Test - The Witcher : Story und Spieltiefe vom Feinsten

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Wunderschöne Landschaften

Im Hinblick auf die Grafik muss sich 'The Witcher' keinesfalls vor der Konkurrenz verstecken. Die Entwickler haben unendlich viel Liebe zum Detail in die Umgebungen und Charaktere gesteckt. Immer wieder lockern Animationen in der Umgebung das Geschehen auf. Lediglich das Innere von Gebäuden wirkt oft generisch und lässt Abwechslung vermissen. Die Außenlandschaften wirken hingegen sehr natürlich und werden von teilweise spektakulären und fließenden Tag-/Nachtwechseln im Hinblick auf die Beleuchtung geprägt. Die zahlreichen Zwischensequenzen beeindrucken durch ausgefeilte Gesichter und Kameraführungen. Schade nur, dass die meisten Charaktere im Hinblick auf die Dialoge etwas leblos wirken und auch nicht lippensynchron daherkommen.

'The Witcher' arbeitet übrigens mit zwei Kameramodellen. So könnt ihr per Tastendruck zwischen Iso-Perspektive und Über-die-Schulter-Ansicht wechseln und auch wahlweise per Mausklick oder WASD-Tasten durch die Gegend eilen. Aufgrund der mangelnden Übersicht und der etwas trägen Kameradrehung hat sich allerdings die Iso-Perspektive als deutlich ansprechender erwiesen.

Fehlgriff bei der Sprecherwahl

Die Soundkulisse hingegen entpuppt sich als zweischneidiges Schwert und macht die eigentliche große Schwäche des Spiels aus. Das liegt nicht an der grandiosen Hintergrundmusik, die man leider etwas zu oft vernimmt. Das eigentliche Problem ist die deutsche Synchronisation. Zum einen gibt es zahlreiche Übersetzungsfehler, zum anderen wurden die unterschiedlichen Textlängen nicht immer gut in die Dialogsequenzen eingefügt und wirken dadurch oft hektisch oder unpassend. Ebenfalls ungünstig ist die Wahl der Sprecher, allen voran die Stimme von Geralt. Selbiger klingt für einen hartgesottenen Helden, der sich im Alltag mit Monstern herumschlägt, einfach zu harmlos, zu jung, zu farblos. Unser Tipp: Bei der Installation gleich die nahezu perfekte englische Variante wählen oder aber per Workaround die englische Sprachausgabe zusammen mit deutschen Untertiteln nutzen.

Viele kleine Patzer

Etwas schade ist, dass der sehr gute Gesamteindruck des Spiels von einer Menge kleiner Patzer getrübt wird, die nicht mehr rechtzeitig ausgebügelt werden konnten. Das geht los bei schwebenden Büschen über aus dem nichts spawnende Gegner bis hin zu kleineren Aussetzern bei den Kämpfen. Im Rahmen unseres Tests tauchten dabei allerdings keine wirklich spielbehindernden Fehler auf, lediglich die eine oder andere Nebenquest fiel den Bugs mal zum Opfer, was aber durchaus zu verschmerzen ist, zumal in den meisten Fällen ein Neuladen eines Spielstandes Abhilfe brachte. Etwas ärgerlicher sind da schon die vergleichsweise häufigen Abstürze auf beiden Testrechnern – etwa einmal alle zwei bis drei Spielstunden. Mittlerweile steht bereits ein umfangreicher Patch zur Verfügung, der sehr viele Bugs behebt, wenn auch leider nicht alle.

In dem Zusammenhang sei noch darauf hingeweisen, dass die Wertung dieses Reviews sich basierend auf unserer Test-Politik auf die deutsche und ungepatchte Version bezieht. Dank der deutlich besseren Sprachausgabe zusammen mit dem Day-One-Patch ist die gepatchte englische Version um circa fünf Prozentpunkte höher anzusetzen.

Fazit

Andreas Philipp - Portraitvon Andreas Philipp
Ab und zu gibt es Rollenspiele, in deren Spielwelt man versinkt und die man gar nicht mehr verlassen mag. Dazu gehören Titel wie 'Fallout', 'Planescape Torment' oder auch 'Baldur's Gate'. Die drei Spiele müssen nun etwas zusammenrücken, denn 'The Witcher' gehört für mich eindeutig zu dieser Kategorie. Klar, ein paar kleine Mankos gibt es, allen voran die schwache deutsche Synchronisation und zahlreiche kleine, aber nicht spielbehindernde Bugs. Dafür gehört die Story zum Besten, was das Genre hergibt, und die Spielwelt überzeugt, ohne in Klischees abzudriften. Dazu noch die ausgefeilten Charaktere, allen voran natürlich Geralt, und das interessante Kampfsystem und fertig ist ein kleines Meisterwerk. Dass 'The Witcher' zudem noch ungemein erwachsen daherkommt und den Spieler immer wieder vor moralische Entscheidungen jenseits von Schwarz und Weiß stellt, verpasst der Rollenspielvollbedienung das zusätzliche i-Tüpfelchen. In einer Zeit, in der spielerisches Fastfood die Regel ist, bietet 'The Witcher' eine willkommene Abwechslung und beweist, dass vielschichtige Storys durchaus ihren Platz haben können. Bei all dem Lob klingen 84 Prozent eigentlich zu wenig, aber dazu sei gesagt, dass die deutlich bessere englische Sprachversion mit installiertem Day-One-Patch locker fünf Prozentpunkte mehr einfährt und damit an der 90er-Hürde kratzt.

Überblick

Pro

  • tolle und vielschichtige Story
  • sehr lebendige Umgebungen
  • ausgefeilte Charaktere
  • tolle Hintergrundmusik
  • gut inszenierte Zwischensequenzen
  • interessantes Kampfsystem
  • abwechslungsreiche Quests
  • jenseits aller Fantasy-Klischees
  • tolle englische Sprachausgabe
  • umfassendes Alchemiesystem

Contra

  • häufige Ladezeiten
  • schwache deutsche Synchronisation
  • zahlreiche kleine (nicht spielbehindernde) Bugs
  • NPC-Gesichter wiederholen sich oft
  • Bedienung nicht immer optimal

Wertung

  • PC
    84
    %

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