Test - Watch_Dogs 2 : Hippes Hacken

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„Geben Sie einem Mann eine Knarre und er kann eine Bank ausrauben. Geben Sie ihm eine Bank und er kann die ganze Welt ausrauben.“ Dieses Zitat aus "Mr. Robot" beschreibt gut den „Hacktivism“, dem sich die Helden in Watch_Dogs 2 widmen. Die kleinen Hacker gegen die großen Konzerne, deren Realvorbilder unmissverständlich Facebook, Google und Co. sind. Ruhelos sammelnde Datenkraken, die den gläsernen Menschen angeblich an den Höchstbietenden verkaufen. „Mr. Robot“ stand offensichtlich auch Pate für viele weitere Elemente in Watch_Dogs 2. Gut so, denn vor allem in Sachen Charakteren mussten sich die Entwickler ein besseres Vorbild suchen als den eigenen Vorgänger.

Aiden Pearce kam in Watch_Dogs nicht gut an. Das ist kein Geheimnis. Der neue Protagonist in Watch_Dogs 2 heißt Marcus Holloway und ist deutlich sympathischer. Allerdings auch jugendlich ungestüm und genauso wie seine Kumpels der Hackergruppe DedSec betont cool. Das geht zu Beginn ordentlich auf die Nerven. Aber wie beim Summen eines neuen Kühlschranks gewöhnt man sich mit der Zeit daran und nimmt es irgendwann gar nicht mehr wahr.

Was dann bleibt ist eine Geschichte, die jede Menge interessante Themen anschneidet, aber nie so richtig in Fahrt kommt. Das liegt vor allem daran, dass die emotionale Ebene in Watch_Dogs 2 fehlt. Hauptantrieb für Marcus und seine Hipster-Gang ist der Idealismus und vielleicht mal ein wenig gekränkter Stolz. Persönlicher wird es leider bis zum Abspann nicht. Schade, denn der Bösewicht überzeugt und bekommt von uns einen Pluspunkt in der Kategorie „besonders hassenswert arrogant“. Das liegt auch an der guten Synchronisation – sowohl in der deutschen als auch in der englischen Tonspur.

  • Watch_Dogs 2 - Screenshots - Bild 1
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Das Hipster-Einmaleins

Was muss ein Hipster können, der was auf sich hält? Sich gut einkleiden, was in Watch_Dogs 2 dank diverser Shops geht, und natürlich die übercoole Fortbewegung per Parkour! Marcus turnt deutlich geschmeidiger über Hindernisse als sein Vorgänger Aiden Pearce. Die meiste Zeit werdet ihr in Watch_Dogs 2 aber entweder per Schnellreisefunktion, Motorrad, Boot oder Auto inklusive vier verschiedener Kameraansichten unterwegs sein.

Auf Wunsch schaltet ihr ein Radio ein, um für die richtige Roadtrip-Atmosphäre zu sorgen. Von Hip-Hop über Electro und Rock bis zu klassischer Musik dürfte jeder die passende Musikuntermalung finden. Ist der Sender erst mal eingestellt, könnt ihr euch auf das Fahren konzentrieren. Ähnlich wie im Vorgänger steuern sich alle Vehikel extrem arcadig. Ob euch das gefällt, hängt von euren persönlichen Vorlieben ab.

Mittels Skilltree könnt ihr sogar einen Turbo für alle Fahrzeuge freischalten. Wie fast alle wichtigen Spielelemente – inklusive der Karte und allen verfügbaren Missionen – wurde die Auflistung aller Fähigkeiten sehr übersichtlich als Handy-App in Watch_Dogs 2 eingebaut. Neue Fähigkeiten schaltet ihr frei, indem ihr im Laufe des Spiels Follower hinzugewinnt. Im Grunde handelt es sich dabei um nichts anderes als Erfahrungspunkte. Mit der Zeit könnt ihr auf diese Weise immer mehr Objekte und Personen hacken, verschiedene Bombenarten bauen und noch so einige andere durchweg sinnvolle und spannende Aktionsmöglichkeiten freischalten.

Hacken in San Francisco - Video-Review zu Watch_Dogs 2
Watch_Dogs 2 will aus den Fehlern des Vorgängers lernen und Vieles besser machen. Ob Ubisoft das Unterfangen gelungen ist, sagen wir euch in unserem Videotest.

Gefährliches Spielzeug

Wie in Watch_Dogs nutzt ihr zur Observation hauptsächlich Überwachungskameras. Manche Hacks könnt ihr direkt aus der Kamerasicht heraus aktivieren, für andere müsst ihr selbst Hand anlegen. Manche lassen sich mit dem neuen Jumper (eine Art ferngesteuertes, kleines Zweirad) erledigen, andere sogar per Minidrohne. Um dem vor allem im späteren Verlauf hart anziehenden Schwierigkeitsgrad in Watch_Dogs 2 Herr zu werden, lohnt es sich zudem, so mancher bösen Wache per Hack eine Gang auf den Hals zu hetzen oder sie einfach bei der Polizei anzuschwärzen, damit sie verhaftet wird.

Im Gegensatz zum Vorgänger könnt ihr neben den sogenannten Schnell-Hacks, die mit einem einzigen Tastendruck aktiviert werden, auch fortgeschrittenere Hacks vornehmen. Beispielsweise um Fallen zu stellen oder um Personen an bestimmte Orte zu locken. Die vielen verschiedenen Möglichkeiten sind der größte Motivationsfaktor in Watch_Dogs 2, denn das Missionsdesign an sich hält sich größtenteils an den Standard „Infiltrieren & Hacken“.

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