Special - 10 Years after: Deus Ex : Redaktions-Urgestein Andreas erinnert sich ...

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Neulich, als ich auf zehn Jahre Gameswelt zurückblickte, packte mich die Nostalgie und ich kramte ein wenig in der Mottenkiste. Und staunte nicht schlecht, was für namhafte Titel ausgerechnet im Jahr 2000 auf die Spieler losgelassen wurden. Und wie viele Spieler es wohl gibt, die von vielen Perlen noch nie etwas gesehen haben. Das wollen wir nun ändern. In regelmäßigen Abständen werde ich ein wenig in der Vergangenheit schwelgen und von einigen Schätzchen den Staub wedeln. Den Auftakt macht ein gewisser Herr JC Denton, den der eine oder andere von euch sicher noch sehr gut in Erinnerung hat.

Es war einmal ein Studio namens Ion Storm. Mit vielen Querelen behaftet und einem glücklosen John Romero als Gründer pflanzte das Studio so manchen teuren Flop in den Spielemarkt, darunter das eher peinliche Daikatana. Doch das Studio verfügte über eine Zweigstelle in Austin, die an einem ganz anderen Projekt werkelte. Warren Spector, der zuvor bei Looking Glass am legendären System Shock gearbeitet hatte, und Harvey Smith, früherer Lead-Tester für dasselbe Spiel, hatten ein ganz heißes Eisen im Feuer, das Spielegeschichte schreiben sollte.

Mitte 2000 erschien Deus Ex. Der Shooter-Rollenspiel-Mix rund um Hauptfigur JC Denton ist wohl jedem in Erinnerung geblieben, der diese Epoche der Spielewelt erlebt hat. Deus Ex bot vor allem eins: eine für damalige Zeiten nahezu bahnbrechende Handlungsfreiheit mit Einfluss auf den Verlauf der Geschichte des Spiels. Hinzu kam eine erstklassige Handlung rund um Verschwörungen, Weltherrschaft und Nanotechnologie. Und das mit einer Tiefe, die viele Spiele der folgenden Jahre nicht mal ansatzweise erreichen konnten. Obwohl es ein Actionspiel war, konnte man weite Teile des Titels ohne Einsatz von Gewalt lösen, ganz wie man wollte.

Ich kann mich jedenfalls noch lebhaft erinnern, wie oft ich bei Deus Ex vor Entscheidungen stand: beim Einsatz von Gewalt, bei moralischen Überlegungen oder selbst bei der Charakterentwicklung dank Nanotechnologie. Was letztendlich dazu führte, dass ich Deus Ex seit dem Erscheinen deutlich mehr als nur einmal gespielt und sogar im letzten Jahr noch mal wieder herausgekramt habe. Allein schon um mich zu erinnern, dass Entscheidungssysteme wie bei Bioware-Rollenspielen absolut keine Neuerung sind.

Wie auch immer, Deus Ex war kein One-Hit-Wonder und man blieb der Reihe treu. Per Update wurde ein Mehrspielermodus nachgereicht, der von vielen Fans sehr begrüßt wurde. Dank der Verwendung der Unreal-Engine erschienen zudem unzählige Fan-Patchs, Modifikationen, Missionen und Erweiterungen. Wer sich darüber einen Überblick verschaffen möchte, sollte zum Beispiel www.planetdeusex.com einen Besuch abstatten, wo es ein umfangreiches Download-Arsenal an Ergänzungen gibt.

Ende 2003 legte Ion Storm sogar noch mal offiziell nach. Mit Deus Ex: Invisible War erschien ein Nachfolger, diesmal für PC und Xbox. Das grundsätzliche Spielprinzip blieb erhalten, allerdings waren die Fans sehr geteilter Meinung. Zugunsten vor allem der Konsolenversion fiel Invisible War trotz guter Geschichte weniger komplex und deutlich einfacher aus. Zudem gab es vor allem in der zuerst erschienenen US-Version einiges an technischen Macken. Bei den Fans der ersten Stunde war jedenfalls die Enttäuschung groß, auch wenn es beileibe kein schlechtes Spiel war. Bei mir landete der Titel jedenfalls nach zweimaligem Durchspielen im Schrank und hat seitdem eine dicke Staubschicht angesetzt - ganz im Gegensatz zum Vorgänger.

Danach wurde es still um Deus Ex und die Dentons. Das lag weniger am mangelnden Willen, sondern vor allem an Problemen im Hause Ion Storm. Die Väter der Reihe, Spector und Smith, verließen das Entwicklerstudio. Spector arbeitet inzwischen bei Disney an Epic Mickey und Smith wurde zuletzt bei Midway im Rahmen der Entwicklung von Blacksite gesichtet. Zwei Legenden, um die es still geworden ist. Der Weggang der maßgeblichen Deus-Ex-Entwickler bedeutete dann auch mehr oder minder das Ende von Ion Storm, das 2005 die Türen schloss.

2007 sickerte dann durch, dass Eidos, ehemals Publisher von Ion Storm, die Reihe wieder aufgegriffen hat. Ein Team in Montreal arbeitet seitdem an Deus Ex 3. Die Details zu dem Spiel halten sich allerdings noch in sehr überschaubaren Grenzen. Glaubt man bereits bekannten Informationen, wird es sich inhaltlich um ein Prequel zum ersten Teil handeln. Erneut mit futuristischem Szenario, Bio-Implantaten und einer vielschichtigen Handlung mit vielen Entscheidungen. Man darf sehr gespannt sein, auch wenn die Schöpfer des Originals nicht mehr an Bord sind. Wer mehr über Deus Ex 3 wissen will, sollte das FAQ im offiziellen Eidos-Forum im Auge behalten. Und wir hoffen sehr, dass wir 2010 endlich erste Eindrücke auf einer der Spielemessen sammeln können.

Sei es, wie es will - Deus Ex gehört für nicht wenige Spieler zu den besten und wichtigsten Titeln der letzten Jahre. Für mich persönlich ist es jedenfalls ein Spiel, das sicherlich nie aus meinem Gedächtnis verschwinden wird und eine ganze Reihe von Titeln inspiriert hat. Und es gehört zu den Titeln, die ich wohl in meinem ganzen Leben am häufigsten durchgespielt habe. Wer Deus Ex nicht kennt, sollte unbedingt mal schauen, ob er das nicht nachholen kann. Er wird viele heutige Spiele in einem ganz anderen Licht sehen.

Aber jetzt genug geplaudert: Schaut euch einfach noch mal unseren damaligen Test des Spiels an, wenn ihr wissen wollt, wie damals ein Stück Spielgeschichte aussah. Weiter ...

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