Special - Akte: Xbox One : Vom Bordstein zurück zur Skyline

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Microsoft hatte mit seiner Xbox One einige sehr harte Monate. Schon die große Always-online- und DRM-Problematik sorgten für Wirbel. Die Negativstimmen wurden wegen Kinect und der generellen Ausrichtung als Multimediagerät noch lauter, sodass Microsoft gar nicht anders konnte, als Konsequenzen zu ziehen. Don Mattrick, ehemaliger CEO der Xbox-Sparte und Verantwortlicher für die Xbox-Misere, musste seinen Platz räumen und dem Microsoft-Veteran Phil Spencer die Show-Bühne überlassen. Spencer, der bereits seit über 25 Jahren bei Microsoft beschäftigt ist, reichte der am Boden liegenden Xbox die Hand und führt sie nun langsam, aber sicher wieder auf die Siegesstraße.

Die Xbox hat uns auf beeindruckende Art und Weise gezeigt, wie schnelllebig doch die heutige Videospielindustrie ist. Konnte Microsoft mit der Xbox 360 noch einen beachtlichen Erfolg erzielen und mit Xbox Live neue Maßstäbe im Online-Bereich setzen, produzierte die Nachfolgekonsole zunächst Negativschlagzeilen. Das hatte diverse Gründe. Denken wir zurück, erinnern wir uns zunächst an das unglaublich große und unglückliche Kinect-Dilemma. Spieler mussten beim Kauf einer Xbox One den modernen Sensor der Konsole zunächst tolerieren, da dieser ein integraler Bestandteil der neuen Systemstruktur war und stellenweise noch heute ist.

Zum Sterben verdammt

Der Sensor trieb den Verkaufspreis der Konsole in die Höhe. Damit war die Xbox One zum Verkaufsstart rund 100 Euro teurer als die PlayStation 4 – der direkte Konkurrent aus dem Hause Sony. Darüber hinaus bereitete die überarbeitete Version von Kinect den Endkonsumenten Kopfzerbrechen. Microsoft warb damit, dass der Sensor so akkurat sei, dass man sogar die Herzfrequenz der Spieler erfassen könne. Selbst ein dunkler Raum sollte dank verbesserter Linse und Technik kein Problem für Kinect darstellen. Der Technologiesprung warf jedoch auch enorm wichtige Fragen auf.

Was passiert mit unseren Daten? Was macht Microsoft mit dem Wissen, dass mein Herz bei Horrorspielen schneller schlägt als das anderer Menschen? Kann Kinect mein Spielverhalten aufzeichnen? Werden diese Daten weiterverwendet? Wenn ja, wofür? Aufgrund der miserablen Kommunikation seitens des Konsolenherstellers hatte sich die Xbox One schnell den Ruf als Big-Brother-Konsole eingefangen. In Zeiten von Edward-Snowden-Enthüllungen und Massenüberwachung ein vernichtendes Attest. Darüber hinaus kamen aggressive Pläne im Online-Bereich hinzu, die Spieler zusätzlicher verärgerten.

Demnach seien die Konsole und ihre Spiele sowie Funktionen nur nutzbar, wenn sie mit dem Internet verbunden sei. Was Spieler machen sollten, die keinen direkten und uneingeschränkten Internet-Zugang haben? „Glücklicherweise haben wir ein Produkt für die Personengruppe, die keine Möglichkeit hat, sich zu vernetzen: Sie nennt sich Xbox 360“, so der damalige CEO Don Mattrick. Ein Satz, der die Tragödie perfekt machte und die Xbox One bei den Fans ins absolute Aus katapultierte.

Umbruch

Seitdem ist viel Zeit vergangenen. Don Mattrick hat Microsoft verlassen und derweil einen anderen Großkonzern an die Wand gefahren. Währenddessen hat Phil Spencer das Ruder der Xbox-Sparte übernommen und binnen kürzester Zeit einen beeindruckenden Kurswechsel initiiert, der die Xbox One wieder an Stärke gewinnen lässt. Phil Spencer begann im Jahr 1988 im Alter von 20 Jahren als Programmierpraktikant bei Microsoft. Er kennt das Unternehmen, vor allem jedoch den Videospielhintergrund des Konzerns.

Laut Wikipedia arbeitete der heutige CEO „als General Manager der Microsoft Game Studios EMEA, zu denen unter anderem die europäischen Entwicklerstudios Lionhead Studios und Rare zählten. Anschließend wurde er General Manager aller Microsoft Studios, im Jahr darauf schließlich Corporate Vice-President. Für Microsoft nahm er ab 2010 an der Branchenmesse E3 teil.“ Spencer weiß, wie die Industrie funktioniert. Viel wichtiger aber: Er hat das Gespür für die Community und ist ihr ein Sprachrohr.