Test - Metro Exodus : Artjom entdeckt die weite Welt

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Ein Radar ist nicht vorhanden. Wer sich orientieren will, muss die Kartentasche öffnen. Der Spieler wird ohnehin wenig an die Hand genommen. Euch erwarten keine Markierungen in der Umgebung. Ihr müsst schon selbst herausfinden, was zu tun ist, um das aktuelle Missionsziel zu erreichen. Die optionalen Nebenaufgaben sind ferner keine richtigen Aufträge, sondern im Grunde nur Orte, an denen es etwas zu entdecken gibt, sei es, indem ihr beispielsweise Gefangene befreit oder einfach nur einen ganzen Batzen Ressourcen findet. Ab und an gibt es sogar Hilfreiches für die Hauptmissionen zu entdecken, wie beispielsweise Schlüssel, die ansonsten unzugängliche Räume öffnen.

Der Schwierigkeitsgrad ist übrigens nicht ohne. Auf „Normal“ hat man schon kräftig zu beißen und darf sich weder große Fehler erlauben noch verschwenderisch mit den Ressourcen umgehen. Dass 4A Games euch die Möglichkeit bietet, Kämpfen weitgehend aus dem Weg zu gehen, ist da mehr als willkommen. Ab und zu kommt ihr aber nicht darum herum und solltet unbedingt gute Treffer setzen, statt wild durch die Gegend zu ballern. Nichts ist schlimmer, als mit leeren Händen einem Rudel Mutanten gegenüberzustehen. Insgesamt gibt es vier Schwierigkeitsgrade, davon neben dem normalen noch zwei relativ leichte und einen richtig biestigen Hardcore-Modus.

Waffenarsenal mit Bastelfaktor

Bis zu drei Waffen könnt ihr mit euch herumschleppen, beispielsweise ein Sturmgewehr, eine Pistole mit Schalldämpfer, die bis zur Sniper ausgebaut werden kann, und die Tihar, ein luftdruckbetriebenes Gewehr und damit bestens für heimliches Vorgehen geeignet. Hinzu kommen Wurfmesser, Brandsatz, Granate oder Blechdose zum Ablenken von Gegnern. Nach und nach kommen neue Waffengattungen hinzu, die aber nur im Lager oder im Zug an einer Werkbank gewechselt werden können. Die Auswahl erfolgt per Hotkey am PC beziehungsweise mit den Schulter- und Aktionstasten am Gamepad.

An der Werkbank stellt ihr auch Munition, Filter und Erste-Hilfe-Sets aus gefundenen Ressourcen her oder repariert eure Ausrüstung, die durch Verdreckung und Verschleiß an Wirksamkeit verliert. Das Einsammeln jedweder Ressourcen in den Trümmern von Russland spielt dementsprechend eine wichtige Rolle. Es lohnt sich, die Umgebungen zu erkunden und das Risiko auf sich zu nehmen, die optionalen Schauplätze gründlich abzugrasen. Schön: da es im Grunde nur zwei Ressourcen gibt, wird das Crafting-System nicht zur lästigen und zeitraubenden Pflicht.

Die Waffen können zudem kräftig modifiziert werden anhand von Waffenteilen, die ihr von erbeuteten Schießgeräten demontiert. Läufe, Griffe, Visiere oder Magazine können so nach und nach verbessert oder für spezielle Nutzung angepasst werden. Das funktioniert nicht nur gut, sondern sieht dank der leicht improvisiert wirkenden Optik auch gut aus.  Crafting und Modding werden schnell zur Gewohnheit und dienen als Vorbereitung für die jeweiligen Missionen. Geht es in enge Tunnel, wird die Shotgun ausgerüstet, steht ein Schleicheinsatz bevor, sind Sniper und Schalldämpfer angesagt.

Solide Shooter-Action und fiese Gegner

Das Waffenhandling und die Shootermechanik sind auf einem insgesamt ordentlichen Niveau, waren aber ohnehin nie die große Stärke der Serie. Auch die Schleichmechanik haut einen nicht aus den Socken, zumal sich Artjom vergleichsweise langsam und zuweilen etwas holprig steuern lässt. Das geht aber noch in Ordnung. Letztendlich ist Metro Exodus kein Run-and-Gun-Shooter, sondern lässt es eher langsam angehen. 4A Games verzichtet zugunsten der Atmosphäre auf schnelle Action, und das ist gut so.

