Preview - Robinson: The Journey : Willkommen im Jurassic Park!

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Virtual Reality ist ein Format zum Erleben – eines, das uns in Welten verfrachtet, die wir uns sonst nur entfernt vorstellen können. Crytek scheint mit Robinson: The Journey genau die Vorteile und Möglichkeiten von VR-Headsets verstanden zu haben und schickt euch in eine Welt voller Saurier, die eure Kindheitsträume wahr werden lässt. Wir durften den PlayStation-VR-exklusiven Adventure-Titel direkt bei Crytek in Frankfurt ausprobieren.

„Robinson Crusoe“ erzählt die Geschichte eines Mannes, der im 17. Jahrhundert auf einer unbewohnten Insel Schiffbruch erlitt. In Robinson: The Journey verschlägt es einen kleinen Jungen in der Zukunft als einzigen Überlebenden auf einen fernen Planeten, der von monströsen Urgiganten bewohnt wird. Dieser Junge namens Robin seid ihr und es ist eure Aufgabe, zu eurem abgestürzten Raumschiff zurückzukehren und dort natürlich in einem Stück anzukommen. Doch ihr seid nicht völlig allein. An eurer Seite ist die besserwisserische, aber liebenswürdige Robotereinheit HIGS, die euer stummes Alter Ego mit seinen Bemerkungen bei Laune hält.

Das Beste aus zwei Welten

Für Crytek war vor dem Entstehungsprozess von Robinson klar: „Wir brauchen etwas Großes, das man nur durch VR richtig erleben kann.“ Schnell fiel die Wahl auf Dinosaurier. Wer mag die Giganten aus der Vorzeit nicht? Wie kommt man aber auf die Idee, die sehr ferne Vergangenheit mit der Zukunft zu verpaaren, in der es für die Menschheit selbstverständlich ist, sich zu fernen Gestirnen aufzumachen? Der Keim des ungewöhnlichen Mixes ist eigentlich schon recht alt. In frühen Comics wurden bereits Dinosaurier auf anderen Planeten gezeigt, die mutige Raumfahrer neu entdeckten.

Was so unvereinbar wie Hühnerei und Nuss-Nougat-Creme klingt, schmeckt nach den ersten Bissen wie Käse und Marmelade. Eine Mischung, die besser harmoniert als erwartet. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Atmosphärisch kann bis jetzt kein anderer VR-Titel Robinson: The Journey das Wasser reichen. Neben der E3-Demo konnte ich einen weiteren Ausschnitt aus dem fast fertigen Titel erkunden und mich von den unfassbar schönen Panoramen des Saurierplaneten überzeugen. Licht, das mich durch einen dichten Blättervorhang blendet, und der hohe Grad an Detailverliebtheit, der in den Dschungel geflossen ist, lassen über die eher weniger berauschende Auflösung hinwegsehen, die mich anfangs noch eine Schnute ziehen ließ.

Zumindest verspricht Crytek im Zentrum des Bildes noch nachzujustieren. Was etwa 120 Sekunden störend auffiel, verflog glücklicherweise schnell. Robinson schafft es, genau das geliebte Gefühl bei mir hervorzurufen, das in mir sonst nur die „Jurassic-Park“-Filme wecken. „Willkommen im Jurassic Park!“, höre ich mit einer extra langen, dramatischen Pause in meinem Hinterkopf, als ich die Tür der Raumkapsel öffne und Saurier mein Lager umzingeln.

Immer mit der Ruhe

Crytek hat einiges unternommen, um eines der größten Probleme von VR-Spielen in den Griff zu bekommen: die Motion Sickness. Dazu wurde die Geschwindigkeit des Geschehens stark heruntergeschraubt. Dass die Wahl auf ein Kind als Protagonisten fiel, ist also kein Zufall. Ihr bewegt euch langsam, manchmal etwas mühselig fort und könnt nicht von einem Vorsprung auf eine Ebene darunter springen. Das würde dem Betrachter sofort auf den Magen schlagen. Sterben könnt ihr trotzdem. Nicht nur Saurier, sondern auch Abgründe setzen dem Trip in die Vergangenheit beziehungsweise Zukunft ein jähes Ende, wenn ihr euch wie Hans Guck-in-die-Luft nur mit den Flugsauriern beschäftigt, die über den Wipfeln kreisen.

