Test - Borderlands 3 : Wie gut ist der Loot-Shooter?

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Als die Credits über den Bildschirm rollen, bin ich vor allen Dingen erleichtert. Erleichtert, dass die Kampagne endlich vorbei ist. Nicht, dass ich in den vorherigen knapp 40 Stunden schlecht unterhalten wurde, aber so richtig mitgefiebert habe ich ebenfalls nicht. Liegt das vielleicht an den Calypso-Zwillingen, die im Gegensatz zu Handsome Jack etwas blass und halbherzig rüberkamen?

Der Nebenstrang mit Maliwans CEO Katagawa im zweiten Akt zeigt dabei, wie deutlich interessanter Bösewichte auftreten können. Zwar entpuppt sich sein Plan, das Unternehmen ATLAS zu mit aller Macht zu übernehmen, als weniger galaxiebedrohend, aber es ist schlichtweg interessanter, an der Zofferei der beiden teilzunehmen, weil sowohl Katagawa und Rhys sich emotional immer weiter hochschaukeln.

Im Grunde genommen bestehen fast alle Missionen daraus, irgendwo hinzugehen, böse Leute zu töten, um dann eine Belohnung einzukassieren. Nur in ganz wenigen Ausnahmen wie der Mission “Let's Get it Vaughn” lässt sich Gearbox etwas abwechslungsreicheres einfallen. Was das Design der Quests betrifft, könnteGearbox sich mehr von anderen klassischen Rollenspielen inspirieren lassen, in Bereichen wie der Charakterentwicklung hat das ja auch nicht geschadet.

Der Laufbursche

Was mich letztendlich am meisten an der Geschichte von Borderlands 3 fuchst, sind die Zwischensequenzen. Ihr seid zwar der Kammer-Jäger und erledigt allerhand Aufgaben für die Crimson Raiders, aber letztendlich seid ihr nur Statist, der in den Zwischensequenzen quasi gar nicht vorkommt. Diese Filmchen geben sich kaum Mühe vorzugaukeln, dass euer Charakter sich am Ort des Geschehens befindet. Mit jedem weiteren Kapitel störte mich die von Gearbox gewählte Form des Storytellingsmehr, auch wenn euer Kammer-Jäger mittlerweile deutlich öfters die Klappe aufmacht.

Würde ich wenigstens hin und wieder meinen Charakter sehen, wie er in den Sequenzen ebenfalls Teil des Ensembles ist, wäre alles halb so schlimm. Stattdessen degradiert mich Borderlands 3 so zum Laufburschen, der die Drecksarbeit erledigt, damit andere am Ende im Rampenlicht stehen. So richtig heldenhaft fühle ich mich am Ende von Borderlands 3 nicht.

Die Suche nach noch mehr Loot

Nach der Kampagne ist im Borderlands-Universum noch nicht Schluss. Ihr schaltet die Gurdian-Ränge frei, die euch mit jedem Levelaufstieg weitere Boni auf verschiedene Attribute bescheren. Abgesehen davon wartet dann das Endgame auf euch. Der Wellenmodus (Circle of Slaughter) und die Proving-Grounds-Herausforderungen (eine Art Mini-Dungeon, die optionale Ziele besitzen) bestechen durch den Wiederspielwert, abgesehen davon hat Borderlands 3 aktuell nicht viel zu bieten.

Ihr könnt den True-Vault-Hunter-Modus starten und die Kampagne mit stärkeren Gegner ein weiteres Mal durchrattern. Abgesehen davon sind die Mayhem-Modifikatoren am interessantesten: einmal aktiviert, peppen diese Modifikatoren den Schwierigkeitsgrad auf, indem ihr jedes Mal zufällige Modifikatoren zugelost bekommt, wenn ihr ein Areal betretet. Mal machen eure Waffen weniger Schaden oder eure Schilde laden sich langsamer auf, dafür bekommt ihr mehr Erfahrungspunkte und die Loot-Qualität wird drastisch erhöht. Es gibt aber auch positive Modifikatoren, die euch unter die Arme greifen.

Abgesehen davon vermisse ich aktuell aber vor allen Dingen die starken optionalen Bosse aus dem zweiten Teil. Gerade mit Freunden im Team Terramorphous den Unbesiegbaren auf die Mütze zu geben, war damals ein fantastisches Gefühl. Dieses Element fehlt gegenwärtig komplett. Gearbox hat jedoch bestätigt, dass mit der Inhaltserweiterung Maliwan Takedown ein neuer Boss den Weg ins Spiel findet. Vielleicht schlägt dieser Obermotz in eine ähnliche Richtung. Die Erweiterungen in Borderlands 2 vergrößerten die Anzahl der Raid-Bosse ja ebenfalls. Da Borderlands 3 in den kommenden Monaten regelmäßig mit frischen Inhalten gefüttert werden soll, wird hoffentlich auch das Endgame in Zukunft mehr zu bieten haben.

Immer noch eine technische Baustelle

Seit Release hat Entwickler Gearbox zwei Updates veröffentlicht, doch auf technischer Seite bleibt Borderlands 3 ausbaufähig. Die Bildrate bricht auf den Konsolen nach wie vor ein und sich durch die Menüs zu navigieren ist weiterhin eine Qual. Immerhin traten in den letzten Quests keine gravierenden Fehler mehr auf.

Einmal teleportierte sich ein NPC direkt zum Ort der Mission, kurz nachdem er sagte, dass ich ihm folgen soll, was seltsam war, aber im Vergleich zu früheren Ärgernissen zu verschmerzen war. In einem weiteren Hotfix passten die Entwickler einige Bossgegner an, die zuvor zu stark waren. Außerdem wurden die Loot-Drops im Mayhem-Modus gesenkt. Na immerhin.

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