Special - Schurkische Frauen in Videospielen : Von der Domina zur Geschäftsfrau

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Akt 3: Das Böse im Hosenanzug

Zumindest in Videospielen war ab den späten 90ern eine Frauenquote in Führungspositionen nie ein Thema. Heute legen fiese Frauen immer häufiger den Fetischdress ab und kleiden sich in Business-Outfits und Uniformen, hegen dieselben üblen Absichten wie ihre männlichen Pendants. “Männer sind Schweine und eine Sau ist schließlich auch nur ein weibliches Schwein”, lautet die Devise.

Ausgerechnet die Tomb-Raider-Reihe, die durch Lara Crofts auffällige Rundungen beziehungsweise Ecken eher ein fragliches Frauenbild vermittelte, besetzte ihre Gegenspieler mit starken Frauenrollen. Jaqueline Natla aus dem ersten Tomb Raider war als erfolgreiche Geschäftsführerin eines internationalen Konzerns fast so etwas wie ein Befreiungsschlag des emanzipierten Bösen.

Core Design bemühte sich mit der Tomb-Raider-Reihe darum, seine weiblichen Antagonisten vom Klischee der rachsüchtigen Schlampe zu distanzieren. Sophia Leigh, einer der Bosse aus Tomb Raider III, trat ebenfalls als tüchtige Geschäftsfrau in Erscheinung, die allerdings ihre Mitarbeiter als Versuchskaninchen missbrauchte. Ihre alles andere als reine Weste konnte sie aber ganz gut durch ihren Hosenanzug kaschieren. In eine ähnliche Kategorie fällt auch Sophia Lamb aus BioShock 2, die wie ihre Vorgängerinnen aus Tomb Raider als Sinnbild für skrupellose und mächtige Konzerne der realen Welt zu verstehen ist.

Irene Engel aus Wolfenstein: The New Order und aktuell auch Wolfenstein II: The New Colossus verkörpert ein ganz anderes Extrem. Dass Nazis scheiße sind, darüber herrscht weitgehend Einigkeit. Dass Frau Engel aber ein genialer Charakter ist, ein zugegeben großes Zahnrad in einem zutiefst böswilligen Uhrwerk, lässt sich kaum abstreiten. Gerade dass sie ihre Ideologie aus voller Überzeugung lebt und predigt, macht sie so glaubwürdig und furchteinflößend. Auch wenn ihr Gedankengut brauner Müll ist, ist sie ein Meilenstein für die Emanzipation weiblicher Bösewichte in Videospielen. Weg von der lasziven, rachsüchtigen Hexe hin zur eiskalten Frau mit verqueren Ansichten.

Zugabe: Die finstere Durchschnittsfrau

Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang auch Naughty Dog. Mit der Uncharted-Reihe hat das Studio ein Händchen für menschlich wirkende Charaktere bewiesen. Das trifft natürlich auch auf die weiblichen Antagonisten zu, allen voran Katherine Marlowe und Nadine Ross. Sie beweisen: Diese Frauen sind auch nur Menschen, wenn auch keine besonders netten.

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