Test - Rings : Samara ist endgültig in den Brunnen gefallen

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    In Rings kriecht die Brunnenbewohnerin Samara einmal mehr aus ihrem Loch. Die Filmfortsetzung unter der Regie von F. Javier Guitérez hatte eine derart unbeständige Vergangenheit, dass sie schon im Vorfeld zum Scheitern verurteilt schien. Wie ihr in unserer Kritik erfahren werdet, haben sich die schlimmsten Befürchtungen bewahrheitet. Vor einer Woche muss ein Anruf einer unheimlichen Stimme eingegangen sein, die prophezeite, dass die Filmreihe in sieben Tagen sterben würde. Sie sollte Recht behalten.

    Rings geht einen neuen Weg und versucht, etwas Interesse an einer Geschichte zu wecken, über die wir schon alles gehört zu haben glauben. Der Ansatz ist recht interessant und führt eine fast schon esoterische Herangehensweise an die mysteriösen Ereignisse ein. Ein College-Professor, eindimensional und lustlos gespielt von Big-Bang-Theory-Star Johnny Galecki, kommt zufällig in den Besitz des berühmten Videos und nimmt es zum Anlass für eine ganz neue Forschungsreihe.

    Im Ansatz ...

    Die Frage lautet: Gibt es eine menschliche Seele und Kann man diese anhand des Fluchs nachweisen? Mit einigen Studenten, die ähnlich häufig Flatliners gesehen haben, gründet er ein geheimes Hippielabor und geht dem Horror auf den Grund. Schön erdacht und schnell verspielt. Die Freundin eines dieser „Freiwilligen“ bemerkt das sonderbare Verhalten ihres Beziehungspartners und stellt eigene Nachforschungen an. Genug der Mühe, sagte der Drehbuchautor und macht Siesta.

    Ab jetzt folgt Rings einem üblem Klischee nach dem anderen und kopiert, persifliert und ahmt etliche Horrorfilme nach. Keine eigenen Ideen mehr, keine Überraschungen und vor allem keine Spur von echtem Schrecken. In einem 08/15-Plot treffen die Protagonisten auf die üblichen Verwirrungen, die entstehen, wenn solch eine Reihe versucht, nach all den Jahren noch Lücken zu finden, die nie geschlossen wurden, nur um sie dann lust- und ideenlos zu kitten. Dabei erfahren wir trotzdem nichts, was Fans und das unfreiwillige Publikum dieser Horrorfilme nicht bereits wussten.

    In dem typischen Horrordorf treffen wir die typischen nicht hilfsbereiten Bewohner und erfahren die durchgekauten und wieder ausgespuckten typischen Horrorinformationen. Als wäre das nicht bereits Grund genug zum Ärgern, kommt noch ein weiterer unangenehmer Punkt zu diesem Fiasko hinzu. Denn nicht ein einziger Schauspieler in diesem Werk agiert höher als auf Kellerebene. Zugegeben, die eindimensionalen und platt kreierten Figuren sind nicht das Material, aus dem man Skulpturen für Könige entwirft. Nichtsdestotrotz hätten die Akteure wenigstens versuchen können, etwas begeisterter bei der Sache zu sein.

    … und bergab

    Horrormädchen Samara (Bonnie Morgan) hat das Gruseln bereits nach Ring 2 verlernt und nie wieder ihre alte Motivation zurückerlangt. Zwei, drei gute Tricktechniken und vielleicht ein leichter Hauch von Spannung – das war es auch schon. Die Bedrohung des TV-Kletterers verblasst, da man keinerlei Variation in seine Auftritte einbaut, jedem Zuschauer von Beginn an klar ist, wer sterben und wer überleben wird, und vielleicht – nur vielleicht – der Alptraum eines jeden Friseurs bereits viel zu oft persifliert wurde.

    Es fällt aufgrund der oben genannten Punkte und des schrecklichen Ergebnisses, wenn diese kombiniert auftreten, schwer, Rings auch nur eine Minute lang ernst zu nehmen. So plätschert die Handlung vor sich hin, dem Kinogänger fallen langsam die Augen zu und die Darsteller scheinen in einer Art Schockstarre gefangen zu sein. Vielleicht wurde ihnen während der Dreharbeiten auch spontan bewusst, in was für einem minderwertigen Streifen sie da eigentlich mitspielen.

    Diese Kritik mag kürzer erscheinen als andere. Und das ist sie auch, weil es mehr nicht zu sagen gibt. Alle positiven Aspekte wurden genannt und die Liste auf der Negativseite könnte noch endlos weitergeführt werden. Vom hundsmiserablen Drehbuch über Kameraeinstellungen und Schnitt bis hin zum desaströsen Ende, das auf eine Fortsetzung hinarbeitet, von der wir alle seit Jahren wissen, dass sie für lange, sehr lange Zeit nicht realisiert werden dürfte - sollte Rings die Reihe nicht sowieso endgültig unter die Erde bringen.

    Fazit

    Heiner  Gumprecht - Portraitvon Heiner Gumprecht
    Hört auf! Es ist doch schon lange tot!

    Kurz und knapp? Spart es euch. Dieser Film bietet niemandem irgendeine Art von Mehrwert. Nicht den Neueinsteigern unter euch, nicht den alten Hasen und schon gar nicht den Fans der Reihe. Warum Letztere am ehesten die Finger von Rings lassen sollten? Lasst es mich so ausdrücken: Was ist schlimmer, als euer geliebtes Haustier sterben zu sehen? Ein Irrer, der euren geliebten Schatz mit einer Kettensäge entzweischneidet.

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