Die Gegner haben es ohnehin in sich und wer flink und ohne Deckung unterwegs ist, wird dank der Zielgenauigkeit der Gegner schnell zum Kanonenfutter. Die hellsten Kerzen auf der Endzeittorte sind die menschlichen Gegner allerdings nicht. Zwar sind sie durchaus beweglich und versuchen euch aufzuspüren, oft beschränkt sich das Verhalten aber darauf, irgendwo in Deckung zu gehen und ab und zu für ein paar Schüsse aufzutauchen. Den mutierten Kreaturen hingegen ist sowieso jede Deckung egal. Sie können ordentlich was einstecken und ihr tut gut daran, sie nicht zu nah an euch heranzulassen.

  • Metro Exodus - Artworks - Bild 1
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Das Bestiarium wurde gegenüber früheren Teilen deutlich erweitert und bietet einige interessante Kreaturen. Neuerdings tauchen auch immer mal wieder Quasibossgegner auf, wie kräftig gepanzerte Gatling-Schützen oder mächtigere Varianten bekannter Mutanten. Auch im Rahmen der Story trefft ihr auf einige Bossgegner, die zum Teil gut inszeniert ins Spiel gebracht werden und euch alles abverlangen, was das Arsenal hergibt. Da freut man sich, dass es zum Checkpointsystem auch noch einen Quicksave gibt. Freies Speichern auf Speicherplätzen indes ist nicht möglich.

Licht und Schatten mit RTX und DLSS

Technisch gibt es einiges an Licht und Schatten bei Metro Exodus, und das auch im wahrsten Sinne des Wortes. Der Titel nutzt nämlich mit RTX und DLSS die neuesten Errungenschaften der Nvidia-Grafikkarten und macht dabei eine gute Figur. Wir haben die PC-Version mit einer GeForce RTX 2070, genauer gesagt der ZOTAC GeForce RTX 2070 AMP Extreme, getestet bei einer Auflösung von 1440p. Die Performance ließ wenig Wünsche offen. Mit Ultra-Detailgrad, aktiviertem DLSS und RTX auf „Hoch“ lief das Spiel jederzeit mit 70 bis 90 fps, mit RTX auf „Ultra“ konnten zumindest die 60 fps stabil gehalten werden. Mit einer GTX 1080 lief das Spiel in Ultra-Einstellungen in 1440p ebenfalls mit lockeren 60 fps und mehr.

Wer 4K mit hohen Details und gegebenenfalls RTX genießen will (was übrigens fantastisch aussieht), sollte allerdings ein echtes Brett im Rechner haben. Mit der RTX 2070 auf hohen Einstellungen ohne RTX-Features waren nicht mehr als 25 bis 35 fps außen und 40 bis 60 fps in Gebäuden drin. Bei aktiviertem DLSS konnten wir noch 5 bis 10 fps mehr herauskitzeln, allerdings ging das etwas zulasten der Qualität einiger Schatten. Da muss schon eine RTX 2080 oder 2080 Ti im Rechner brutzeln, um mehr herauszuholen. Auch die Performance auf den Konsolen ist sehr ordentlich und flüssig, zumindest auf der Xbox One X, auf der wir das Spiel ebenfalls antesten konnten.

Grafisch gibt es ohnehin nur wenig zu bemängeln, was die Umgebungen angeht. Vor allem die schönen Licht- und Schattenspiele sammeln gewaltig Punkte, ebenso wie die detailreich gestalteten, zuweilen wunderschönen Umgebungen. Kein Wunder, dass das Spiel auch über einen Fotomodus verfügt – bildreife Szenerien finden sich zuhauf. Auch hier ist das Niveau allerdings nicht gleichbleibend. Der eine oder andere Abschnitt wirkte doch etwas schal und ließ Feinheiten missen. Insgesamt aber ein sehr schicker Titel mit einigen tollen Szenerien. Nicht ganz so gut sieht es bei den Charakteren aus. Die sind zwar recht detailliert in Szene gesetzt, Gestik und Mimik wirken allerdings recht hölzern.

Einige Fehler haben sich außerdem eingeschlichen, abgesehen von der zuvor erwähnten Tonabmischung der Dialoge. So stürzte der Titel während der Spieldauer dreimal ohne ersichtlichen Grund und nicht reproduzierbar ab. Bei Nutzung des integrierten 3D-Dolby-Atmos-Supports gab es in einem Abschnitt böse Soundbugs. Auch ein paar Physikfehler waren nicht zu übersehen, speziell bei der Ragdoll-Physik. Und, bitte, liebe Entwickler, überarbeitet Artjoms Schrittgeräusche. Die passen nämlich zuweilen weder zu den Bewegungen noch zum Untergrund. Weil 4A Games bereits in der Testphase zwei Updates nachschob, dürfte da aber noch einiges kommen.

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