Graden werden einige Lieder dank der miesen Spielmechanik geradezu unspielbar. Ein echtes Konzept ist diesbezüglich nicht erkennbar.

Zu schlecht für den Proberaum

Was aber eigentlich das Schlimmste am Spiel ist, sind die Songs. Nicht von der Auswahl an sich her, die ist ganz in Ordnung und bietet einen recht netten Querschnitt durch verschiedene Kategorien. Aber die Qualität ... Konami hat es sich gespart, Geld für Lizenzen auszugeben, und lediglich Cover-Versionen auf die Scheibe gepresst. Die sind zum Teil allerdings so furchtbar, dass jede halbwegs taugliche, halb besoffene Garagenband bessere Interpretationen abgeliefert hätte. Kein Vergleich zu den fast göttlichen Cover-Versionen, die uns in frühen Guitar-Hero-Teilen vorgesetzt wurden.

Da tröstet es wenig, dass ihr mit dem recht übersichtlichen Tonstudio ohne allzu große Möglichkeiten einige Tracks zurechtzimmern könnt. Oder im Online-Modus mit- und gegeneinander antreten dürft. Letzteres wird aus oben genannten Gründen ohnehin erst ab einer nicht unbeträchtlichen Menge Bier erträglich. Und aufgrund der wenig spektakulären visuellen Darstellung mit uninteressanten Bühnenshows und einem Publikum, das die Roboterarmeen aus Star Wars fast schon kunterbunt dastehen lässt.

Fazit

Andreas Philipp - Portraitvon Andreas Philipp
Zugegeben, ich bin ein Musikspiel-Junkie. Was Konami hier bietet, ist allerdings eher das spielerische Pendant zu einer Entziehungskur. Unpräzise Spielmechanik, teils grauenvolle Cover-Versionen und ein völlig verhunztes Balancing sorgen dafür, dass die Spiel-DVD für mich eigentlich nur einen Zweck erfüllt: mitnehmen und im Biergarten unter ein wackliges Tischbein legen, damit nix überschwappt. Oder eine Runde spielen, um sich zu vergegenwärtigen, wie genial die Konkurrenz das Konzept umgesetzt hat.

Überblick

Pro

  • einige nette Challenges
  • nettes Tonstudio
  • gute Unterstützung gängiger Controller
  • moderater Preis

Contra

  • furchtbare Cover-Versionen
  • unpräzise Spielmechanik
  • schlechtes Balancing der Schwierigkeitsgrade
  • wenig motivierender Karrieremodus
  • kein Gesang möglich
  • geringer Umfang
  • schlechte Kalibrierung

Wertung

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