Um den Magen zu schonen, wurde auch auf Soft-Rotation verzichtet. Wollt ihr Robin um die eigene Achse drehen, nutzt ihr einen Analog-Stick und dreht euch in kleinen, abgehakten Intervallen in die gewünschte Richtung. Aus technischer Sicht notwendig, ist das der einzige Aspekt, der mir in den wenigen Spielstunden die vollkommene Illusion getrübt hat. Folglich bewege ich mich langsam wie ein Brachiosaurus über den Planeten statt geschwind wie ein Raptor. Aus diesem Grund wird es beispielsweise die rasante Szene aus dem Trailer, in der der Protagonist durch die Beine einiger Saurier manövriert, nicht in der Form geben.

Ein Dino zum Verlieben

Action-Sequenzen sollen trotzdem nicht zu kurz kommen. Das kann ich jedoch nicht bezeugen, da sich der Abschnitt, der mir gezeigt wurde, rein auf Erkundung und Puzzles konzentrierte. Dabei spielt Crytek gerne mit der Physik. Um mit der Umwelt zu interagieren, ist ein Multitool genanntes Gerät notwendig, das sicher nicht aus Zufall dem PlayStation-Move-Controller ähnelt. Damit könnt ihr Gegenstände schweben lassen, sie bewegen und rotieren. Zum Beispiel müsst ihr eine Vogelscheuche zusammenstecken, um die Grundlagen der Steuerung zu lernen. Auch ein Zahlenrätsel, in dem eine bestimmte Stromstärke an einem Elektrozaun ankommen muss, wird es später in komplexerer Form geben.

Robinson: The Journey - E3 2016 Developer Video-Interview
Auch Crytek hat seinen VR-Titel Robinson: The Journey auf der PlayStation-Bühne weiter vorgestellt.

In Robinson: The Journey werden rund 30 Kreaturen vertreten sein. Von ihnen sind den Entwicklern zufolge jeweils mehrere Varianten vorhanden. Mit dem Multitool scannt ihr die Tiere, indem ihr leuchtende Punkte mit einem vom Kopf bewegten Lichtstrahl abtastet. Eine ziemliche Fummelei, bei der sich ein Perspektivenwechsel als hilfreich erweist. Als Belohnung winken Dioramen, in denen ihr das Lebewesen in aller Ruhe begutachten könnt.

Apropos Lebewesen: Neben HIGS gibt es einen weiteren Sidekick, mit dem Crytek das Herz eines jeden Hundehalters zum Schmelzen bringt. Da Robin sich schon ein Jahr lang auf dem Planeten befindet, ehe die Handlung einsetzt, hatte er die Gelegenheit, einen kleinen, drolligen Saurier zu domestizieren. Laika reagiert auf Zuruf und befolgt einfache Kommandos. Später wird sie offenbar für Rätsel an schwer erreichbaren Orten von großem Nutzen sein. Ich wurde übrigens dazu angestiftet, mit dem Multitool den beiden Begleitern ein Nudelsieb oder eine Kappe aufzusetzen. Der Zweck? Dadurch zeigten beide KIs die entsprechende Reaktion auf die ungewollte Interaktion.

Fazit

Mathias Windhager - Portraitvon Mathias Windhager
Ein potenzieller Kaufgrund für PlayStation VR

Obwohl mich VR bisher weitgehend kaltgelassen hat, war Robinson: The Journey eine Offenbarung. Für mich als „Jurassic-Park“-Fan wird ein Traum wahr: Ich kann die prähistorischen Tiere in der dichten Dschungelatmosphäre beinahe anfassen. Crytek hat es geschafft, mich für die gesamte Spieldauer die eigentliche Umgebung vergessen zu lassen. Der extraterrestrische Urwald lebt und atmet regelrecht. Die Panoramen, die Saurier, all das wirkt bis jetzt unglaublich stimmig. Da ist die mäßige Auflösung schnell vergessen.

Sorgen macht mir aber die Übelkeit, die trotz aller Sicherheitsmechanismen nicht völlig ausblieb. Nach etwa anderthalb Stunden ging es mit dem Wohlbefinden zügig abwärts. Dabei sieht Crytek den Titel als Spiel, das man gerne länger zocken kann. Trotzdem bin ich schon jetzt schwer beeindruckt. Mal sehen, ob die Atmosphäre die Handlung in den Schatten stellt oder in ihr einen ebenbürtigen Begleiter findet.

Jeder, der VR eher skeptisch beäugt, ändert möglicherweise nach einer Stunde Robinson: The Journey seine Meinung über diese „kleine technische Spielerei“ schnell. Ich zumindest fange jetzt an zu sparen, um endlich den Traum meiner Kindheit leben zu können, ohne erst eine Insel vor der Küste von Costa Rica pachten zu müssen.

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