Test - Vietcong : Vietcong

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Kriege gehören immer wieder zu beliebten Kulissen für den Bereich der First-Person-Shooter. Doch an einen ganz bestimmten Krieg haben sich bisher nur wenige Entwickler herangetraut, nämlich den Vietnam-Krieg. Das ändert sich nun mit 'Vietcong', wobei es ausgerechnet ein tschechisches Studio ist, das sich mit dem amerikanischen Trauma Vietnam auseinandergesetzt hat - namentlich Pterodon, unterstützt von den 'Mafia'-Entwicklern Illusion Softworks. Herausgekommen ist ein erstklassiger Shooter, der nicht nur satte Action bietet, sondern auch reichlich Atmosphäre und zudem überraschenderweise einiges an Informationen über den Krieg selbst im Gepäck hat.

Vietcong
My home is my bunker.

Im Spiel dreht sich alles um ein kleines Platoon aus sechs amerikanischen Soldaten, das im US-Camp Nui Pek stationiert ist. Ihr selbst übernehmt dabei die Rolle von Sergeant Steve R. Hawkins und führt ihn durch zahlreiche Missionen, die dicht an dem liegen, was die GIs seinerzeit wirklich erlebt haben. Ergänzt wird der Trupp durch Funker Defort, Sanitäter Crocker, Techniker Bronson, MG-Schütze Hornster und den einheimischen Scout Le Duy Nhut. Ihr seid jedoch nicht immer mit dem ganzen Trupp unterwegs, einige Male sind nur ein paar der Team-Kollegen dabei. Gelegentlich müsst ihr euch auch allein durch die Missionen kämpfen. Andere Male wiederum stehen euch weitere Soldaten unterstützend zur Seite.

Vorbereitung für den Dschungel-Einsatz
Die Einzelspieler-Kampagne, bestehend aus rund 20 Missionen, verfügt nicht direkt über eine echte Story, sondern wird eher durch das Team und das Camp zusammengehalten. Die Missionsbriefings laufen meist nach dem gleichen Muster ab. Im Camp erhaltet ihr in Form einer Zwischensequenz euren nächsten Auftrag und die entsprechenden Hintergrundinfos. Danach habt ihr in eurer Bunkerbehausung die Möglichkeit, euch mit verschiedenen Unterlagen zu beschäftigen. Dort gibt es Informationen über eure Teammitglieder und die Waffen, mit denen ihr es im Laufe des Spieles zu tun bekommt. Auch Details zum Vietnam-Krieg und dessen beteiligten Parteien werden euch geboten, sowie ein automatisch erstelltes Tagebuch von Hawkins - sehr lesenswert für Spieler, die etwas mehr wollen als nur Action.

Vietcong
Nasse Füße im vietnamesischen Dschungel.

Des Weiteren könnt ihr vorm Einsatz noch einen Blick ins Waffenlager werfen. Über 25 authentische Waffen stehen euch dort nach und nach zur Verfügung, wobei ihr zunächst mit recht simplen und teils altmodischen Waffen zu Werke geht. Erst später im Spiel kommen modernere Waffen wie M16 oder M60 zum Einsatz. Dank umfangreicher Recherchen ist ein sehr authentisches Arsenal zusammengekommen, bei dem auch Exoten, die nur selten im Vietnam-Krieg eingesetzt wurden, enthalten sind. Übrigens findet ihr dort nicht nur die Waffen der Amerikaner, sondern auch die vorwiegend russischen Modelle, die von Vietcong und NVA eingesetzt wurden. Auf dem Schießstand habt ihr zudem die Möglichkeit, alle Waffen auszuprobieren und festzustellen, dass das Waffenverhalten sehr unterschiedlich ist. Zum Abschluss wählt ihr dort eine Primärwaffe sowie eine Pistole und könnt euch damit in den Einsatz stürzen.

Über Stock und Stein
Die teils recht langen Missionen sind sehr abwechslungsreich und vom Aufbau her eigentlich jeweils kleine Stories in sich. Ein gutes Beispiel gibt eine der Missionen ab, in der ihr an einem eigenen Angriff auf die Vietcong teilnehmt. Im Hubschrauber werdet ihr zum Einsatzgebiet geflogen, dummerweise wird der Huey ein paar Kilometer vor dem Ziel abgeschossen und ihr landet mitten im Dschungel. Von dort aus kämpft ihr euch bis zu den anderen Trupps vor, die bereits in harte Gefechte verwickelt sind. Gemeinsam stürmt ihr einen vom Vietcong besetzten Hügel. Der jedoch ist von Tunnels durchzogen, die ihr als Hawkins zunächst allein erkunden müsst, um weiter oben am Hügel hinter den Gräben wieder ans Tageslicht zu kommen. Dort gilt es, zunächst zwei feindliche Flaks zu sprengen und dann in eine alte Tempelruine, ebenfalls besetzt vom Vietcong, einzudringen. Als ihr dort einen Fluchttunnel erkundet, stürzt dieser hinter euch ein, so dass ihr durch den Tunnel einen neuen Ausgang finden müsst. Auf euch allein gestellt, gilt es nun, quer durch den Dschungel eine Evakuierungszone zu erreichen, wobei euch immer wieder verstreute Vietcongs das Leben schwer machen.

Vietcong
Hawkins soll alleine die Brücke sprengen.

Die Missionen haben auch noch andere Szenarien zu bieten. So geht ihr auf Patrouille, müsst Vorratslager ausfindig machen und zerstören, Gefangene befreien, befreundete Dörfer schützen, Stellungen und Camps verteidigen, Brücken sprengen und Tunnelsysteme erkunden. Zu guter Letzt findet ihr euch auch in den Schützengräben vom Camp Nui Pek wieder. Ab und an seid ihr nicht nur zu Fuß unterwegs, sondern werdet als Bordschütze auf einem Flussboot oder Hubschrauber eingesetzt oder müsst einen Jeep über enge Bergstraßen steuern. Das Missionsdesign selbst ist überwiegend sehr gut gelungen, als einzige Ausnahme mag eine Tunnelerkundung gelten, die kein Ende nehmen will und den Spieler dann doch nach einiger Zeit mehr frustriert als begeistert. Zwar mag diese nervenzerfetzende Mission authentisch sein und das Feeling der damaligen Soldaten gut wiedergeben, im Hinblick auf das Gameplay haben es die Entwickler an dieser einen Stelle allerdings übertrieben.

 

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