Test - Denon Globe Cruiser AH-GC20 : Geräuschunterdrückendes Kraftpaket

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Nachdem wir im Test von Denons Premiumkopfhörer Music Maniac AH-MM400 Fleißbildchen verteilt hatten, haben wir das mit 300 Euro etwas günstigere drahtlose Modell Globe Cruiser AH-GC20 einer Inspektion unterzogen. Aktive Geräuschunterdrückung und allerhand Zubehör sollen den Preis zusammen mit wuchtigem Sound rechtfertigen. Ob dieses Fundament stabil genug ist?

Denon kennt sich bekanntlich im Hi-Fi-Geschäft aus und jagt seit einiger Zeit auch im Revier des mobilen Musikgenusses. Wie Modelle wie der Music Maniac AH-MM400 beweisen, läuft dem japanischen Traditionsunternehmen dabei durchaus fette Beute vor die Flinte. Der Globe Cruiser mag - um bei dieser Analogie zu bleiben - kein Trüffelschwein sein, ein schmackhafter Braten, wenngleich mit ein paar übersehenen Schrotkügelchen, landet dennoch auf dem Teller.

Zubehör für Globetrotter

Nach dem Öffnen des edlen Kartons offenbart sich der reichhaltige Inhalt. Gleich ein Hardcase hat der Weltenbummler spendiert bekommen. Dazu gibt es ein kleines Säckchen, in dem das USB-Ladekabel, die 3,5-Millimeter-Klinkenstrippe, ein 6,3-Millimeter- sowie ein betont reisefreudiger Flugzeugsitz-Adapter Platz finden. Durch seine wuchtigen Hörermuscheln lässt sich der AH-GC20 leider nicht besonders platzsparend zusammenklappen, aber sei es drum. Stattdessen werden die Muscheln zur Seite gedreht wodurch zwei Erhebungen innerhalb des Hardcases das kostspielige Gerät an Ort und Stelle halten. Stürze mit der Tasche sollten deshalb absolut ungefährlich für den Denon sein.

Der Müllberg nach dem Auspacken ist erfreulich klein. Das Gerät selbst gibt sich vom Design her sehr schlicht, ganz im Gegensatz zum Music Maniac. Anders als bei seinem Kollegen mit seiner leichten Holzoptik bestehen die Verschalungen aus mattschwarzem Kunststoff, der fast nahtlos in die äußerst bequemen Memory-Schaumpolsterungen übergeht. Der anthrazitfarbene Metallbügel erinnert an moderne Roboterarme, die in einem ebenfalls aus Memory-Schaum gefertigten Überzug zusammenlaufen. Offensichtlich um nicht vom Branding abzulenken, wurden sämtliche Bedienelemente an den unteren Rand der Hörermuscheln gesetzt. Und genau hier patzt der Globe Cruiser zum ersten Mal.

Verkehrte Welt

Denn viele Bluetooth-Kopfhörer schaffen es mit wenigen Knöpfen und manchmal sogar trotz Doppelbelegung, intuitive Kontrolle über die Musikliste zu schaffen. Daran scheitert Denons Drahtlosmusikant. Zunächst ist schon die durcheinandergewürfelte Positionierung missglückt, ein einprägsames Schema lässt sich nicht erkennen. Als einziger Schalter befindet sich die aktive Geräuschunterdrückung an der Vorderseite. Sie wird nach unten hin aktiviert, was sich unserem Empfinden nach verkehrt anfühlt, mit etwas Gewöhnung aber kein Problem mehr darstellt. Da die Plätze der Funktionen nicht einprägsam sind, sorgt gerade das wichtigste Element für Frust.

Die Rede ist von der Mischung aus Druckknopf und Schiebeschalter, mit der Denons Globetrotter eingeschaltet, Musik pausiert, fortgesetzt und durch die Wiedergabeliste navigiert wird. Durch Schub nach hinten wird der nächste Titel wiedergegeben, nach vorne der letzte Titel. Nicht nur dass beim unumgänglichen Ertasten der Bedienelemente oftmals der Titel mangels Widerstandes unbeabsichtigt gewechselt wird (ärgerlich bei Hörbüchern), zusätzlich fielen wir beinahe jedes Mal auf den Trugschluss „nach vorne bringt mich vorwärts“ herein. All das macht die Bedienung zwar nicht unmöglich, aber auch nicht angenehmer, wodurch reichlich Potenzial verschenkt wurde.

