Special - Star Wars VII: Das Erwachen der Macht : Mathias spürt die Macht

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    Zum Kinostart von „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ lud Disney mich nach London ein, um den Hoffnungsträger einer ganzen Saga im Rahmen eines Events zu Disney Infinity 3.0 anzusehen. Nachdem unser „Star-Wars“-Jünger Felix bereits wenige Tage vorher sprachlos den Kinosaal verlassen hatte, wurden nun auch meine letzten Bedenken beiseitegefegt. Die Macht erwacht nicht langsam, sondern mit einem lauten Weckerklingeln. So habe ich den Film – im Originalton, versteht sich – empfunden.

    Ich bin zwar zu jung, um die Originaltrilogie von „Star Wars“ im Kino erlebt zu haben, doch die immer schlechter werdenden Fernsehaufzeichnungen auf VHS legte ich in den 90ern stets mit Ehrfurcht in den Videorekorder ein. Zum Glück hatte George Lucas damals noch nicht das Bedürfnis, den Korrekturstift anzusetzen. Dann kam „Die Dunkle Bedrohung“ ins Kino, den ich damals mit nicht ganz zehn Jahren sah. Ich gebe zu, dass mir der Film damals gefiel, auch wenn ich ihn, abgesehen vom Namen, kaum mit Luke, Obi Wan, Leia und meinen anderen Helden in Verbindung brachte. Doch mit den Jahren begann ich die Werke in den Gesamtkontext einzuordnen und empfand sie zunehmend eher als künstliche Objekte denn als lebendiges Epos.

    Umso überraschter war ich, als Disney sich Lucasfilm einverleibte. Doch die ersten Trailer sahen so gut aus, dass sich die Unsicherheit über einen kindgerechten „Star-Wars“-Film schnell legte. Nun wurde das alte Marketing-Räderwerk wieder in Gang gesetzt und wir dürfen uns auf einen Neuanfang freuen. Denn nichts anderes ist „Das Erwachen der Macht“ trotz altbekannter Gesichter.

    Spannung in der Wohlfühlzone

    Eins vorweg: Ich verließ den Kinosaal zufrieden und hatte, zugegeben, leicht zittrige Hände. Ich kann Felix in fast allen Belangen zustimmen: Episode VII ist das heilende Pflaster nach dem CGI-Overkill, den holzigen Dialogen und einem immer gleich dreinschauenden Hayden Christensen. Die Erwartungshaltung war nach Episode III folglich höher als Anakins Midichlorianerwert. Nicht, dass ich die Entzauberung der alles umfassenden mystischen Macht verziehen hätte.

    Nun ist die Macht wieder da und sollte fast jeden durchströmen, der ins Kino geht. J. J. Abrams hat gute Arbeit geleistet, auch wenn ich es ihm nach dem stark polarisierenden Reboot von „Star Trek“ nicht unbedingt zugetraut hätte. Schließlich ist Action für ihn ein wichtiges Stilmittel. Auch „Das Erwachen der Macht“ ist actiongeladen, wenngleich ich den Eindruck hatte, dass die Action nicht reiner Selbstzweck ist. Tatsächlich fiel mir aber auf, dass es nur wenige und dazu noch sehr kurze Erholungsphasen gibt, in denen die letzten Geschehnisse verarbeitet werden können. Finn, Rey und der Zuschauer rutschen von einer brenzligen Situation in die nächste. Zumindest Langeweile kommt keine auf.

    Zeit, sich abzunabeln

    Der neue „Star-Wars“-Film macht in vielerlei Hinsicht einiges richtig. Es gibt Fan-Service vom Feinsten. Bekannte Szenen und Kamerafahrten feiern für das geübte Auge ein wunderbares Comeback und beweisen Abrams eigene Begeisterung für das Franchise. Obwohl Episode VII den „Krieg der Sterne“ nicht neu erfindet, stellt sie die Weichen für Neues und setzt erfrischende Impulse. So sind Frauen zum Beispiel deutlich präsenter als in allen sechs bisherigen Filmen.

    Es werden genügend Schnittpunkte mit der Originaltrilogie gesetzt, um Nostalgiker und Skeptiker zufriedenzustellen. Wie Felix schon anmerkte, könnte das manchem aber zu viel der Rückbesinnung sein. Doch ich habe den Eindruck, dass die kommenden Filme eine andere Richtung einschlagen werden und „Das Erwachen der Macht“ die Nabelschnur zwischen neu und alt darstellt.

    Star Wars: Das Erwachen der Macht - Neuer Trailer
    In einem neuen Trailer zu Star Wars: Das Erwachen der Macht sind viele neue Szenen zu sehen.

    Nie war die dunkle Seite düsterer

    Mit Kylo Ren bekommen wir einen Finsterling präsentiert, der vollkommen anders als Darth Vader ist: unbeherrscht und unsicher statt hochmütig und herrisch. Gerade das macht ihn als Charakter äußerst interessant und zu einer ganz neuen Verkörperung der dunklen Seite. Vor allem im Originalton wirkt seine Stimme sehr bedrohlich. Wo Schatten ist, da muss auch Licht sein: Auf der anderen Seite haben wir Finn, Rey und einige andere bisher unbekannte Gesichter, die sichtlich in ihren Rollen aufblühen. Zwischen Finn und Poe etwa entsteht eine sehr überzeugende Dynamik.

    Was mich an der Prequel-Trilogie mitunter am meisten gestört hat, war die beinahe vollkommene Abkehr von echten Modellen hin zum Versuch eines Epos vor dem Greenscreen. Die Welt von „Die dunkle Bedrohung“, „Angriff der Klonkrieger“ und „Die Rache der Sith“ wirkte so unnatürlich wie Nicole Kidmans Jugend. Dadurch ging den Filmen vieles an Charme und Glaubwürdigkeit verloren. In „Das Erwachen der Macht“ besinnt man sich alter Stärken und kommt von einem Wald über eine verschneite Tundra bis zu einsamen Felsinseln. Dadurch wirkt das Universum der Reihe so organisch wie nie. Die CGI-Effekte sind größtenteils gut umgesetzt. Lediglich in zwei, drei Momenten fühlt man sich etwas in das Jahr 1999 zurückversetzt.

    Alles in allem haben J. J. Abrams und jeder andere Beteiligte genau das abgeliefert, was sich Fans von „Star Wars“ erhoffen. Trotz Originaltreue bekommen wir Neues zu sehen, etwa die fantastisch inszenierten TIE-Jäger-Momente. Ich habe mit Freude und Erleichterung das Kino verlassen, aber auch mit Neugier. Wohin wird die Reise gehen? Werden sich meine Spekulationen in zwei Jahren bewahrheiten? Ich bin bereits gespannt auf die vielen Theorien in den kommenden Monaten. Bleibt nur noch eine Frage offen: „Das Erwachen der Macht“ einzeln kaufen oder Jahre auf eine zusammengefasste Trilogiebox warten?

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