Test - Fanatec ClubSport Wheel Bundle : Fast so teuer wie ein Auto

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Wer gern mit Schaltung fährt, legt sich den ClubSport Shifter SQ v1.5 zu. Der massive, 2,4 kg schwere Block beherbergt eine 7-Gang-Schaltung mit verriegeltem Rückwärtsgang und kann mittels Umschalter sequenziell oder im H-Modus betrieben werden. Mit dabei sind zwei verschiedene Schaltknäufe – einer rund, einer länglich. Wer möchte, kann sogar Knäufe aus der Automobilindustrie montieren. Auch hier wieder schöne Verarbeitung mit einem realistisch wirkenden Widerstand beim Schalten. Da klappert nichts.

Befestigung so schwer wie ein ganzes Lenkrad

Natürlich kann das gesamte Set-up fest an einem Rennsitz oder Tisch verschraubt werden, aber auch eine Montage ohne Schrauben und Bohrlöcher ist möglich. Dazu gibt es optional entsprechende Tischklemmen. Schwere Metallteile geben den wuchtigen Komponenten problemlos Halt. Allein die Klemme für die Basis wiegt 4,5 kg und ist für Tischplatten mit bis zu 7 cm Dicke geeignet. Zwei kräftige Stellschrauben sorgen dafür, dass ihr die Befestigungen sicher am Tisch montieren könnt. An der Tischklemme kann überdies der Winkel für die Basis und das Lenkrad eingestellt werden.

Erfreulich ist, dass viel Zubehör dabei ist. Es mangelt nicht an Kabeln oder Schrauben, selbst an Bohrschablonen für die feste Montage auf einem Tisch und an Schmiermittel fürs Pedalset wurde gedacht. Weniger schön ist allerdings, dass Fanatec bei dem hohen Preis nicht auch noch die paar Cent für passende Inbus- und Schraubenschlüssel ausgegeben hat. Ein bisschen Werkzeug sollte also vorhanden sein, wenn ihr das Lenkrad aufbauen wollt. Toll ist dafür, dass auch Pedale, Shifter und Lenkräder anderer Hersteller eingesetzt werden können.

Die Aufregung vor dem Start

Ist der Koloss aufgebaut, geht es natürlich ans Zocken. Das Einrichten ist denkbar einfach. Alles verkabeln, an den PC oder die Konsole anstöpseln und schon kann es losgehen. Okay, am PC sollten zuvor noch die Treiber installiert werden, in denen ihr unter anderem Lenkradeinschlag, Kalibrierung und einige andere Kleinigkeiten justieren könnt. So ganz üppig ist die Treiber-Software nicht, aber die meisten Einstellungen werden ohnehin direkt in den Spielen vorgenommen.

Was sich schon bei der tollen, hochwertigen Verarbeitung abzeichnet, wird dann beim Zocken deutlich: Das ClubSport-Set-up spielt nicht nur preislich, sondern auch spielerisch in einer ganz anderen Liga als die Kurbeln aus den günstigeren Preisregionen. Das beginnt schon bei der Haptik. Schaltung, Pedale, Lenkrad – fast alles fühlt sich beinah wie in einem richtigen Auto an. Für unseren Test haben wir uns einige mehr oder minder aktuelle Titel herausgegriffen, nämlich DiRT Rally, Forza Motorsport 6, Assetto Corsa und Project CARS.

Brachiale Kraft, sensible Präzision

Beim Rallye-Titel zeigt das ClubSport-Set-up seine ganze Kraft. Was der Servomotor da an Power raushaut, ist schlicht bestialisch und genau auf den Punkt. Jeder Stein, jeder Buckel, aber auch alle Eigenheiten des Fahrzeugs werden von Spiel und Lenkrad toll umgesetzt. Dabei bleibt natürlich nicht aus, dass man in den Einstellungen des Spiels an der einen oder anderen Schraube drehen muss, zumal die Wucht des Servos bei vollem Force Feedback schnell dafür sorgt, dass das Fahren in echte Arbeit ausartet.

Nach einigen Pisten in DiRT Rally bei vollem Force Feedback waren unsere Arme jedenfalls am Ende ihrer Leistungsfähigkeit. Beim Kampf gegen Schotter und die pure Kraft des Set-ups zeigte sich, dass die Tischklemmen ihrer Aufgabe locker gewachsen sind. Das Set-up sitzt bombenfest am Tisch. Bei Project CARS und Forza 6 präsentiert das ClubSport-Setup eher seine sensible Seite, ohne an Kraft nachzulassen. Natürlich werden die Kräfte auch hier prima umgesetzt, sanft spürt man nun auch die Vibrationsmotoren in Gas und Bremse, die einem ein etwaiges Ausbrechen des Fahrzeugs oder Durchdrehen der Reifen signalisieren.

Bei Assetto Corsa, das über eine hervorragende Force-Feedback-Unterstützung verfügt, werden dann in beiden Bereichen Rennspielträume wahr. Die Mischung aus brachialer Wucht und gleichzeitig punktgenauer Präzision sind einfach zum Schwärmen. Jede Bodenwelle ist gut und glaubhaft zu spüren. Die Genauigkeit der Lenkung ist dank der beiden Hallsensoren ungemein hoch, millimetergenau könnt ihr selbst die zickigsten Boliden über die Piste jagen und spürt sofort, ob irgendetwas nicht ganz so läuft, wie es sollte. Haptik, Lenkverhalten, Force Feedback, Timing – beinahe jedes Teil des Set-ups konnte uns beim Zocken begeistern.

Fazit

Andreas Philipp - Portraitvon Andreas Philipp
Ein teurer Traum für Rennspielenthusiasten

Ja, das ClubSport-Set-up ist teuer. Sauteuer sogar. Aber natürlich ist es auch nicht für den Durchschnittsspieler gedacht, sondern für Rennspiel- und Simulationsfans, die sich nicht zu schade sind, viel Geld in ihr Hobby zu investieren. Das Fanatec ClubSport ist ein hochwertig verarbeitetes, präzises und gut ausgestattetes Lenkrad-Set-up, das sich irgendwo zwischen Game-Controller und Simulator einreiht. Funktion und Verarbeitung sind ihr Geld wert, das Fahren von Rennspielen und Rennsimulationen erreicht damit eine ganz andere Dimension als mit Lenkrädern im eher „normalen“ Preissegment.

Die verschiedenen Überarbeitungen bei einigen Komponenten lassen zudem hoffen, dass Fanatec frühere immer mal wieder auftretende Qualitätsprobleme nun endlich im Griff hat. Alles in allem hatten wir jedenfalls viel Freude beim Testen des Set-ups mit verschiedenen Rennspielen, deren Eigenheiten durch die punktgenaue Lenkung und das gnadenlos gute Force Feedback noch verstärkt wurden. Ob man sich solch eine Edelkurbel leisten will, bleibt natürlich jedem selbst überlassen.

Überblick

Pro

  • sehr gute Verarbeitung
  • viele Einstellmöglichkeiten
  • umfangreiches Zubehör
  • brutal starkes Force Feedback
  • enorm präzises Lenkverhalten
  • mit Universal Hub kompatibel zu PC, PS4 und Xbox One
  • schnelle Signalübertragung
  • Komponenten anderer Hersteller teilweise kompatibel

Contra

  • Werkzeuge wie Inbus- oder Schraubenschlüssel liegen nicht bei

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