Preview - Alien: Isolation : Das Alien geht um

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Vergessen wir an dieser Stelle einfach mal, dass es Alien: Colonial Marines gab. All diese enttäuschten Erwartungen, diese bewusste Täuschung und die nicht erfüllten Versprechungen: Für die nächsten zehn Minuten existieren sie nicht. Stattdessen wollen wir uns auf etwas anderes konzentrieren. Ein Spiel, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, der berühmten Filmvorlage nicht nur gerecht zu werden, sondern ihr auch neues Leben einzuhauchen. Lassen wir die Eindrücke von Alien: Isolation sprechen, die jetzt schon unmissverständlich klarmachen, was für ein Schrecken uns da erwartet.

Das Horror-Genre hat viele Facetten. Es konfrontiert uns mit urplötzlichen Schreckmomenten oder setzt uns dem psychologischen Wahnsinn aus. Für viele Entwickler ist es ein Ventil, um all ihren Ängsten Ausdruck zu verleihen oder um uns das Fürchten zu lehren. Nicht immer ist dieses Unterfangen von Erfolg gekrönt. Es kommt sogar vor, dass der Grusel Stück für Stück der Action weicht, um sich einem größeren Publikum anzubiedern. Da wird aus einem Survival-Horrorspiel ein effektgeladenes Spektakel, das die eigenen Wurzeln verleugnet und die Anhängerschaft ratlos zurücklässt.

Die muss sich dann gezwungenermaßen abwenden und sich anderen Spielen widmen. Genau an diesem Punkt kommt Alien: Isolation ins Spiel. Der Titel aus dem Hause Creative Assembly konnte uns schon vor wenigen Monaten überzeugen. Nun haben wir uns erneut gefürchtet und mit den Knien geschlottert. Die Gründe dafür sind vielfältig. Das liegt zum einen am Alien selbst. Egal welche Ausrüstung ihr euch zu eigen macht, dem Xenomorph könnt ihr nichts anhaben. Ihr seid stets unterlegen. Hat euch das Alien erspäht, gibt es in den meisten Fällen kein Entrinnen mehr. Eine zu laute oder riskante Vorgehensweise hat meist den Tod zur Folge.

Speichern, speichern, speichern

Diese Kompromisslosigkeit sorgt in Kombination mit fehlenden Rücksetzpunkten für eine drastisch erhöhte Pulsfrequenz. Ein Fehler und ihr fangt an der letzten Speicherstation an. Für den einen mag das Frust und überstrapazierte Nerven bedeuten, den anderen erinnert es hingegen an längst vergangene Tage, als Computer- und Videospiele uns nicht ständig mit Erfolgsmomenten und Belohnungen bombardierten. Im Kontext des Spiels erweist sich diese Entscheidung als äußerst klug. Jeder Schritt sollte klug gewählt, jede Aktion mit Bedacht ausgeführt werden.

Alien: Isolation - gamescom 2014 Video-Interview mit Gary Napper
Im Interview der Lead Game Designer von Alien Isolation Gary Napper

Ihr müsst euch wieder daran gewöhnen, nach Speicherstationen Ausschau zu halten. Nicht nur das Alien kennt keine Gnade, das Spiel kennt sie ebenso wenig. Aber keine Angst. In der Anspielversion waren die Speicherstationen fair verteilt. In einer Welt, in der wir unsere Aufmerksamkeit konstant auf verschiedene Dinge richten, schult uns Alien: Isolation darin, wieder konzentriert und vorsichtig zu agieren. Jeder Gegenstand wird bei diesem Monster ungeheure Bedeutung zuteil. Dessen sind sich die Entwickler bewusst und machen sich augenscheinlich einen Spaß daraus, sie nur durch langsames Aufblinken erkenntlich zu machen.

Nur durch deren Hilfe könnt ihr nützliche Objekte wie Molotow-Cocktails oder Geräuschbomben zusammenbauen, die sich nicht nur gegen das Alien, sondern auch gegen all die Plünderer als nützlich erweisen. Alien: Isolation gibt euch aber noch mehr an die Hand, damit ihr euch gegen all die unterschiedlichen Bedrohungen durchsetzt. An bestimmten Stationen könnt ihr auf die Stromzufuhr der Raumstation zugreifen und unter anderem Überwachungskameras ausschalten, die Sprinkleranlange einschalten oder Türen verriegeln. Gegen das Alien selbst ist dieses Vorgehen selten nützlich, doch eure menschlichen Gegner lassen sich so schnell in die Irre führen.

Die Stimmung macht's

All die aufgeführten Gründe, warum Alien: Isolation ein so intensives und regelrecht schweißtreibendes Spiel ist, wären zu großen Teilen hinfällig, wenn das Spiel seiner Vorlage nicht gerecht werden würde. Es mag technisch nicht ganz auf der Höhe der Zeit sein, schließlich erscheint der Titel noch für PS3 und X360, nichtsdestotrotz zeugen Atmosphäre, Licht- und Raucheffekte sowie die Klangkulisse für ein außerordentlich gutes Gespür von Creative Assembly. Der anspielbare Abschnitt ruft unweigerlich Erinnerungen aus dem ersten „Alien“-Film wach. Audiovisuell kann man sich als Fan der Vorlage nicht viel mehr wünschen.

Fazit

David Kepler - Portraitvon David Kepler
Hose voll. Mission erfüllt.

Drei Stunden mit Alien: Isolation haben sichtlich an meinem Nervenkostüm gezerrt. Die stetige Angst sowie das Gefühl, dem Alien immer ausgeliefert zu sein, lassen euch eine Intensität spüren, die heutzutage nur noch von wenigen Spielen vermittelt wird. Das alles würde bereits reichen, positiv gen Veröffentlichung zu blicken. Doch das ist nicht alles, was in Erinnerung bleibt. Creative Assembly erzeugt eine Atmosphäre, die der Vorlage jederzeit gerecht wird. Nachdem Serien wie Resident Evil, Silent Hill oder Dead Space sich immer weiter von ihren Wurzeln entfernt haben, findet die Alien-Serie trotz einiger Ausfälle wieder dorthin zurück. Alien: Isolation mag unseren Eindrücken zufolge das Horror-Rad nicht neu erfinden, aber es verleiht den bekannten Zutaten durch seine Kompromisslosigkeit und das Wiederaufleben des Filmmythos neue Attraktivität. Letztendlich bleibt nur noch die Frage, ob es den Verantwortlichen auch gelingt, diese Anspannung aufrechtzuerhalten und genügend spielerische Abwechslung zu bieten, damit der Titel am Ende nicht zu einem bloßen Katz-und-Maus-Spiel verkommt.

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