Test - Red Dead Redemption 2 : Meisterwerk oder Riesenreinfall?

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Nimmt man Charakterdarstellung, Animationen und die Darstellung der Spielwelt zusammen, hat Rockstar ein enorm hohes technisches Niveau und einen der wohl schönsten Titel der Konsolengeneration geschaffen. Erstaunlich bei der Größe des Spiels ist, dass sich Bugs in Grenzen halten und den Spielverlauf nicht nennenswert beeinträchtigen. Was uns auffiel, waren ein paar sporadische Ungereimtheiten bei Frisuren und Hüten, gelegentlich mal ein Textur- oder Lightmap-Flackern sowie manchmal die etwas überzogene Auswirkung von Kollisionen des Pferdes mit der Umgebung. Die Missionen hingegen waren inhaltlich und spielerisch fehlerfrei. Nicht übel, gar nicht übel.

Action satt mit allen Mitteln

Dass es in Red Dead Redemption 2 nicht an Action mangelt, dürfte klar sein. Schießereien spielen selbstverständlicheine große Rolle. Rockstar setzt dabei auf die üblichen Third-Person-Mechaniken mit Deckungsshooter-Elementen, die auch aus früheren Titeln bekannt sind. Wer möchte, darf sich aber auch aus der Egoperspektive in den Kampf stürzen, auf ein Zielen über Kimme und Korn müsst ihr dabei allerdings verzichten. Entsprechend ist auch die Steuerung der von früheren Rockstar-Titeln sehr ähnlich. Als Besonderheiten wären Duelle und Dead-Eye, quasi ein Zeitlupenmodus, zu nennen. Erstere kommen nur in besonderen Situationen zum Tragen, letzteren könnt ihr hingegen jederzeit nutzen, sofern euer Dead-Eye-Balken aufgeladen ist. Überaus hilfreich bei Kämpfen gegen viele Gegner.

Waffen gibt es reichlich, wobei ihr – wie zuvor erwähnt – durch das Inventar limitiert seid. Pistolen, Revolver, Gewehre, Flinten, Scharfschützengewehre, Messer, Wurfmesser, Lasso, Bogen, Tomahawk, Molotowcocktails, Dynamit – all das ist einsetzbar. Was fehlt, könnt ihr beim Waffenhändler eurer Wahl nachkaufen oder dort modifizieren lassen. Die gelegentliche Pflege eurer Waffen solltet ihr übrigens nicht zu kurz kommen lassen, um ihre volle Funktionalität und Durchschlagskraft zu erhalten. Natürlich gibt es auch besondere Waffen, teils missionsbedingt, teils als Beute von speziellen Charakteren.

Das Gute und für Rockstar-Spiele recht typisch ist: Alles kann und nichts muss. So könnt ihr auch euren eigenen Spielrhythmus finden, actionreiche Missionen mit ruhigen Momenten in der freien Natur wechseln lassen, um das Erlebte zu verarbeiten (und das tut mitunter wirklich not). Die Missionen sind erfreulich abwechslungsreich, mal mit viel Action, mal mit weniger, mal eher dezent, mal epischen Ausmaßes. Allzu schwer sind die Aufträge allerdings nicht geraten und ihr müsst nur selten auf Autosaves oder eigene Spielstände zurückgreifen (abseits der Missionen könnt ihr jederzeit speichern).

Wer möchte, kann die Schwierigkeit aber durch Deaktivieren diverser HUD-Elemente, Zielhilfen und anderer Anzeigen erhöhen. Verschiedene Schwierigkeitsgrade stehen allerdings nicht zur Auswahl. Definitiv ein Zugeständnis daran, dass Rockstar eine möglichst umfangreiche Zielgruppe erreichen und es Gelegenheitsspielern nicht zu schwer machen will. Das ist durchaus akzeptabel, denn das Erlebnis der Story steht ohnehin klar im Vordergrund.

Das minimalistische HUD kommt dem authentischen Look & Feel des Spiels entgegen und kann so eingestellt werden, dass es dynamisch erscheint - also nur dann, wenn ihr es benötigt. Zur Authentizität trägt auch das auf Arthur und sein Pferd begrenzte Inventar bei. Waffen und Ausrüstung werden direkt an Arthur oder dem Pferd „gelagert“. Maximal zwei Langwaffen und zwei Pistolen oder Revolver, mehr kann Arthur nicht tragen. Auch das Inventar des Pferdes ist begrenzt. Erlegt ihr einen Alligator, könnt ihr lediglich eine Haut auf dem Pferd transportieren. Die Bedienung ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig. Das mit dem linken Bumper aufrufbare Inventarrad hat mehrere Reiter, in den Slots selbst kann zum Teil noch mit den Triggern geblättert werden.

Nahrung und Crafting ohne Nervfaktor

Auch sonst gibt es viel Authentizität bei den Aktionsmöglichkeiten. Am Lagerfeuer bereitet ihr erjagtes Fleisch zu, aus Kräutern und Pflanzen stellt ihr Arzneien und Tinkturen her, ihr bastelt Pfeile und Munition oder macht ein Nickerchen. Das ist zwar nicht zwingend nötig, da ihr auch in eurem Camp auf Nahrung, Munition oder Medizin und euer Bett zurückgreifen könnt, aber äußerst hilfreich, wenn ihr unterwegs seid und nicht immer wieder ins Camp wollt.

Speziell im Kampf oder bei längerer Abwesenheit kann es nicht schaden, ein gut gefülltes Arznei- und Nahrungsinventar zu haben. Arthur verfügt im Prinzip über drei Grundwerte: Gesundheit, Ausdauer und Dead-Eye. Die bestehen jeweils aus dem aktuellen Wert als Balken sowie einem Kern. Alle drei Werte regenerieren bis zu einem gewissen Grad automatisch, jedoch abhängig von besagtem Kern. Ist der wiederum gesenkt oder auf null, beispielsweise durch Verletzungen, Anstrengung, Kälte oder Hitze (ja, Bekleidung und Klima haben Auswirkung), wird die Regeneration beeinträchtigt. Übrigens solltet ihr auch euer Pferd nicht vernachlässigen. Gesundheit und Ausdauer sind bei ihm ebenso geregelt und ist euer Pferd einmal tot … nun, dann bleibt es das auch, egal wie treu euer Zossen war.

Durch Nahrung oder Arznei könnt ihr sowohl die Kerne als auch die aktuellen Werte wieder auf Vordermann bringen oder sie sogar über das normale Niveau hinaus boosten. Angenehm ist, dass die Notwendigkeit von Nahrung und Schlaf nicht überstrapaziert wird. Es ist sinnvoll, vor einer größeren Mission mal einen Blick auf die Werte zu werfen, man muss aber nicht andauernd am Fleischtrog hängen oder in den Schlafsack schlüpfen. Im Übrigen können alle drei Werte verbessert werden, beispielsweise Gesundheit durch Kämpfe, Ausdauer durch Rennen oder Dead-Eye durch Schießen und das Crafting von Gegenständen. Abgesehen von kleineren Entscheidungen, die eurer Ehre zu- oder abträglich sind, war es das dann auch schon mit den Rollenspielelementen.

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