Test - MediEvil : Alter Knochen mit optischer Frischzellenkur

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Sony spendiert dem ersten Auftritt von Sir Daniel Fortesque eine Neuauflage. Das von Ghosts 'n Goblins und Tim Burtons Stop-Motion-Film Nightmare Before Christmas inspirierte Hack-'n'-Slay-Abenteuer verströmt ein wenig Dark-Souls-Charme und viel schwarzen Humor.

Ritter Sir Daniel Fortesque soll den bösen Zauberer Zarok besiegen, doch er fällt gleich zu Beginn der Schlacht durch einen Pfeil ins Auge. Der Einzug in den Heldensaal bleibt ihm darum leider verwehrt. Als Zarok zurückkehrt und Dämonen sowie Untote beschwört, erhält Sir Daniel eine zweite Chance. Klapprig, wie es bei einem Skelett eben so ist, zieht er in den Kampf, um den fiesen Magier endgültig zu bezwingen.

Rückkehr eines Klassikers

Wenn euch die Geschichte von MediEvil vertraut vorkommt, dann kennt ihr sicherlich den gleichnamigen PlayStation-1-Klassiker, der im Oktober 1998 erschienen ist. Oder ihr habt die PSP-Neuinterpretation MediEvil: Resurrection gespielt. Das PlayStation-4-Remake von MediEvil bleibt wiederum dem Debüt verbunden. Die Entwickler von Other Ocean Emeryville behalten Kamerafahrten in Zwischensequenzen, Levelstrukturen, Charaktere, Soundtrack und Synchronisation weitgehend bei und setzen all das mit aktueller Technik um. Dadurch erinnert MediEvil oft an das PS1-Original, nur eben in zeitgemäßer Optik.

Schon bei der Anfangssequenz wird allerdings klar, dass die Entwickler trotzdem kein einfaches Remaster abliefern. Die morbiden Umgebungen wie Friedhöfe, Kürbisfelder oder verlassenes Dorf offenbaren noch stärker als damals die Inspiration durch den eingangs erwähnten Kinofilm Nightmare Before Christmas. Jüngere Generationen könnte der viktorianisch angehauchte Neo-Gotik-Stil an From Softwares Dark Souls erinnern.

MediEvil - A Bonehead's Guide to Gallowmere Volume 1
Im neuen Trailer zu MediEvil gibt es einige Einblicke in dessen Gameplay.

Knackige Auseinandersetzungen

MediEvil ist zwar kein Souls-Spiel, allzu leicht fällt die Hack-'n'-Slay-Action aber auch nicht aus. Wenn ihr nicht aufpasst, können Gegner manchmal ordentlich Schaden verursachen. Zur Verteidigung habt ihr einen Schild, der jedoch nur begrenzt haltbar ist. Leider wird MediEvil unnötig schwieriger, weil es oft fast unmöglich ist, Angriffen zu entgehen. Selbst wenn ihr einen Treffer landet oder aufgeladene Attacken platziert, rutscht meist ein Feind durch und trifft Sir Daniel.

Spätestens hier fällt auf, dass sich MediEvil sehr klassisch spielt. Meist heißt es, die Levels zu durchlaufen, Feinde zu bekämpfen und Runen zu finden, die den weiteren Weg öffnen. Die auflockernden Rätsel fallen ziemlich simpel aus und erschweren das Vorankommen kaum. Ähnliches gilt für die gelegentlichen Sprung- und Geschicklichkeitspassagen.

Recht früh im Spiel könnt ihr entscheiden, in welcher Reihenfolge ihr die Levels angehen wollt. Dank Lebensflaschen wächst die Zahl der möglichen Versuche. Außerdem erweitern neue Waffen, die ihr im Heldensaal erhaltet, die spielerischen Möglichkeiten. Um besagte Räumlichkeiten der Helden betreten zu dürfen, müsst ihr in einem Level ausreichend Gegner bezwingen und den Heldenkelch finden. Nach dem Ende des Levels führt der Weg dann in den Heldensaal.

Ein Spielgefühl wie 1998

Jedoch bremst die mäßige Steuerung den ganzen Metzelspaß regelmäßig aus. Unnötige Treffer oder Tode aufgrund einer schwammigen Bedienung und unpassender Kameraperspektiven sind die Folge. Regelmäßig bleibt ihr an kleinen Unebenheiten hängen. Wollt ihr diese umgehen, führt das besonders bei engeren Passagen mehrfach dazu, dass Sir Daniel einen Hang hinabstürzt. Besonders heikel daran ist, dass MediEvil komplett auf Checkpoints verzichtet. Sterbt ihr in einem Level, egal an welcher Stelle, müsst ihr von vorne anfangen. Das kann teilweise frustrierend sein, besonders wenn der Bildschirmtod durch erwähnte Bedienungsschwierigkeiten oder technische Probleme verursacht wurde.

Doch trotz dieser Mängel kann MediEvil motivieren. Selbst wenn ihr wiederholt gestorben seid, versucht ihr es bald erneut. Das liegt an der wunderbaren Schaueratmosphäre, den schick gestalteten Levels und den charmanten Charakteren. Unterstützt wird das vom neu eingespielten Orchester-Soundtrack, der sich ebenfalls an der Musik des Originals orientiert. Obwohl den Dialogen das Alter teilweise anzumerken ist, gefallen die kurzen, ordentlich auf deutsch vertonten Gespräche meist mit Charme und Witz. Selbiges gilt für die gelegentlichen Zwischensequenzen, die in ihrer Aufmachung an Animationsfilme erinnern.

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