Test - Virtua Tennis 3 : Tennis-Klasse auf Federer-Niveau?

  • PS3
  • X360
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Neu dabei ist die Tennisakademie. Dort könnt ihr eure Fähigkeiten ganz gezielt verbessern. Das Prinzip ist denkbar einfach: Ihr erhaltet im Vorfeld eine Aufgabe wie „Spiele drei Lobs hintereinander“. Bewältigt ihr diese, erhaltet ihr Erfahrungspunkte. Zudem werden weitere Übungen und neue Schwierigkeitsgrade freigeschaltet. Allerdings kommt der Wirkungsgrad der mitunter zeitintensiven Übungen nicht an die Minispiele heran. Was ebenfalls nicht gefällt, sind die langen Ladezeiten. Ungeschickt gelöst: Nach einer Trainingssession oder Akademie-Übung landet man sofort wieder auf dem Globus. Folglich muss man die entsprechende Übung erneut auswählen – und laden. Das ist nervig, verbringt der Tennis-Crack doch letztlich mehr Zeit mit Warten als mit Spielen. Eine einfache Abfrage, ob diese Übung wiederholt werden soll, hätte ausgereicht. Schade!

Von 300 auf 1 in wenigen Stunden ...

Ist euer Athlet konkurrenzfähig, dürft ihr euch auch schon in erste Turniere stürzen. Angefangen wird auf Platz 300, doch mit jedem gewonnenen Spiel steigt ihr mehrere Plätze auf und gehört schon nach wenigen Events zu den Top 100. Ab diesem Level zieht der Schwierigkeitsgrad deutlich an – an beinhartem Training kommt jetzt keiner mehr vorbei. Eine echte Rangliste im Stile eines 'Top Spin 2' sucht man übrigens noch immer vergebens und spielt so auch von Anfang an mit und gegen die 20 lizenzierten Profi-Spieler – hier verschenkt Sega einiges an Potenzial. Ebenfalls ein Ärgernis: Nur wer alle Turniere spielt, steigt auch stetig auf. Lasst ihr Events aus, müsst ihr mitunter erst einige Matches nachholen, um weiter aufsteigen zu können. Das hat Konkurrent 'Top Spin 2' definitiv eleganter gelöst. Mit welcher Berechtigung dieses „Feature“ Mal um Mal implementiert wird, bleibt uns ein Rätsel. Auch die K.I. hat Altlast-Anzeichen: Mal reagiert sie auf Weltklasse-Niveau, dann lässt sie wieder einfache Bälle passieren. Ärgerlich!

Während der anfangs noch sehr leichten Partien knüpft ihr dafür Kontakte zu den Profis, die euch später zu Übungsspielen einladen. Diese können ganz klassisch auf dem Court ausgetragen werden, aber auch in Form der Minispiele auftreten. Das Schöne daran: Während eines solchen Matches gewinnt ihr weitere Erfahrungspunkte, die euch den Levelgrenzen wieder ein Stückchen näher bringen. Schlecht dagegen: Immer wieder treten euch die virtuellen Cracks in kurzen Zwischensequenzen gegenüber und „reden“ mit euch. Auf aufgenommene Stimmen verzichten die Entwickler komplett. Noch wesentlich schlimmer ist die meist in Gestik und Mimik emotionslose Vortragsweise – letztlich sieht man manchmal keinen Unterschied zwischen „Dem haben wir es gezeigt“ und „Oh, deine beiden Knöchel sind gebrochen“. Das ist besonders ärgerlich. Erstens, weil Sega tatsächlich auch Jubelposen eingebaut hat, diese aber zu selten darstellen lässt. Und zweitens, da euch diese Videos recht häufig begegnen – der Abnutzungseffekt ist dementsprechend sehr hoch. Nach zehn Stunden Spielzeit nerven die Szenen einfach gewaltig!

Xbox 360 gegen PlayStation 3: Wer bietet was, wer bietet mehr?

Grafisch lässt sich im Full-HD-Modus kaum eine Differenz zwischen der X360- und der PS3-Version feststellen. Generell wirkt die 360-Variante einen Tick unschärfer, was sich aber nur auf wirklich hochwertigen 1080p-Bildschirmen nachvollziehen lässt. Konkrete Unterschiede finden sich daher nur in der Steuerung und im Mehrspieler-Bereich. Die Sony-Variante besitzt die Sixaxis-Unterstützung. So könnt ihr durch gezieltes Schütteln und Neigen des Controllers den Spieler steuern. Wirklich nützlich ist diese Option allerdings nicht und kann – Gott sei Dank – auch abgestellt werden. Der Mehrspielerspaß beschränkt sich zudem auf das Spielen ausgewählter Mini-Games im Versus-Modus und in den Schaukampf-Matches. Das Microsoft-Pendant besitzt natürlich keine Bewegungssensorik, setzt dafür allerdings auf die Rumble-Funktion. Den größten Pluspunkt zieht die Xbox 360 aber aus dem eingebauten Online-Mehrspielerpart. So dürft ihr via Xbox Live mit bis zu drei weiteren Spielern auf den Court gehen und das Racket schwingen, an Ranglisten-Spielen teilnehmen oder im VT.TV-Modus anderen Spielern zusehen. Vorbildlich – das hätten wir uns aber auch von der PlayStation-3-Version gewünscht!

Fazit

Sören Lohse - Portraitvon Sören Lohse
Fast alles richtig gemacht, Sega! 'Virtua Tennis 3' gefällt Veteranen wie Neueinsteigern schon nach wenigen Minuten. Die neuen Features und Minispiele fügen sich gut ins Gesamtbild – und in puncto Präsentation und Gameplay ist der Titel ohnehin eine echte Sahneschnitte. Abzüge gibt es trotzdem: Die Profi-Ansprachen wirken unfertig, es gibt keine echte Rangliste und die eine oder andere Ladezeit hätte man durch geschickte Programmierung umgehen können. Zugegeben: Das ist Kritik auf höchstem Niveau. Deswegen dürfen alle, die dem weißen Sport etwas abgewinnen können, beherzt zugreifen. Sowohl auf der PS3 als auch der X360 kann ’Virtua Tennis 3’ überzeugen – dank des Online-Mehrspielermodus hat die Version für die Microsoft-Kiste aber die Nase vorn.

Überblick

Pro

  • hervorragende Präsentation
  • klassisches 'VT'-Gameplay
  • neue Minispiele, Tennisakademie
  • motivierender Schwierigkeitsgrad
  • umfangreicher Karrieremodus ...

Contra

  • ... ohne echte Rangliste
  • nervige Ladezeiten
  • unvertonte, emotionslose Profi-Ansprachen
  • kein Online-Mehrspielermodus auf PS3
  • unausgegorene Sixaxis-Unterstützung (PS3)

Wertung

  • X360
    89
    %
  • PS3
    86
    %

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