Test - Army of Two: The Devil's Cartel : Michael Bay wäre stolz

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Die beiden zuvor erschienenen Army-of-Two-Ableger waren nicht wirklich schlecht. Sie waren aber auch nicht sonderlich gut. Nun kümmern sich die Entwickler von Visceral Games um die raubeinige Shooter-Serie, die sich auf kooperative Kumpel-Action konzentriert. Die Dead-Space-Macher setzen auf einen dunklen, erwachsenen Stil. Army of Two: The Devils Cartel macht aber immer dann am meisten Spaß, wenn es die Ketten der Ernsthaftigkeit sprengt und in Absurditäten abdriftet.

Die aus den beiden Vorgängern bekannten Protagonisten Rios und Salem ziehen sich aus dem aktiven Dienst bei der T. W. O. zurück und machen Platz für eine neue Generation von Soldaten. Dazu gehören auch Alpha und Bravo, zwei sympathische Draufgänger, die ihre Namen an den Nagel hängen, damit ihr euch besser in ihre Rolle versetzen könnt. Ihr eskortiert einen mexikanischen Politiker durch die Straßen von La Puerta. Sein Ziel ist es, das mächtige ortsansässige Drogenkartell La Guadana zu Fall zu bringen. Die Gangster wollen das natürlich vereiteln, weswegen sie ihn nach einem brutalen Anschlag entführen. Ihr schreitet zur Rettung. Dabei geht halb Mexiko in Flammen auf.

49 Kapitel Dauerfeuer

Aus allen Ecken und aus jeder Tür stürmen euch Kriminelle entgegen, sodass ihr euch zwangsläufig fragt, wie viele Mitglieder so ein Kartell eigentlich haben kann. Hunderte Leichen pflastern im Laufe der Kampagne euren Weg. Schaut man genauer hin, fällt auf, dass es sich bei vielen entweder um eineiige Zwillinge oder Klonversionen handelt. Abwechslung ist Mangelware, besonders was die Gegnervarianten betrifft. Da gibt es das normale Fußvolk, das lediglich als Bleifutter dient. Dazu gesellen sich die Säbel schwingenden Verrückten, die direkt auf euch zueilen, und die dick gepanzerten Feinde, die nicht nur kräftig austeilen, sondern auch außerordentlich hart im Nehmen sind. Die Spezialeinheiten mit Schutzschilden dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Sie alle sind nicht die Cleversten, weswegen die Schusswechsel anspruchslos ausfallen. Euer Kumpel Bravo macht da schon eine bessere Figur, auch wenn er einen menschlichen Partner nicht ersetzen kann. Die komplette Kampagne ist kooperativ spielbar, sowohl online als auch im geteilten Bildschirm an einer Konsole. Allerdings gestaltet sich der gemeinsame Rachefeldzug umständlicher als bei vielen anderen Spielen. Während ihr beispielsweise bei Gears of War jederzeit in die Spielsitzung eines Kollegen hüpft, wird in Army of Two: The Devils Cartel das aktuelle Kapitel neu gestartet. Das Gleiche passiert, wenn euer Mitspieler sich verabschiedet oder aus dem Spiel fliegt. Kein Beinbruch, aber umständlich genug, um auf gemeinschaftliche Ausflüge zu verzichten.

Army of Two: The Devil's Cartel - Launch Trailer
Hier der Launch Trailer zum Koop-Shooter Army of Two: The Devil's Cartel.

W wie Waffen oder Wumms

Euch stehen zahlreiche unterschiedliche Waffen zur Verfügung. Die verschiedenen Gewehre und Flinten könnt ihr nach eurem Geschmack anpassen. Habt ihr jedoch erst mal die Kombination gefunden, die euch gefällt, werdet ihr bis zum Schluss daran festhalten. Die positiven Effekte der Verbesserungen überwiegen die negativen, weswegen ihr schnell starke Waffen zusammengebastelt habt, mit denen ihr ohne Probleme durch die Kampagne kommt. Warum solltet ihr dann noch einmal neue Waffen ausprobieren? Zur Kategorie "nett, aber nicht spielentscheidend" gehören auch die vielen Masken und Outfits. Wer nichts Passendes findet, erstellt im Editor seine eigene Gesichtsbedeckung.

