Preview - Doom : Die Rückkehr des Arena-Shooters

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In der Blütezeit der Arena-Shooter stellten Titel wie Unreal Tournament 2004 den Höhepunkt der Multiplayer-Shooter dar. Die Mischung aus schnellem Gameplay und pixelgenauer Trefferabfrage stellte vor allem die eigenen Reflexe auf die Probe. Inzwischen sind die meisten Arena-Shooter ein Relikt der Vergangenheit. Quake Live besitzt zwar trotz der alten Engine eine aktive Community, diese wächst jedoch kaum. Das neue Unreal Tournament findet ebenfalls wenig Beachtung. Jetzt kommt Doom. Die geschlossene Beta zeigt deutlich: Id Software hat das Genre noch nicht aufgegeben.

Der Betatest am Wochenende fackelte nicht lange und warf uns direkt ins Geschehen. Auf einleitende Texte wird verzichtet, ebenso auf die Möglichkeit, Maps im privaten Modus auszuprobieren. Da hilft nur, sich direkt ins Getümmel auf die Server zu stürzen. Das kann gerade für unerfahrene Spieler sehr frustrierend sein, da ein Verständnis von Spielablauf und Möglichkeiten in Arena-Shootern unabdingbar ist. Das spiegelte auch der Betatest wider: Erfahrene Spieler stachen in jedem Match deutlich im Scoreboard hervor, während Genre-fremde Teilnehmer im unteren Bereich der Punktetabelle wiederzufinden waren.

Capture the leuchtenden Bereich

Mit Team Deathmatch und „Kriegspfad“ standen zwei verschiedene Modi zur Verfügung. In TDM gewinnt das Team, das zuerst 75 Abschüsse erreicht hat oder nach zehn Minuten die meisten Abschüsse verzeichnen kann. In „Kriegspfad“ müsst ihr einen Bereich sichern, der sich in einem festgelegten Bereich auf der Karte bewegt. Ähnlich wie bei Capture the Flag müsst ihr den Bereich für euer Team einnehmen und bekommt Punkte, je länger ihr ihn halten könnt. Am Ende gewinnt das Team, das zuerst 250 Punkte sammeln konnte oder nach dem Zeitlimit von zehn Minuten die Nase vorne hat.

Die Karten Heatwave und Infernal zeigten zwei völlig verschiedene Umgebungen. Während ihr in Heatwave eher verwinkelte Gänge vorfindet, die wenig Freiraum bieten, erwarten euch bei Infernal sehr viele offene Räume mit unterschiedlichen Zugangsmöglichkeiten. Mit jeder abgeschlossenen Runde lernt man bereits in der Beta von seinen Gegnern neue Strategien, die man postwendend im nächsten Spiel gegen seine Feinde anwenden kann. Die Lernkurve ist am Anfang sehr steil.

Nichts für schwache Reflexe

In jedem Modus sind eure Reflexe gefragt. Während mit Waffen wie der Lightning Gun oder der Vortex Rifle pixelgenaues Zielen für einen Erfolg nötig sind, müsst ihr beispielsweise mit der Plasma-Gun bereits das Nachziehen jeder einzelnen Plasmakugel einberechnen, um eure Gegner zu treffen. Zur Paradedisziplin gehört der Raketenwerfer. Die langsamen Raketen müssen von euch so bedacht eingesetzt werden, dass eure Feinde vom Radius des Einschlags getroffen werden. Das ist zwar schwer, dafür richtet ihr bei Erfolg viel Schaden an.

Besonders auffällig ist das Treffer-Feedback. Ihr bekommt einen Treffer am Gegner nicht nur durch eine akustische Rückmeldung bestätigt, sondern seht auch durch eine Zahl, wie viel Schaden ihr gemacht habt. Diese Mechanik aus Rollenspielen ergänzt den Spielablauf des klassischen Arena-Shooters und fühlt sich im ersten Moment etwas seltsam an, nach einigen Runden möchte man diese Information jedoch nicht mehr missen.

Hohes Suchtpotenzial

Gerade zu Beginn wird im Multiplayer-Modus jeder Fehler bestraft. Um erfolgreich zu sein, braucht es nicht nur blitzschnelle Reflexe, sondern auch Kenntnis über jeden einzelnen Winkel der jeweiligen Map. Wer weiß, wo welche Munitionskiste im Level liegt, nach welcher Zeit sie nach dem Aufsammeln zurückkehren und wie man so eine perfekte Route durch das Level plant, ist immer überlegen. So entsteht ein Flow, der schnell süchtig machen kann. Hier kann Doom bereits in der Beta punkten.

Doom - Multiplayer Modes Trailer
id Software und Bethesda haben einen neuen Trailer veröffentlicht, der die Multiplayer-Modi von Doom zeigt.

Als große Power-ups gibt es pro Level einen Schild und eine Verwandlung in einen Dämon. Diese gilt es, zu seinem Vorteil einzusammeln, um das gegnerische Team mächtig unter Druck zu setzen. Als Dämon stand der sogenannte Revenant zur Verfügung, der euch durch brachiale Angriffe die Gegner mit Leichtigkeit besiegen lässt. Dafür seid ihr deutlich langsamer und größer als in eurer Normalform. Das Revenant-Power-up zu halten, ist dementsprechend schwer. Die Spielbalance war bereits ausgewogen. In unserer Anspielzeit empfanden wir die Power-ups nie als ungerecht.

Schickes Gemetzel

Sowohl auf der PlayStation 4 als auch auf dem PC konnten wir Zeit mit der Beta verbringen. Auf beiden Plattformen wurde die hohe Geschwindigkeit nicht durch die ansprechende Grafik gebremst. Zwar macht die Konsolenfassung einige Abstriche bei der Texturauflösung im Vergleich zum PC, durch die schnellen Bewegungen verschwinden die meisten Texturen jedoch in der Bewegungsunschärfe. Unterschiede sind nur bei Stillstand zu erkennen. Den gibt es im Doom-Multiplayer jedoch fast nie.

Der Sound der Waffen unterstützt die wuchtige Präsentation des Shooters in der Beta. Jede Waffe hat ordentlich Bums. Man darf gespannt sein, was sich id Software noch für die finale Fassung des Spiels aufgehoben hat. Die Steuerung auf der PlayStation 4 mit Controller funktioniert gut. Auf dem PC spielten wir mit Maus und Tastatur, was nach wie vor bei schnellen Arena-Shootern die bessere Wahl ist. Die Zielunterstützung auf der Konsole sorgt jedoch auch dort für spektakuläre Szenen in jedem Duell.

Fazit

Robin Rottmann - Portraitvon Robin Rottmann
Frischer Wind in der Multiplayer-Szene

Nach meinem Wochenende mit Doom schlägt mein eSports-Herz mehr als einen Takt schneller. Eventuell könnte uns mit dem neuen Arena-Shooter ein zweiter Frühling des Genres bevorstehen. Man merkt schon in der geschlossenen Beta, dass id Software Mitbegründer dieses Genres ist. Die Erfahrung aus den vergangenen Jahren scheint auf eine frische, technisch saubere Umsetzung zu treffen. Das macht einen guten ersten Eindruck.

Die Frage bleibt, ob dieser frische Wind von der Masse angenommen wird. Kaum ein Arena-Shooter konnte sich in den letzten Jahren über Wasser halten. Ich bin gespannt auf das fertige Spiel und hoffe, dass der finale Teil des Multiplayer-Modus mich ähnlich fesselt wie die geschlossene Beta. Für wohlige Nostalgie sorgte der Ausflug in das Genre allemal.

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