Special - Red Dead Redemption 2 : Streitgespräch: Spiel des Jahres oder Enttäuschung des Jahres?

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Red Dead Redemption 2 wird praktisch überall gefeiert und gilt schon jetzt als eines der besten Spiele des Jahres, wenn nicht sogar aller Zeiten. Doch das perfekte Spiel ist es darum noch lange nicht. Tatsächlich gibt es einige Dinge, die richtig nerven können ...

Felix: Rockstar Games macht bekanntlich echte Ausnahmespiele. Und scheinbar ist Red Dead Redemption 2 dabei keine Ausnahme. Der Metacritic-Score liegt derzeit bei enormen 97 Punkten. Was bedeutet für Dich dieser hohe Wertungsschnitt?

Kuro: Für mich heißt das: Red Dead Redemption 2 ist definitiv eine Empfehlung und ein Spiel, das man sich anschauen sollte, wenn man Lust auf offene Spielwelten und storylastige Titel hat. Gerade letzteres wird nicht jedem gefallen, weil sich Red Dead 2 sehr viel Zeit mit seiner Geschichte lässt. Ich kann mir schon vorstellen, dass davon einige Spieler abgeschreckt sind.

Felix: Aber hätte es demnach nicht auch ein Schnitt von 90 getan? Ich finde, diese 97 Punkte suggerieren ein Spiel, das in nahezu jedem Bereich perfekt ist.

Kuro: Aus meiner Sicht hängt das mit dem grundsätzlichen Problem zusammen, das eine Spielewertung mit sich bringt. Darum haben wir bei Gameswelt auch irgendwann beschlossen, die Zahlenwertung unter einem Test abzuschaffen, weil der Unterschied zwischen einer 84er- und 85er-Wertung nicht mehr festzustellen war. Generell glaube ich, dass es kein perfektes Spiel gibt. Selbst bei einem auf dem Papier makellosen Titel wird es Leute geben, die Negativpunkte finden – einfach deshalb, weil der persönliche Geschmack in eine andere Richtung geht.

Felix: Im Vorfeld der Veröffentlichung war ich bei Rockstar Games zu Besuch. Dort wurde mir erklärt, dass inzwischen alle Teams des Entwicklers zeitgleich an einem einzigen Spiel arbeiten. Daher stelle Red Dead Redemption 2 nicht nur die Fortsetzung beziehungsweise das Prequel zum ersten Teil dar. Man sieht es zugleich als allgemeine Weiterentwicklung des hauseigenen Spieldesigns und der Spielmechanik. Siehst auch Du diese Weiterentwicklung von Grand Theft Auto V hin zu Red Dead Redemption 2? Ich finde, es macht in vielerlei Hinsicht eher einen Rückschritt.

Kuro: Ich sehe schon einen Schritt nach vorne, aber weniger im Hinblick auf die Spielmechanik, also die Art und Weise, wie es sich spielt und wie es abläuft. Mich stören ebenfalls einige Dinge, zum Beispiel die Schießereien – das machen andere Spiele besser. Wirklich fortschrittlich finde ich die offene Spielwelt, die Atmosphäre, die Erzählung der Geschichte und die Inszenierung der Charaktere.

Felix: Bei den Charakteren stimme ich Dir absolut zu. Die Dialoge sind aus meiner Sicht unglaublich gut geschrieben. Und auch die Spielwelt gefällt mir außerordentlich gut. Jedoch passen aus meiner Sicht diverse Elemente nicht zusammen. Da wäre etwa das Ehre-System: In der offenen Welt tue ich jede Menge Gutes und verbessere meine Reputation, die ja als Balken angezeigt wird. Doch in der nächsten Mission zwingt mich das Spiel plötzlich dazu, massenhaft Leute zu erschießen, um eines meiner Gangmitglieder zu befreien. Somit muss ich ganz anders spielen, als ich es eigentlich vorhabe. Ich kriege dadurch das Gefühl, zwei verschiedene Figuren zu spielen. Das passt für mich nicht zusammen.

Kuro: Den angesprochenen Balken hätte ich ebenfalls weggelassen, denn der sorgt tatsächlich für eine Inkonsistenz im Spiel. Ansonsten habe ich jedoch kein Problem mit den „unterschiedlichen“ Arthurs. Ich mache, worauf ich Bock habe, und sehe über das System hinweg. Dennoch kann ich Deine Kritik absolut nachvollziehen.

