Test - Warrior Kings : Warrior Kings

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Warrior Kings
Die Ernte muss eingebracht werden.
Wo bin ich?
In 'Warrior Kings' könnt ihr die isometrische Ansicht nach Lust und Laune zoomen, drehen, neigen und was sonst noch euer Herz begehrt. Leider tendiert das Programm dazu, den eingestellten Zoomlevel eigenmächtig zu ändern und immer wieder werdet ihr euch dabei ertappen, wie ihr hektisch hinauszoomt, um wenigstens einen Rest an Übersicht und Orientierung zu erhalten. Ich habe mich nach längerem Spiel damit begnügt, nur noch in der Minikarte zu klicken, um meinen Standort zu verändern. Insgesamt ist auch in Microids Titel das Experiment 'Freie Kamera' gescheitert. Das Drehen, Zoomen und Neigen bringt einfach keinen Vorteil im Spiel, sondern stiftet eher Verwirrung, zudem man Einheiten, welche sich hinter den relativ großen Gebäuden und Bäumen verstecken, immer wieder aus den Augen verliert. Hier zeigt ein 'Empire Earth' und vor allem das sehr gut gelungene 'Battle Realms', wie man es besser macht.

Von Grafik und Sound
Überhaupt ist die Grafik in 'Warrior Kings' der größte Spielspasskiller, denn die Einheiten sehen nur gut aus, wenn ihr nah rangeht. Dann allerdings pixelt die Umgebungsgrafik unnötig auf und ihr habt ein Schachbrett vor Augen anstatt die Illusion saftiger Wiesen und Hügel. Zoomt ihr dagegen weit heraus, ist die Landschaft ein Traum, aber die Einheiten sind kaum zu erkennen und verschwimmen in einem Pixelbrei. Zudem zeigt die Benutzeroberfläche beim Selektieren mehrerer Einheiten keine Übersicht an, sondern nur eine der Einheitentypen wird angezeigt. So verkommen die an sich grandiosen Massenschlachten zu einem unübersichtlichen Hauen und Stechen, bei dem ein wahrer Stratege kaum Freude haben dürfte.

Die Animation der Einheiten selbst, sofern man sie sich von der Nähe betrachtet, sind guter Durchschnitt. Wer allerdings schon 'Warcraft 3' in Aktion sehen durfte, schmunzelt eher, wenn sich die Speerkämpfer über ein feindliches Gebäude hermachen und dabei lustig in der Luft herumstochern. Die Gebäude selbst dagegen sind wirklich hübsch und auch die Bauanimationen wissen zu gefallen. Transparenter Rauch sorgt bei der Belagerung von großen Städten für Stimmung und tatsächlich kommt dabei etwas Freude auf.

Warrior Kings
Drei Geschwindigkeiten stehen zur Auswahl.

Ein Lob verdienen die Entwickler für den Sound und vor allem für die Synchronisation des Spiels. Astreine Sprachausgabe paart sich mit witzigen Bestätigungsmeldungen der Soldaten und Bauern und einer wirklich gelungenen Hintergrundmusik, welche sich dynamisch dem Kampagnenverlauf anpasst.

Auf opulente Cinematics, gerenderte Zwischensequenzen oder ein Intro haben die Entwickler gleich ganz verzichtet.

Gescriptet bis zum Tod
Apropos Kampagnenverlauf. Hier haben sich Black Cactus wirklich zu Tode gescriptet. Während des Spiels merkt man immer wieder, wo die bestimmten Trigger sind, die wiederum eine bestimmte Handlung des Gegners auslösen. Eigeninitiative scheint dieser überhaupt nicht zu kennen, was darin gipfelt, dass sich Verbände widerstandslos dezimieren lassen, sofern man diese von einer anderen Richtung oder auf eine andere Art angreift, als es sich die Entwickler gedacht haben. Schade, denn ein wohldosiertes Scripting kann zu spannenden und ereignisreichen Kampagnen führen, wie es Blue Byte im Trojaner-Add-on zu 'Sieder 4' vorgemacht hat. Überhaupt scheint es mit der künstlichen Intelligenz der Gegner nicht weit her zu sein, was allerdings bei allen Strategie-Spielen ein Manko darstellt.

Warrior Kings
Die Figuren sind nicht gerade Schönheiten.

Zudem könnt ihr im LAN oder Internet über den bekannten Vermittlerservice von GameSpy vergnügliche Partien mit bis zu acht Spielern austragen. Leider ist aus der angekündigten Replay-Funktion nichts mehr geworden. Damals hatten die Entwickler noch versprochen, man werde eine Partie aufnehmen und mit einem speziellen Player auch ohne das Spiel betrachten können. Schade, denn das wäre mal etwas wirklich Innovatives gewesen.

Trotz Mankos noch ein gutes Spiel?
Der recht gut gelungenen Hintergrundgeschichte, den abwechslungsreichen Kampagnen und Missionen und den vielen Möglichkeiten strategisch ins Spielgeschehen einzugreifen - zum Beispiel hat die Positionierung der einzelnen Einheitentypen in eurer Armee, sowie deren Zusammensetzung, durchaus Einfluss auf den Schlachtenverlauf - ist es zu verdanken, dass 'Warrior Kings' zwar nicht als Perle der 3D-Echtzeit-Strategiespiele in die Geschichte eingehen wird, aber für alle, die sich an 'Empire Earth' totgespielt haben und die sich gerne in die Welt rund um Artos, finstere Dämonen und feister Ritter begeben, einen Blick wert ist. Mein Tipp: Unbedingt die Demo spielen, bevor ihr zum Händler eures Vertrauens rennt.

 

Fazit

von Vitus Hoffmann
Damals vor zwei Jahren auf der ECTS ist mir noch die Kinnlade runtergefallen als mir 'Warrior Kings' präsentiert wurde. Die Idee, ein Strategiespiel in Echtzeit und komplett in 3D darzustellen, war noch recht neu und beinahe sensationell. Die Features hörten sich super an und für damalige Verhältnisse sah die Grafik auch sehr gut aus. Doch heute, angesichts eines grafisch opulenten 'Battle Realms', eines bereits in der Betaphase spielerisch sensationellen 'Warcraft 3' und eines superben 'Empire Earth' hat Black Cactus mit 'Warrior Kings' leider das Nachsehen. Was bleibt, ist ein insgesamt gerade noch gutes Spiel, welches zwar seine Fans finden wird, aber den heutigen Ansprüchen nicht mehr ganz gerecht werden kann. Irgendwie wirkt das Erstlingswerk des schwarzen Kaktus leicht unausgegoren und einige immer noch vorhandene Bugs und Anzeigefehler verdarben mir den Spielspass zusätzlich.  

Wertung

  • PC
    72
    %

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