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Test - ESPN NHL Hockey 2K4 : ESPN NHL Hockey 2K4

  • Xbox
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Die KI und ihre Schattenseiten
Was die KI angeht, so haben die Entwickler ganze Arbeit geleistet, zumindest über weite Strecken. Die Abwehr spielt in den höheren Schwierigkeitsgraden sehr kompakt, die eigenen Stürmer suchen sinnvolle Positionen vor dem gegnerischen Tor, jeweils abhängig von eurer eingestellten Strategie und eurer Position. Schaut man allerdings etwas tiefer in die Sache, merkt man schnell, dass Kush Games hinsichtlich der KI etwas mogelt, denn die Goalies sind in den höheren Schwierigkeitsgraden einfach übertrieben stark und das Passspiel der Computer-Spieler sowie deren Interceptions sind extrem genau (fast immer über 90% Genauigkeit).

In einem Bereich bekleckern sich die Entwickler allerdings nicht gerade mit Ruhm, und das sind die Standard-Schwierigkeitsgrade, die arg unausgewogen wirken. In 'Rookie' und 'Amateur' schliddert ihr munter über das Eis und könnt in aller Ruhe aus fast allen Lagen Tore schießen, und selbst wenn nicht, kann euch wenig passieren, denn die KI kriegt es dort nicht gebacken, auch nur ansatzweise gute Torchancen, geschweige denn Tore zu erspielen. Beim Testen schafften die Gegner es im sechsten Spiel endlich, ein Tor zu schießen ... nach einem bewussten Torwartfehler meinerseits. Steigt ihr mit 'Pro' dann aber in die höheren Schwierigkeitsgrade ein, ist der Sprung in der Schwierigkeit zu hoch. Munter auf ein spannendes Spiel hoffend nach hohen Siegen im 'Rookie'-Modus, werdet ihr hier von der KI zunächst regelrecht an die Wand gespielt.

Wer also einen halbwegs ausgewogenen Schwierigkeitsgrad haben will, dem bleibt nichts anderes übrig, als sich ausgiebig mit den Schiebereglern der KI-Einstellungen zu beschäftigen, um den für ihn passenden Anspruchslevel zu finden. Für Profis sicher eine feine Sache, der Gelegenheitsspieler wird damit aber völlig überfordert. Selbst erfahrene Recken kommen dabei ins Verzweifeln, wie ein Blick in 'ENH'-Foren schnell deutlich macht, denn die Frage nach optimalen Slider-Einstellungen taucht dort eigentlich ständig auf.

Fragen über Fragen
Und wenn wir schon bei den Mankos sind: Warum wird im Franchise-Modus immer noch mit Punkten statt Beträgen gearbeitet? Warum liegt bei den Standard-Einstellungen im Franchise-Modus nach kürzester Zeit das halbe Team im Lazarett? Warum sind die Goalies nicht in der Lage, einen wenige Schritte entfernt stehenden Spieler vernünftig anzuspielen? Warum werden meine eingestellten Team-Strategien nicht gespeichert, sondern müssen vor jedem Spiel erneut getroffen werden? Aber bei allem Gemecker, all das sind nur kleinere Mankos, die den Spielspaß insgesamt wenig oder gar nicht beeinträchtigen.

Schicker Look dank ESPN
Was die Präsentation angeht, gibt es dafür weniger zu nörgeln, denn die entpuppt sich als stärker als in der Vorgängerversion. Sieht man einmal von dem hässlichen Publikum ab, kann das Geschehen auf dem Eis durchaus für Begeisterung sorgen. Neben netten Effekten wie den schönen Spiegelungen im Eis und die im Laufe des Spieles verkratzende Eisfläche sind es vor allem die Spieler, die für Augenschmaus sorgen. Zum einen wirken selbige deutlich detaillierter und wiedererkennbarer als im Vorgänger. Zum anderen überzeugen die vielfältigen Animationen. Von garstigen Checks, die schon beim Ansehen weh tun, bis hin zu schönen Dekes ist alles vorhanden, was das Eishockey-Herz begehrt. Optisch hat insgesamt gesehen die Xbox-Version wieder einmal die Nase vorn, die Grafik wirkt etwas schärfer und die Texturen wirken einen Hauch attraktiver.

Gelungen ist auch die Einbindung der ESPN-Lizenz in die Darstellung. Wer schon hier und da mal einen Blick auf die Reportagen des US-Sportsenders geworfen hat, wird sich sofort heimisch fühlen. Das liegt auch nicht zuletzt an den beiden Sprechern Gary Thorne und Bill Clement, die fachgerechte Kommentare und Informationen zu den Spielern preisgeben. Schade nur, dass die Kommentare nicht immer zur Situation passen und sich zudem mit der Zeit häufig wiederholen. Auch die Geräusche auf dem Eis können überzeugen, wenn auch nicht so satt umgesetzt wie bei 'NHL 2004'. Dafür geht das Publikum enorm mit und jubelt oder buht bei den passenden Situationen, Fangesänge inklusive.

 

Fazit

Andreas Philipp - Portraitvon Andreas Philipp
Sega lässt im Kampf um die Eishockey-Krone auch weiterhin nicht locker. Trotz zahlreicher Mankos wie unausgewogener Schwierigkeitsgrade und der arg fummeligen Kader- und Reihenverwaltung bietet 'ESPN NHL Hockey' unterm Strich wieder eine gelungene Eishockey-Simulation. Die Präsentation hat dank überarbeiteter Engine und vollem ESPN-Einsatz zugelegt. Überzeugen kann aber vor allem der taktische Anspruch, denn in den höheren Schwierigkeitsgraden ist dank der sehr guten KI wirklich kreative Spielkunst gefragt statt schneller Action auf dem Eis. Allerdings verlangt das Spiel dem Zocker einiges ab, denn er kommt nicht umhin, sich mit den Einstellungen zu beschäftigen und das zu tun, was die Entwickler versäumt haben, nämlich ein ausgewogenes Gameplay hinzubekommen. Für Profis empfehlenswert, Anfänger und Gelegenheitszocker dürften jedoch unter Umständen überfordert sein.

Überblick

Pro

  • insgesamt sehr gute KI
  • taktisch forderndes und realistisches Gameplay
  • gute Einbindung der ESPN-Lizenz
  • zahlreiche Minispiele
  • viele freischaltbare Features
  • Xbox mit Online-Modus
  • viele Steuerungsoptionen für Anfänger und Profis
  • zahlreiche Optionen zur KI- und Gameplay-Anpassung

Contra

  • fummelige Team- und Reihenverwaltung
  • unausgewogene Schwierigkeitsgrade
  • teilweise falsche oder unpassende Kommentare
  • zahlreiche kleinere Mankos
  • PS2 ohne Online-Modus
  • lange Speicher- und Ladezeiten (PS2)

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