Felix: Ebenfalls nervt mich die Aufteilung diverser Spielsysteme, die es im ersten Teil gab. Dazu zählen die Gespräche mit allen möglichen Leuten. Du kannst sie grüßen, verärgern oder ausrauben. Aber ich kann nicht inhaltlich auf das reagieren, was sie sagen. Somit gaukelt mir das Spiel eine tiefergehende Interaktion mit den NPCs lediglich vor. Das finde ich sehr oberflächlich und darum schade. Somit habe ich in dieser Hinsicht letztendlich nicht mehr Möglichkeiten als im acht Jahre alten Vorgänger.

Kuro: Es ist sicherlich kein Feature, für das man Red Dead Redemption 2 in Erinnerung behalten wird. Doch trotzdem mag ich die Möglichkeit, auch in diesem begrenzten Rahmen auf andere Charaktere reagieren zu können. Wenn ich es will, reagiert Arthur eben freundlich oder richtig genervt. Es ist nur eine Kleinigkeit, aber ich mag diese kleine zusätzliche Note, die das Spiel dadurch bekommt.

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Felix: Was mich regelrecht verrückt macht, ist das Kopfgeld-System. So ist es mir schon sehr häufig passiert, das ein NPC eine Schlägerei angefangen hat, weil ich ihn zufällig angestoßen habe. Und obwohl ich mich anschließend nur verteidigte, wurde gleich ein Kopfgeld auf Arthur ausgesetzt. Das erscheint mir sehr unausgegoren.

Kuro: Ich verstehe, was Du meinst. Auch mir passierte es schon mehrfach, dass ich eigentlich jemandem helfen wollte. Doch dann rempelte ich ihn versehentlich an, woraufhin er schreiend weglief und ich direkt ein Kopfgeld aufgebrummt bekam. Ja, das System ist in der Tat nicht ganz ausgereift.

Felix: Ebenfalls merkwürdig erscheint mir die Schnellreise. Zwar kann ich nach einer Weile die Möglichkeit freischalten, rasch irgendwo hin zu gelangen. Aber zurück ins Camp komme ich weiterhin nur zu Fuß oder Pferd. Was soll das?! Auch das Core-System nervt mich immer wieder. Zwar muss ich nicht unbedingt schlafen und essen. Doch lasse ich das weg, schlage ich mich mit Einschränkungen bei Arthurs Gesundheit und Ausdauer herum. Also doch was futtern und pennen. Erneut tut Red Dead so, als hätte ich Freiheiten, presst mich aber am Ende doch wieder in ein gewisses spielerisches Konzept.

Kuro: Beim Core-System möchte ich Dir widersprechen. Ich finde gerade gut, dass es eben keine so große Notwendigkeit ist, wie in anderen Spielen. Zum Beispiel droht kein Bildschirmtod, wenn ich nichts esse. Vielmehr sorgt dieses Element für ein kleines Plus an Atmosphäre. Du kannst essen und dafür einen Bonus bekommen oder es eben lassen. Mir gibt das Core-System daher einen Anreiz, etwas realistischer oder RPG-mäßiger zu spielen.

Felix: Kommen wir zum Fazit. Bei mir erzeugt Red Dead Redemption 2 extrem gemischte Gefühle. Denn für mich ist es Spiel des Jahres und Enttäuschung des Jahres zugleich. Die Welt, die Story und die Charaktere finde ich schlicht bahnbrechend. Doch in den angesprochenen und einigen anderen Bereichen ist es, verglichen mit Red Dead Redemption oder auch Grand Theft Auto V, aus meiner Sicht ein Rückschritt.

Kuro: Müsste ich nach dem, was ich bisher gespielt habe (3. Kapitel), eine Wertung vergeben, wäre es wohl eine 10 von 10 oder etwas Vergleichbares. Nicht, weil ich Red Dead Redemption 2 perfekt finde, sondern weil es mich auf eine ganz besondere Art berührt. Dazu tausche ich mich außerordentlich gerne mit Freunden über unsere Erlebnisse und Erfahrungen in der Spielwelt aus. Es passiert mir nur sehr selten, dass mich ein Spiel dermaßen beschäftigt.

Was sind eure Erfahrungen mit Red Dead Redemption 2? Seid ihr restlos davon begeistert oder könnt ihr den Hype gar nicht nachvollziehen? Schreibt es uns in den Kommentaren.

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