23.12.2011 - Tim Hopmann
Immer wieder liest man, dass das Geschichtenerzählen in Videospielen noch in den Kinderschuhen stecke, kaum ein Spiel in der Lage sei, eine erwachsene und tiefgründige Handlung zu liefern. Eines der besten Gegenargumente bot da das 2007 erschienene BioShock. Nicht nur die erlebte Handlung, auch die Art, wie diese präsentiert wurde, und das erzählerische Fundament, auf der sie stand, waren nahezu revolutionär. Tonbandaufnahmen gaben nach und nach immer mehr Puzzlestücke des Untergangs der Tiefseestadt Rapture preis, die verblüffende Wendung hielt uns Spielern sprichwörtlich den Spiegel vor.
Nun ist mit „BioShock: Rapture“ ein Roman erschienen, der schildert, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Wie Visionär Andrew Ryan seinen Traum verwirklichte, seine Utopie formte und warum sie letztendlich scheitern musste. Das Buch steht dabei für sich, geht aber auch auf Ereignisse im Spiel ein und zitiert viele Tonbandaufnahmen nahezu Wort für Wort.
Autor ist niemand Geringeres als John Shirley, mit diversen Auszeichnungen dekorierter Autor von Science-Fiction-, Horror- und Fantasy-Romanen. Außerdem war er als Songschreiber für Blue Öyster Cult aktiv. Eine echte Kultfigur also, die unter anderem mit „Neuromancer“-Autor William Gibson zusammenarbeitet. Doch Shirley ist nicht der einzige Grund, warum sich kein BioShock-Fan oder Freund qualitativer Fiktion dieses Buch entgehen lassen sollte.
„How Fifty Years of Videogames Conquered Pop Culture“, so der Untertitel des Buches von Harold Goldberg. Und in der Tat ist es mittlerweile fast 50 Jahre her, dass Steve Russel sein Spacewar zusammenbastelte. Eine lange Zeit, in der das Medium eine erstaunliche Entwicklung vollzogen hat und jetzt bereits weiter ist, als es zum Beispiel ein Medium wie der Film zu diesem Zeitpunkt seiner Existenz war.
Goldberg geht dabei nicht zu sehr ins Detail, was bei etwa 350 Seiten auch kaum machbar wäre, sondern pickt sich verschiedene Punkte heraus, anhand derer er erläutert, wie und warum Videospiele ihre heutige Popularität erlangen konnten. Wer wirklich alles im Detail erfahren will, ist mit dem kommenden Buchtipp besser bedient, nichtsdestotrotz ist „All Your Base Are Belong To Us“ eine kurzweilige Lektüre, die Videospiele ihren verdienten Applaus spendiert.
Wer sich mit Spielen ein wenig auskennt, wird auch den Grund für den nicht ganz korrekten Titel kennen: Er entspringt einem Übersetzungsfehler aus dem Intro des 16-Bit-Spiels Zero Wing, der mittlerweile fester Bestandteil der Internet-Kultur geworden ist. weiter...
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Kommentare zu Tims Buchecke – Teil V - Kolumne
Das Buch von Steven Kent ist bereits seit 10 Jahren erhältlich. Wenn es wirklich so gut ist, hätte man es nach 10 Jahren durchaus mal ins Deutsche übersetzen können. Nicht jeder ist in der Lage ein 600-seitiges Sachbuch in englischer Sprache ohne Probleme zu lesen.
dem schließ ich mich an, sowas lass ich wie filmverbuchungen an mir vorbeiziehen, aber die theoretischeren bücher klingen nicht schlecht! Die Kolumne ist hier vlt ein nischenprodukt, aber bitte weitermachen, echt top
Immer wieder gut, diese Kolumne. Und doch muss ich ganz ehrlich zugeben. Ich würde nie eine literarische Form eines Games (wie jetzt hier angepriesen: Bioshock) lesen. Lesen tue ich schon, aber solchen Büchern traue ich einfach nicht wirklich Qualität zu. Ist ein bisschen wie bei den Gameverfilmungen, die sind auch meist mies!