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Special - Ausblick 2015: David : Skepsis bleibt

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    Tja, was soll man schreiben, wenn man vom Chef die Aufgabe zugeteilt bekommt, einen persönlichen Ausblick für das Jahr 2015 zu tippen? Ein Blick in das eigene Horoskop sorgt vielleicht für die richtige Inspiration. Doch scheinbar ist Anfang des Jahres erst einmal nichts los. Keine Rede vom Januar oder Februar. Ein Zeichen dafür, dass vorerst keine interessanten Spiele erscheinen? Beginnt das vielversprechende Jahr etwa schleppend und lässt mich wider Erwarten völlig im Stich? Sind die vollmundigen Versprechungen der Publisher doch nur heiße Luft? Panik macht sich breit!

    Doch es gibt Entwarnung. Offenbar wird das Jahr doch nicht so trist, wie ursprünglich befürchtet. Denn die Spielehersteller wissen ja, wie sie mich auch nächstes Jahr begeistern können. Bläht eure Vorverkaufsaktionen noch weiter auf und bietet statt drei unterschiedlichen Sammlereditionen einfach doppelt so viel an. Ergänzt eure Spiele anschließend um überflüssige Mikrotransaktionen und meine Vorfreude erreicht ihren vorläufigen Siedepunkt. Ihr wisst, dass das nicht nur ich, sondern auch die Mehrheit der Spieler möchte. Macht einfach da weiter, wo ihr letztes Jahr aufgehört habt. Dann läuft's und der Rubel rollt.

    Schon 2014 war ein Lichtblick in Sachen Kundenfreundlichkeit. Spiele schnurrten am Erscheinungstag wie rollige Kätzchen. Na gut, gelegentlich hat ein Multiplayer-Modus vielleicht mal den Dienst verweigert oder es gab den einen oder anderen Bug. Aber das kann bei jeder Millionenproduktion mal passieren. Ist nicht weiter schlimm. Kurz den Zeigefinger zu erheben reicht ja schon. Spiele werden ja trotzdem zur Genüge gekauft. Es besteht also gar kein Bedarf, die Strategie zu überdenken. 2015 kann also da weitermachen, wo 2014 aufgehört hat.


    (v.l.n.r.: Assassin's Creed: Unity, Driveclub, Halo: The Master Chief Collection)

    Verzichtet nur dieses Mal gänzlich darauf, vorab Testversionen zu verschicken. Denn so gewinnt jeder. In der Redaktion kann man endlich mal die Beine auf den Tisch legen, Spieler ärgern sich nicht über schlechte Testurteile und der Hypetrain kann ohne Zwischenhalt in den Bahnhof einfahren. Wir warten derweil am Gleis und wedeln unermüdlich mit unseren Taschentüchern, während wir gegen die Freudentränen ankämpfen, die unsere schönen Gesichter benetzen. Ach ja, 2015 wird das bessere 2014.

    Traurige Erkenntnis

    Jetzt aber mal ehrlich, das letzte Jahr steckte voller Verfehlungen, Rückschläge und Enttäuschungen. Führt man sich das alles einmal vor Augen, kann man schon mal wehmütig in die Vergangenheit blicken, als diese Industrie zumindest nach außen hin einen unschuldigen Eindruck gemacht hat. Es fühlt sich so an, als wäre das Kind, das man stets geliebt hat, in der Pubertät angekommen und würde jede Grenze des guten Geschmacks überschreiten. Es zieht sich scheiße an, besitzt keinerlei Manieren und benimmt sich generell wie ein Arschloch, das noch nicht einmal weiß, warum man nichts mehr mit ihm zu haben möchte. Und man hofft inständig, dass es nur eine Phase ist, die irgendwann durchgestanden und vergessen ist.


    (Assassin's Creed: Victory, Quelle: kotaku.com)

    Deswegen appelliere ich an die ganze Industrie: Macht 2015 zu einem guten Jahr und werdet erwachsen. Veröffentlicht eure Spiele dann, wenn sie keine offensichtlichen Fehler mehr besitzen, Multiplayer-Modi so funktionieren, wie es ursprünglich gedacht war und man nicht das Gefühl hat, über den Tisch gezogen zu werden. Bemüht euch darum, nicht nur mein Vertrauen, sondern auch das von anderen Spielern zurückzugewinnen. Dann kann man sich auch wieder der puren Vorfreude hingeben, ohne Angst haben zu müssen, die Katze im Sack zu kaufen. Denn so bleibt eine große Menge Skepsis, wenn ich an die bevorstehenden Monate denke.

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