Test - Xenoblade Chronicles 2 : Das letzte große Spiel des Jahres

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Meine Klinge und ich

Dennoch ist nicht alles Gold, was glänzt, und Monolith Soft wäre nicht Monolith Soft, wenn man nicht noch einen Weg gefunden hätte, um diesen hervorragenden Eindruck zumindest ein klein wenig zu trüben. So wurde zum Beispiel das Kampfinterface im Vergleich zu Xenoblade Chronicles X glücklicherweise wesentlich vereinfacht, dennoch sind wichtige Informationen wie aktive Statuseffekte auf der Gruppe oder auf den Gegnern weiterhin nur sehr schwer ersichtlich.

Auch das Balancing lässt wie bereits in den Vorgängern gerne mal zu wünschen übrig. Damit sind nicht mal die stark überlevelten seltenen Gegner in den Anfangsgebieten gemeint. Es kann durchaus vorkommen, dass man im einen Moment einen höherstufigen Boss recht flott zermöbelt, bevor man nur Minuten später im gleichen Dungeon gegen einen unterlevelten Boss kämpft, der mit der Gruppe innerhalb von Sekunden den Boden aufwischt.

Immerhin kann man die Balancingprobleme relativ flott ausgleichen, indem man einfach ein, zwei Level sammelt, seine Klingen und deren Talente über das neue Harmoniesystem verbessert oder sein Glück mit Kernkristallen versucht. Harmonie sammelt man nun entweder durch das Bewältigen von verschiedenen Miniherausforderungen oder die aus den Vorgängern bekannten Harmoniegespräche, die man überall auf der Welt findet. Alternativ kann man auch einen Lieblingsgegenstand seiner Charaktere in eine Tasche packen, um die Harmonie ein wenig zu steigern.

Außerdem lassen sich Klingen mit Hilfskristallen ausrüsten, die verschiedene Statusverbesserungen mit sich bringen. Einzige Ausnahme ist die künstliche Klinge Poppi, deren Verbesserungen man in dem netten, kurzweiligen Minispiel „Tiger! Tiger!“ erhält, das an ein typisches NES-Spiel erinnert und trotz seines einfachen Spielprinzips dazu einlädt, Highscores zu jagen.

Entscheidet man sich dazu, einen seiner normalen, seltenen oder legendären Kernkristalle zu verwenden, kann man sein Glück herausfordern, um in einem System, das an typische Free-to-play-Mobile-Titel erinnert, an neue und seltene Klingen heranzukommen. Mikrotransaktionen gibt es glücklicherweise aber keine und man findet definitiv im Verlauf seines Abenteuers mehr als genügend Kernkristalle, dennoch ist der Erhalt neuer Klingen Glückssache.

Zumindest fast: Möchte man seinen legendären Kernkristall nicht an eine der Handvoll generischen Klingen verschwenden, kann man zum einen seinen Glückswert steigern und zum anderen vor allem Gebrauch vom Tugendsystem machen. Werden Klingen verbessert, steigert das auch einen von vier Tugendwerten für den damit verbundenen Charakter. Der höchste Tugendwert erhöht nochmals die Wahrscheinlichkeit auf eine seltene Klinge. Vor der Verwendung eines Kernkristalls sollte man also darauf achten, möglichst hoch aufgelevelte Tugenden zu besitzen und sie durch den Einsatz von Boostern, die man ebefalls in rauen Mengen erhält, nochmals zu verbessern.

Ein würdiges Sequel

Dieses mehr oder weniger typische Gacha-System könnte zwar im ersten Moment abschrecken, allerdings kann man seine Chancen auf seltene Klingen relativ gezielt steigern. Davon abgesehen haben die generischen Klingen auch abseits der Kämpfe durchaus ihren Wert. Sei es, um die Gruppe beim Öffnen von bestimmten Kisten, Türen und beim Entdecken von Geheimnissen zu unterstützen, sei es, um im neuen Söldnersystem spezielle Aufträge auszuführen.

Hierbei erhaltet ihr im Verlauf des Spiels besondere Quests, die nur von Söldnergruppen erledigt werden können. Sie setzen meistens bestimmte Klingentypen oder -elemente voraus. Habt ihr eine Gruppe zusammengestellt und losgeschickt, geht sie in Echtzeit, während man selbst weiter die Welt erkundet, die Quests an. Kehrt eine Söldnergruppe zurück, winken Gegenstände, Gold und Erfahrungspunkte. Man sollte also immer darauf achten, zumindest einen Söldnerauftrag aktiv zu halten.

Hat man gerade genug vom Kämpfen, kann man natürlich auch einfach die Titanen erkunden und dem überragenden Soundtrack lauschen. Er wurde wieder von der Gruppe ACE produziert, die auch schon für den ersten Teil verantwortlich war, was Fans freuen dürfte. Einige Stücke erinnern vielleicht ein bisschen zu sehr an die des Vorgängers, der Großteil des Soundtracks steht allerdings auf eigenen Beinen und kann mit seinen teils orchestralen, teils extrem rockigen Tracks auch außerhalb des Spiels überzeugen.

Aber so gut der Soundtrack auch ist: Während einiger Zwischensequenzen übertönt er, wie schon in Xenoblade Chronicles X, gerne mal die Charaktere, die übrigens wieder mit allerlei englischen, schottischen und irischen Akzenten sprechen. Warum dieses Problem aus dem Vorgänger nicht behoben wurde, ist zwar nicht verständlich, kommt aber immerhin seltener vor als beim Wii-U-Titel.

Alles in allem werden nicht nur Fans des ersten Xenoblade Chronicles voll auf ihre Kosten kommen. Auch Neueinsteiger brauchen keine Angst zu haben, irgendetwas zu verpassen, wenn sie noch keinen Teil der Serie gespielt haben. Die technischen Probleme und die etwas weniger schlimmen Problemchen bei Interface und Kampfbalancing sind zwar ärgerlich, sollten aber interessierte Spieler nicht davon abhalten, eines der besten japanischen Rollenspiele des Jahres zu erleben.

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