Test - Transport Fever : Der legitime Erbe von Transport Tycoon

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Mit Transport Fever will der Indie-Entwickler Urban Games das Erbe des legendären Transport Tycoon aus dem Jahr 1994 antreten. Das ist natürlich ein großes Unterfangen mit ziemlich vielen Stolpersteinen. Wir verraten euch, ob es der Neuling tatsächlich mit dem strahlenden Vorbild aufnehmen kann.

Hach, wenn wir an das Jahr 1994 zurückdenken, geraten einige aus unserer Redaktion ins Schwärmen. Das mag sicherlich viele Gründe haben, einer davon ist jedoch die Wirtschaftssimulation Transport Tycoon. Unzählige Stunden haben wir damals damit verbracht, Schienen zu legen, Transportketten auszuknobeln und ganz nebenbei eine Million nach der anderen zu scheffeln – zumindest am PC. In den darauf folgenden Jahren konnte kaum ein anderes Spiel dieses Maß an Faszination erreichen. Doch genau das soll jetzt Transport Fever aus dem Hause Urban Games ändern.

Von der Kutsche bis zum Highspeed-Zug

Moment mal, Transport Fever? Gab es da nicht vor zwei Jahren ein ähnliches Spiel namens Train Fever? Exakt: Es handelt sich bei dem neuen Spiel von Urban Games um den direkten Nachfolger, der vieles besser machen soll. Bereits in den ersten Minuten wird jedoch zunächst mal klar, dass sich am grundlegenden Spielprinzip nichts geändert hat. Warum sollten die Entwickler auch? Immerhin hat das bereits beim Vorgänger ziemlich gut funktioniert und ist zeitlos faszinierend.

Eure Hauptaufgabe ist es bei jeder Partie, ein möglichst effektives Transport- und Verkehrsnetz zwischen Städten sowie Produktionsanlagen zu errichten. Zu diesem Zweck baut ihr Gleise für Züge und legt Straßen für Transportlaster an. Auf diese Weise könnt ihr die einzelnen Glieder einer Produktionskette miteinander verbinden und helft somit gleichzeitig beim Wachstum der anfangs recht überschaubaren Siedlungen zu florierenden Metropolen. Neu hinzugekommen sind Flughäfen (ausschließlich für Passagiere) sowie der Transport über den Wasserweg mithilfe von Schiffen. Das sorgt nicht nur für mehr Abwechslung, sondern erhöht auch sowohl die Komplexität als auch den Tiefgang des Spiels.

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Das trifft übrigens auch auf die bereits erwähnten Produktionsketten zu: Insgesamt könnt ihr 18 verschiedene Güter quer über die Landkarte schicken, wobei es einige Besonderheiten gibt. So wird beispielsweise für die Produktion von Kunststoff entweder Öl oder Getreide benötigt. Liefert ihr an der entsprechenden Fabrik jedoch beide Rohstoffe an, erhöht sich automatisch der Ertrag. Entscheidungen dieser Art solltet ihr demnach bei der Planung eurer Transportstrecken stets einbeziehen. Toll ist auch, dass ihr quasi eine Reise durch die Zeit erlebt: Von Pferdekutschen bis hin zu modernen Hightech-Zügen seht ihr den ständigen Fortschritt der Technologie im Spiel – mit all seinen Vor- und Nachteilen.

Transport Story

Die insgesamt wohl interessanteste Neuerung dürften jedoch die beiden Kampagnen von Transport Fever sein. Während wir uns im Vorgänger noch mit einem – durchaus guten – Sandbox-Modus zufriedengeben mussten, spendieren uns die Entwickler jetzt gleich zwei Story-Kampagnen, die uns jeweils zwischen acht und zehn Stunden beschäftigen werden. Dass dabei trotz des eigentlich immer gleich bleibenden Spielablaufs nicht allzu viel Langeweile aufkommt, liegt am gelungenen Missionsdesign.

In der Europakampagne ist beispielsweise eine eurer Aufgaben, bei der Grabung des Gotthardtunnels in der Schweiz zu helfen. In der zweiten Kampagne verschlägt es euch nach Nordamerika, wo ihr euch unter anderem um den Bau der Eisenbahn und die dadurch aufkommenden Probleme mit den Indianern kümmern müsst.