Einige aus den Vorgängern bekannte Spielmechaniken wurden gestrichen, etwa das Agieren Rücken an Rücken oder die vorgetäuschte Kapitulation, damit der Teamkollege aus dem Hinterhalt angreifen kann. Dafür feiert der Overkill-Modus aus dem ersten Teil seine Wiederkehr. Ist die Leiste auf eurem Bildschirm durch Team-Arbeit und Abschüsse aufgefüllt, aktiviert ihr per Knopfdruck die virtuelle Zerstörungswut. Für eine begrenzte Zeit ballert ihr unsterblich mit unbegrenztem Vorrat an Munition auf alles, was wie ein Feind aussieht. In diesen Momenten macht Army of Two: The Devils Cartel die meiste Freude. Dank der unzähligen roten Fässer und Propangasflaschen geht die Umgebung ordentlich zu Bruch. Zwar zelebriert die Frostbite 2 Engine nicht den gleichen Grad der Verwüstung wie in Battlefield 3, trotzdem wird viel zerstört, besonders Deckungen und spezielle Einrichtungen.

Ständig das Stoppschild

Der Grafikmotor hat im Shooter seine Momente. Hin und wieder gibt es schicke Szenen zu betrachten. Allerdings nur dann, wenn ihr am Anfang die optionalen HD-Inhalte installiert habt. Trotzdem wirkt das Bild oft ungeschliffen. Die Texturen muten spröde an, gestalterisch besteht ebenfalls Verbesserungsbedarf. Dazu kommen Grafikfehler, zum Beispiel in der Luft hängende Gegner oder Objekte. Das ruiniert die Atmosphäre genauso wie die unsichtbaren Blockaden mit dem Ausrufezeichen, die euch künstlich aufhalten, bis der nächste Abschnitt fertig geladen ist. Da hätten sich die Entwickler ruhig etwas mehr Mühe geben können.

Die deutsche Sprachausgabe ist passabel, die englische jedoch um Welten besser, da die machohaften "Deine-Mutter"-Sprüche einfach besser sitzen. Generell ist die Präsentation im neuen Army of Two widersprüchlich. Das lässige Kumpelgetue konterkariert den ernsthaften Aufhänger der Geschichte. Da sterben im Kugelhagel die Kollegen von Alpha und Bravo, aber wenige Sekunden später reißen die beiden schon wieder Witze über mögliche Pläne nach dem Auftrag. Die Entwickler hätten sich für eine Marschrichtung entscheiden sollen. So kann man den Action-Trip zu keiner Zeit richtig ernst nehmen, zum Lachen ist einem aber auch nicht zumute.

Fazit

Christian Kurowski - Portraitvon Christian Kurowski

Der dritte Teil von Army of Two führt die Serientradition fort. Der Shooter ist im neuesten Anlauf trotz Entwicklerwechsel erneut weder richtig gut noch richtig schlecht. Dem Duo Alpha und Bravo geht gerade dann recht schnell die Puste aus, wenn die zweite Rolle von der KI verkörpert wird. Die macht ihre Arbeit zwar ganz gut, aber die fehlende Abwechslung und die immer gleichen dummen Gegnerhorden verhindern, dass sich langfristig Spielspaß einstellt. Wer allerdings einen Freund an seiner Seite hat, kann ein bisschen mehr aus dem Spiel herauskitzeln, trotz des umständlichen Online-Koops.

Das Problem ist, dass der Shooter nicht genau weiß, was er vermitteln will. Auf der einen Seite gibt es die erwachsene Thematik, auf der anderen Seite steht der kumpelhafte Umgangston. The Devils Cartel macht immer dann am meisten Spaß, wenn man im Overkill-Modus den kompletten Schauplatz auseinandernimmt. Dadurch kann man über die fehlenden Spielelemente aus den Vorgängern hinwegsehen, man vermisst sie aber trotzdem. Hätten sich die Mitarbeiter von Visceral Games eher auf darauf besonnen, einen abgefahrenen und absurden Action-Trip mit B-Movie-Flair zu produzieren, wäre die Rechnung aufgegangen. So kracht der dritte Teil im Sekundentakt und macht viel Lärm, setzt aber leider keine Akzente und hinterlässt keinen bleibenden Eindruck. Ein interaktiver Michael-Bay-Film eben.

Überblick

Pro

  • unkomplizierte Baller-Action
  • kooperative Kampagne
  • schicke Zerstörungseffekte
  • viele unterschiedliche Waffen
  • Outfits und Masken für die Individualisierung

Contra

  • kaum Abwechslung
  • identische Gegnerhorden nach Schema F
  • unsichtbare Wände halten euch künstlich auf
  • dumme KI
  • optionale HD-Inhalte für volle Grafikpracht nötig
  • umständlicher Koop-Modus
  • Spielmechaniken aus Vorgängern fehlen
  • deutsche Version geschnitten

Wertung

  • X360
    6.0
    /10
  • PS3
    6.0
    /10

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