Test - Tomb Raider : Töten statt Titten

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Reboots einer Serie sind immer eine riskante Sache. Nur selten gelingt das Vorhaben. Im Falle der Tomb-Raider-Serie war es nach drei guten Teilen aus dem Hause Crystal Dynamics fast schon eine Notwendigkeit, denn die Reihe begann erneut in der Belanglosigkeit zu versinken. Doch wie bringt man eine Reihe auf Trab, deren Elemente so fest in Stein gemeißelt sind wie im Falle Lara Croft? Ganz einfach: Man startet quasi bei null, nämlich bei der ersten Expedition der noch jungen Lara. Und das mit deutlich weniger Körbchengröße.

Und da ist sie nun, die junge Archäologin, voller Tatendrang an Bord der Endurance, zusammen mit der Crew und ihren Wissenschaftlerkollegen. Wie uns die eine oder andere Zwischensequenz verrät, befindet sich die Truppe auf der Suche nach dem legendären Reich Yamatai, gegründet von der japanischen Sonnenkönigin Himiko. Laras Vorschlag ist es, die ausgetretenen Pfade früherer Forscher zu verlassen und sich ins Drachendreieck zu wagen. Eine Region, gegen die das Bermuda-Dreieck wie Disneyland wirken soll.

Keine gute Idee, wie sich letztendlich zeigt, denn das Schiff gerät in einen schrecklichen Sturm und zerbricht. Lara wird an Land gespült und entdeckt gerade noch, dass einige ihrer Kameraden es ebenfalls an das rettende Ufer geschafft haben, bevor sie niedergeschlagen und verschleppt wird. Unsere Heldin muss schnell erfahren, dass die Insel alles andere als ein friedliches Plätzchen ist, dass es von äußerst rabiaten Zeitgenossen bewohnt wird und auch noch andere böse Überraschungen in petto hat. Um zu überleben und ihre Kameraden zu retten, muss die junge Frau über ihre Grenzen hinausgehen und ihre Croft-Gene entdecken.

Popcorn-Kino

Die Handlung, die euch je nach spielerischer Gründlichkeit etwa zehn bis fünfzehn Stunden beschäftigen wird, quillt nicht gerade über vor Überraschungen. Schon recht früh ist klar, wie der Hase läuft, und es entwickelt sich eine typische Action-Adventure-Geschichte, wie man sie mehr oder weniger schon Hunderte Male gehört hat. Das ist insofern nicht schlimm, weil die Geschichte in den Zwischensequenzen gut erzählt wird. Dort wird sogar der Werdegang der jungen Archäologin hin zur knallharten Abenteurerin ordentlich umgesetzt, mit einigen emotionalen Elementen und gut vertonten Dialogen, die auf der Xbox in Deutsch und Französisch vorhanden sind – leider nicht auf Englisch. Alle Sequenzen zusammengenommen ergäben einen feinen Kurzfilm über die Jugend der Lara Croft.

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Ebenso kinoreif wie malerisch ist die Szenerie, in der Lara ihr erstes Blut vergießt, und das gleich hektoliterweise. Die Insel bietet atemberaubende Umgebungen, monumentale Panoramen und einen hervorragenden Detailgrad. Hinzu kommt eine zuweilen temporeiche und gelungene Inszenierung. Technisch muss sich Crystal Dynamics hier gar nichts vorwerfen lassen, bis auf wenige Slowdowns in der zweiten Spielhälfte und hier und da etwas Kantenflimmern. Die Weitsicht, die Schönheit der Umgebungen und dazu die toll eingesetzten Lichteffekte machen Tomb Raider zu einem der schönsten Spiele der aktuellen Konsolengeneration.

Sie hat die Haare schön

Auf dem PC gibt Tomb Raider eine richtig gute Vorstellung - nicht nur aufgrund des höheren Detailgrads und der deutlich besseren Effekte, sondern auch wegen der Nutzung neuer Technologien. Die TressFX-Technik von AMD sorgt dafür, dass Lara endlich mal nicht mit Betonfrisur unterwegs ist, sondern die Haare schön animiert und seidig glänzend im Wind wehen. Zwar haut das nicht immer physikalisch korrekt hin und die Frisur clippt fleißig durch den Köcher, aber sehenswert ist das Feature auf jeden Fall. Wer entsprechende Power in seinem Rechner hat, sollte darauf nicht verzichten. Gerade auf NVIDIA-Karten nuckelt die friseurtechnische Meisterleistung allerdings kräftig an der Bildrate. Generell kann man sagen, dass Tomb Raider auf dem PC wirklich klasse aussieht und dessen Möglichkeiten ordentlich ausnutzt.

Hinsichtlich der Leistung gilt: studieren und probieren. Glücklicherweise gibt es einige Einstellmöglichkeiten, um die Performance an den eigenen Rechenknecht anzupassen. TressFX und Antialiasing sind dabei die größten Leistungsfresser. Auf unserem Rechner mit GTX 680 lief das Spiel aber mit maximalen Einstellungen problemlos bei 40 bis 60 Bildern pro Sekunde. Auf SSAA sollte man verzichten, auf dem Testrechner erzeugte es fehlerhafte Wassereffekte, FXAA ist die bessere Wahl. Mit der Treiberversion 314.07 kam es vereinzelt zu Abstürzen, die durch Installation des neuen Betatreibers 314.14, des vorherigen 310.90 oder die Deaktivierung der Tesselation behoben werden konnten. Also eher ein NVIDIA-Problem als eines des Spiels selbst.

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