Doch auch abseits der Hauptmissionen gibt es einiges zu tun. Da melden sich plötzlich Naturschützer zu Wort, die euch darum bitten, bei euren Bauvorhaben eine gefährdete Froschart zu verschonen. Oder aber ihr müsst euch beim Buddeln das Panamakanals darum kümmern, einen riesigen Sumpf trockenzulegen, um eine Mückenplage zu verhindern. Das ist zwar optional, kurbelt aber die Produktivität der Arbeiter an und senkt die Kosten des Projekts.

Transport Fever - Launch Trailer
Die Transport-Simulation Transport Fever startet ab sofort auf dem PC durch.

Das Spiel stellt euch ständig vor solche kleinen oder auch mal größeren Entscheidungen, die sich mal mehr und mal weniger auf das weitere Geschehen auswirken. Insgesamt sorgen sie vor allem für einen kräftigen Motivationsschub und kaschieren die auf Dauer eigentlich etwas eintönige Abfolge von Bauvorhaben.

Stolpersteine auf der Baustelle

Auch die Grafik hat sich gegenüber dem Vorgänger sichtbar verbessert. Vor allem die Fahrzeuge – egal ob zu Lande, zu Wasser oder in der Luft – sehen ziemlich schick aus. Besonders hervorzuheben ist die verbesserte Performance, sodass es nur noch recht selten zu merklichen Rucklern kommt. Dennoch herrscht in Transport Fever nicht überall eitel Sonnenschein. Während sich die Entwickler von Urban Games bezüglicher neuer Inhalte und Reize ordentlich ins Zeug gelegt haben, hat man bei der Bedienung die Zügel leider ziemlich schleifen lassen.

Viele unnötige Fehler und Mängel aus dem Vorgänger tauchen nahezu unverändert auch bei Transport Fever auf. Das fängt schon mit der recht unübersichtlichen Menüführung an, die einiges an Einarbeitungszeit verlangt, bevor ihr wirklich durchblickt. Auch der Komfort bei den Bauaktivitäten lässt mitunter zu wünschen übrig: Während das Verlegen von Gleisen und Straßen noch recht gut von der Hand geht, hagelt es beim Abreißen von Gebäuden oftmals Fehlermeldungen. Hinzu kommen nervige Dinge wie die Verschiebung von Menüfenstern in den nicht sichtbaren Bereich des Bildschirm. Das hätten die Entwickler besser lösen müssen.

Greift zu, wenn...

… ihr nach einem (guten) Spiel im Stil von Transport Tycoon sucht.

Spart es euch, wenn...

… ihr hohe Ansprüche an Bedienung und Menüführung stellt.

Fazit

André Linken - Portraitvon André Linken
Fast so gut wie das Original

Ich gehöre zu denjenigen in unserer Redaktion, die in den 90er-Jahren verdammt viel Zeit mit Transport Tycoon verbrachten. Entsprechend ging ich mit einer Mischung aus Vorfreunde und Skepsis an den Test von Transport Fever heran. Ganz zu meiner Freude wurde ich nicht enttäuscht: Das Ausknobeln von möglichst effektiven Transportwegen ist zeitlos faszinierend und wurde von Urban Games prima umgesetzt.

Zudem bekomme ich zwei interessante und gleichzeitig motivierende Kampagnen geboten, die mich weitere Stunden vor den Monitor fesseln. Doof nur, dass die Entwickler so stiefmütterlich mit der Bedienung sowie der Menüführung umgesprungen sind. Das hinterlässt leider einen heftigen Knacks beim Spielspaß. Dennoch: Wer auf Spiele wie Transport Tycoon steht, findet in Transport Fever einen würdigen Vertreter dieser Zunft.

Überblick

Pro

  • zwei umfangreiche Kampagnen
  • erweiterte Transportmöglichkeiten (Schiffe, Flugzeuge)
  • verbesserte Grafik und Performance
  • Nebenaufgaben
  • zeitlos faszinierendes Spielprinzip
  • mehr Tiefgang als der Vorgänger

Contra

  • Menüführung mitunter verwirrend
  • Macken bei der Bedienung
  • nervige Fehlermeldungen

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