Nichts als Musik

Wenngleich der Globe Cruiser durch seine anschmiegsamen Over-Ear-Hörermuscheln gut gegen Umweltgeräusche abschirmt, hat Denon dem Kopfhörer zusätzlich aktive Geräuschunterdrückung spendiert. Dadurch dringen so wenige Störgeräusche an das Ohr, dass wir bei laufender Musik selbst Gespräche neben uns nicht mehr hören konnten. Im Freien werden Windgeräusche optimal herausgefiltert, sodass ihr euch vollkommen auf eure Musik konzentrieren könnt. Im Fall des AH-GC20 macht das dank aptX-Codec auch noch richtig Spaß. Voraussetzung sind natürlich möglichst unkomprimierte Audiodateien.

Wir haben zum Test den Soundtrack von „Jurassic World“ durch die dynamischen 40-Millimeter-Treiber (10 Ohm) gejagt. Die Kompositionen zum Dinospektakel boten sich besonders an, um die Leistung des AH-GC20 in sämtlichen Frequenzbereichen austesten zu können. Von tiefen Paukenschlägen bis zu fröhlichen Piccoloflöten deckt er Tiefen, Mitten und Höhen gleichermaßen ab. Hier liefert der Globe Cruiser ein ähnlich gutes, wenn nicht sogar besseres Klangbild als der Music Maniac. Das liegt vor allem an der genreübergreifend gelungenen Abstimmung. Zumindest hatten wir den Eindruck, dass der drahtlose Kopfhörer auch Rock und vergleichbare Musikrichtungen mit mehr Leben füllt als das Premiummodell.

Auffällig ist darüber hinaus der deutlich stärker dröhnende Bass, den wir trotz aller Intensität nicht als unnatürlich einstufen. Eine Spur mehr „Wumms“ wäre schon viel zu viel. Zurück im „Jurassic-World“-Soundtrack gelingt es dem Globe Cruiser dank kräftiger Tiefen, die nötige Bedrohlichkeit zu vermitteln. Violinen und Blechblasinstrumente treiben die Melodien natürlich voran und Höhen werden detailreich herausgearbeitet.

Weniger überzeugte dagegen die Mikrofonqualität. Obwohl Denon mit Clear Voice Capture (cVc) wirbt, das die Sprachqualität abstimmen und von Echos befreien soll, konnten wir keine hörbare Verbesserung am anderen Ende der Leitung feststellen. Wer den AH-GC20 also als Headset verwenden möchte, sofern er die die entsprechende Taste auf Anhieb findet, sollte dies im Hinterkopf behalten.

Fazit

Mathias Windhager - Portraitvon Mathias Windhager
Komfortabler Kopfhörer mit gewöhnungsbedürftiger Bedienung

Keine Frage, Denons drahtloser Over-Ear-Kopfhörer Globe Cruiser AH-GC20 ist qualitativ, klanglich wie verarbeitungstechnisch ein interessanter Begleiter. Sein schlichtes, aber wuchtiges Äußeres ist Heimat für genreübergreifend vollen Klang und eine gut funktionierende Kombination aus passiver Abschirmung und aktiver Geräuschunterdrückung. Persönlich empfand ich den Weltenbummler wie den Music Maniac als einen der bequemsten Kopfhörer, mit denen ich bisher das Vergnügen hatte. Nur um den Hals getragen drücken die wuchtigen Hörermuscheln unbequem in den Kehlbereich.

Im Laufe des Tests habe ich die vom Hersteller angegebene maximale Akkulaufzeit von 20 Stunden bei überdurchschnittlicher Lautstärke locker überschritten, wodurch der Globe Cruiser seinem Namen durchaus gerecht wird. Einzig die Tastenbelegung empfand ich als so gewöhnungsbedürftig, dass ich beinahe jedes Mal die falsche Funktion auslöste und letzten Endes doch lieber zum Wiedergabegerät selbst griff. Statt lauter wurde es leiser, statt die Geräuschunterdrückung zu aktivieren schaltete ich sie aus und zu oft wechselte ich aus Versehen den Titel, obwohl ich die Musik nur pausieren wollte.

Es gibt zu viele intuitivere Alternativen mit ähnlichem Leistungsumfang, als dass dieser Umstand zu vernachlässigen wäre. Trotzdem hat Denon alles in allem einen guten Kopfhörer entwickelt, der Spaß macht. Wer weniger intensive und noch natürlichere Bässe sucht, findet mit dem Music Maniac AH-MM400 einen würdigen Vertreter.

Überblick

Pro

  • detailreicher Klang
  • für viele Musikgenres geeignet
  • kräftiger Bass
  • sehr komfortabel
  • hochwertige Verarbeitung
  • Zubehör für Reisen
  • per Android und iOS voll bedienbar
  • 20 Stunden Akkulaufzeit

Contra

  • gewöhnungsbedürftige Schalter
  • Mikrofonqualität durchschnittlich
  • zusammengeklappt noch sehr groß
  • um den Hals getragen unbequem

Wertung

  • PC
    8.0
    /10

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