Test - Jump Force : Wenn Son Goku auf Monkey D. Ruffy trifft

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Böse Buben mögen Haue

Es ist recht einfach, in Jump Force ein paar schnelle Runden zu spielen, doch merklich schwerer, den Titel wirklich zu beherrschen. Damit ihr es leichter habt und über die Grundregeln hinaus ein Gefühl für das Spiel bekommt, gibt es den Storymodus. Hier lernt ihr die Steuerung kennen und – viel wichtiger – die verschiedenen Fähigkeiten der einzelnen Figuren.

Wer diese nicht kennt, spielt in einem Match mit seinem Glück. Woher weiß ich nämlich sonst, wie groß der Radius von Ruffys Gear 4th ist oder über welche Strecke Sasuke sprinten kann, um mir sein Chidori ins Gesicht zu klatschen? All dies erfahrt ihr in der Kampagne, die über ihre Funktion als Tutorial hinaus wenig Mehrwert bietet.

Wie in solchen Titeln nämlich üblich, ist die Story eine Aneinanderreihung von irrelevanten Gesprächen und an den Haaren herbeigezogenen Begründungen, warum man gegeneinander kämpft. Als Training, um sich nach und nach dem ansteigenden Schwierigkeitsgrad anzupassen und mehr über die Details der Steuerung zu erfahren, ist der Modus gut geeignet, zur Unterhaltung eher weniger.

Grob umschrieben gibt es eine Macht, die Helden in böse Buben verwandelt und Schurken noch etwas gemeiner werden lässt. Um diese wieder zur Besinnung zu bringen und die Welten vor dem großen Antagonisten zu retten, haut ihr allen ordentlich eins auf die Mütze. Vegeta randaliert? Haut ihm auf die Mütze. Gon weiß nicht mehr, wer er ist? Haut ihm auf die Mütze. Ryo Saeba baggert euch an? Ganz genau: Auf die Mütze!

Um das zu tun, entwerft ihr zu Spielbeginn einen eigenen Helden und entscheidet euch, ob dieser dem Grundstil aus Naruto, Dragon Ball oder One Piece folgen soll. Weiter reichenden Einfluss hat dies keinen, doch bestimmt es eure anfänglichen Attacken. Diese könnt ihr nach und nach austauschen und damit so anpassen, dass sie eurem favorisierten Spielstil entsprechen. Mit eurer Spielfigur könnt ihr nicht nur die Kampagne bestreiten, sondern auch reguläre Kämpfe on- wie offline absolvieren.

Schade ist lediglich, dass es ziemlich viel Zeit in Anspruch nimmt, den eigenen Charakter zu entwickeln und Attacken, Kostüme und andere ausrüstbare Objekte freizuschalten. Wer mehr als nur ein bisschen herumspielen mag, muss entsprechend bereit sein, über Stunden hinweg zu grinden.

Grafik und der Hub

Die Grafik von Jump Force ist zunächst äußerst gewöhnungsbedürftig. Die 3-D-Modelle der Charaktere wirken in der realistisch angehauchten Welt deplatziert, verfügen über keinerlei Mimik und können meist nur ihren Mund bewegen. Was, ehrlich gesagt, ziemlich bemitleidenswert aussieht. Je näher die Kamera an die Animefigur heranfährt, desto schlimmer sieht das Ganze aus. Außerhalb der Kämpfe (während derer man ohnehin keine Zeit hat, auf Grafikdetails zu achten) sticht dies natürlich besonders hervor.

Besonders fragwürdig ist, dass sich die Entwickler entschieden haben, auf ein klassisches Menü zu verzichten. Die verschiedenen Modi wählt ihr nämlich über ein Hub aus, einen virtuellen Ort, an dem sich eure Figur aufhält, Aufträge annimmt, Läden besucht, die Story vorantreibt et cetera. Dieser Ort ist nicht nur viel zu groß und dadurch stellenweise leer, sondern auch ziemlich unansehnlich.

Die Bewegungen eures Charakters, vor allem die Sprünge, sehen hier beinahe unmenschlich aus. Bekannte Kämpfer stehen einfach nur steif da und Figuren, die speziell für dieses Spiel entwickelt wurden, wirken wie unter Zeitdruck entworfen und eingefügt. Der einzige Grund für diesen Ort scheint der zu sein, anderen Spielern – sofern ihr online seid – beim Herumlaufen zuzusehen.

Sicherlich mag es interessant sein zu sehen, wie Spieler aus aller Welt ihre Charaktere entworfen haben, welche Kleidung sie tragen und welchen Anime sie anscheinend bevorzugen. Doch kann die Masse an Figuren auch zu Problemen führen. Nämlich dann, wenn viele von ihnen an einem Missionsstand stehen und ihr es nur durch längeres Gefummel mit der Kamera schafft, endlich den entsprechenden NPC anzuvisieren, der euch euren nächsten Auftrag zuteilt.

Darüber hinaus ist der Hub alles andere als einsteigerfreundlich. In den ersten Momenten in Jump Force hat es mich einige Zeit gekostet herauszufinden, wo ich mit der Kampagne starten kann. Lange Gänge, die ins Nichts führen, NPCs, die keinerlei Bedeutung oder Aufgabe haben, und eine Minimap, die manuell aktiviert werden muss und nur einen kleinen Bereich abdeckt. Auftraggeber zu finden wird also schnell zu einem nervigen Suchspiel.

Jump Force: Unite to Fight - Characters Trailer
Jump Force hat zahlreiche Charaktere zu bieten; einen Überblick verschafft das neueste Video.

Doch die größte Probe für zarte Nerven sind die Ladezeiten, die nicht nur viel zu lang, sondern vor allem zu häufig sind. Vor Off- wie Onlinekämpfen sind sie noch im akzeptablen Bereich, in der Kampagne sprengen sie jedoch jeden Rahmen.

Beginnt ihr die Mission, wird geladen und ein kurzes Briefing folgt. Dann kommt wieder der Ladebildschirm. Ihr trefft auf euren aktuellen Gegner und sagt ihm, dass er besiegt werden wird. Mehr laden. Es kommt zum Kampf. Verliert ihr und wollt es noch einmal versuchen, muss die Arena erst wieder neu geladen werden. Gewinnt ihr, kommt ebenfalls ein Ladebildschirm. In einer darauf folgenden Sequenz passiert wenig bis nichts, doch muss das Spiel anschließend abermals laden. Ich habe gefühlt mehr Zeit mit dem Ladebildschirm verbracht als mit Kämpfen ...

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