Preview - Mad Max : Ein Mann und sein Auto

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Ja, es gibt ihn noch: den Archetyp des breitschultrigen, bärtigen und raubeinigen Mannes, für den Gewalt nicht die letzte, sondern die erste Lösung ist. Der Typ Mann, für den eine geladene Schrotflinte das nicht zu widerlegende Argument in einer hitzig geführten Diskussion darstellt und dessen Auto Ausdruck der eigenen Existenz ist. Dieser Mann hört auf den Namen Max. Mit ihm möchte Publisher Warner Bros. den Pfad weitergehen, den man bereits mit der Batman-Serie ebnete. Doch dieser verläuft nicht durch Gotham City, sondern durch eine dystopische, raue und in Blut getränkte Welt.

Da sind wir also. Der Wasservorrat neigt sich dem Ende entgegen. Der Schweiß fließt ununterbrochen über die tiefen Furchen im Gesicht eines Mannes, der so viel erlebt und überlebt hat wie nur wenige vor ihm. Jeder Sonnenstrahl fräst sich erbarmungslos durch die von Narben überwucherte Haut. Vor Max' Augen erstreckt sich eine karge Wüste, die nur die klügsten und am besten angepassten Menschen zu bändigen wissen. Ein nicht enden wollendes Meer aus heißem Sand und kargem Stein, das den letzten Verbliebenen alles abringt. Und doch ist diese trostlose Welt alles, was bleibt. An ihr führt kein Weg vorbei, wenn man überleben will.

Vier Räder und mehr als ein Todesfall

Mobilität ist in einer Welt, die stehen geblieben scheint, der Rettungsanker für gestrandete Existenzen wie Max. Das Spiel selbst ordnet sich diesem Ansatz unter und erklärt die Fortbewegung und den Kampf mittels Automobil zu einem zentralen Spielelement. Max widersetzt sich mit seinem Auto, dem sogenannten Magnum Opus, nicht nur der lebensfeindlichen Landschaft mit ihren steilen Hängen und tiefen Schluchten. Unser Held bekämpft auch feindlich gesonnene Fahrer, die ihr Revier bis zum Tod erbittert verteidigen.

Der Magnum Opus gleicht dabei einer Festung – unbeirrt und unerschütterlich setzt er sich gegen die Angriffe zur Wehr. Er rast, rammt und schießt. Die Harpune ist dabei das vielleicht wichtigste Utensil. Mit ihrer Hilfe können Autoteile wie Motorhaube, Tür oder Reifen anvisiert und in Zeitlupe beschossen werden. Auf Kommando wird sie wieder eingezogen und kann durch das richtige Manöver ein Auto in voller Fahrt lahmlegen. Sie mag weder über eine hohe Schussfrequenz noch über große Stärke verfügen. Durch ihren unbegrenzten Einsatz ist sie aber von unschätzbarem Wert. Denn Munition und Wasser sind in dieser trostlosen Welt ein kostbares Gut.

Max' Aufgabe besteht also unter anderem darin, feindliche Lager ausfindig zu machen, um deren Hab und Gut sicherzustellen. Während Wasser den Energievorrat auffrischt, dient gemeiner Schrott dem Reparieren und Aufrüsten des Magnum Opus. Von der Stoßstange bis hin zum Autolack lässt sich der fahrbare Untersatz umgestalten, um ihn den rauen Bedingungen anzupassen. Dadurch werden Parameter wie Angriff, Verteidigung und Geschwindigkeit maßgeblich beeinflusst. Aber auch Max selbst wird im Laufe des Spiels und der Erkundung der frei begehbaren Welt stärker.

Natürlich wird der Titel noch andere Aufträge und Missionen bereithalten. Da muss mal ein Konvoi zerstört oder feindliche Scharfschützen sollen ausgeschaltet werden. Letzteres gelingt nur, wenn sich Max hinter das auf dem Magnum Opus montierte Scharfschützengewehr klemmt. Derweil übernimmt der treu ergebene Mechaniker Chumbucket das Steuer. So kann Max seine Feinde ins Visier nehmen, ohne dass das Auto stillsteht.

Made by Warner

Obwohl der Magnum Opus eine zentrale Rolle spielt, wird sich Max nicht nur hinter dem Steuer verstecken. Einige Passagen muss er selbst bestreiten und dementsprechend auf Handfeuerwaffen und die eigenen zwei Fäuste zurückgreifen. Ja, es wird Schusswechsel geben. Allerdings werden sich die aufgrund der knappen Munition in Grenzen halten. Die Konsequenz daraus: Gegner müssen windelweich geprügelt werden. Ähnlich wie bei großen Ubisoft-Titeln wird die Schnittmenge zwischen den einzelnen Warner-Produktionen immer größer. So bedient sich Mad Max in Bezug auf das Kampfsystem offenkundig bei Batman und Mittelerde: Mordors Schatten.

Mad Max - Gameplay Overview Trailer
Der Trailer gewährt einen Blick auf die postapokalyptische Zukunft, die verzweifelten Kämpfe, die Max führen und die Schritte, die er gehen muss, um in der Einö

Im Grunde gibt es also nur zwei Aktionen: Schlagen und Kontern. Das funktioniert genauso gut wie bei den genannten Spielen, lässt aber Originalität vermissen. Durch die übergreifende Steuerung von Mensch und Auto liegen zudem einige Befehle auf eher unüblichen Tasten. Max zieht seine Waffe durch Drücken der Kreistaste, während er durch Druck auf den linken Trigger springt.

Mit etwas Eingewöhnung sollte sich dieses Problem aber in Luft auflösen. Auch technisch wirkt Mad Max weitaus weniger ausgereift als Batman: Arkham Knight oder Mittelerde: Mordors Schatten. Einige Felsvorsprünge sind eckiger, als sie sein sollten, und Einbrüche der Bildrate waren bei der gezeigten Version bei Weitem keine Seltenheit. Ob all das bis zur Veröffentlichung Anfang September behoben wird, bleibt fraglich. Wir hoffen das Beste.

Fazit

David Kepler - Portraitvon David Kepler
Solides Fundament

30 Minuten mit einem Open-World-Spiel ist wahrlich nicht viel Zeit. Dementsprechend schwer fällt es mir abzuschätzen, in welche Richtung sich Mad Max entwickeln könnte. Sowohl der Kampf mit dem Auto als auch die an Batman angelehnten Auseinandersetzungen Mann gegen Mann wurden souverän umgesetzt. Mir stellt sich jedoch die gleiche Frage wie vor dem Anspielen: Wie viel spielerische und optische Abwechslung kann der Titel letzten Endes in die Waagschale werfen? Das Ausschalten eines Konvois oder der Überfall eines feindlichen Unterschlupfs vor der immer gleichen Kulisse sind für sich genommen ganz nett, tragen aber kein ganzes Spiel. Außerdem muss Avalanche Studios jetzt noch beweisen, dass die technischen Ungereimtheiten zur Veröffentlichung getilgt werden. Denn so rau wie die Spielwelt sollte die Technik nicht ausfallen.

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