Test - The Walking Dead: Michonne : Episode 2: Give No Shelter

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Für Michonne und ihre neu gewonnenen Begleiter geht es rasant weiter, nachdem die Situation am Ende der vorigen Folge völlig eskaliert ist. Zwischen der etwas langsam aufbauenden ersten Episode und dem großen Finale, das in der nächsten Folge bereits auf uns wartet, sollte die zweite Episode eigentlich das Kernstück dieser Miniserie sein. Wir haben uns angesehen, ob Telltale es geschafft hat, diese Brücke erfolgreich zu schlagen.

Sofern es eine Formel gibt, nach der Episoden von The Walking Dead – egal ob Fernsehserie, Spiel oder Comic – geschrieben sind, so ist es wohl Murphys Gesetz: Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen. Wenig überraschend führte also in der vorigen Episode eine einfache Erkundungstour zu Leid, Tod und Verderben. Jetzt, im Mittelteil, ist die Flucht aus der Gefangenschaft das alles umfassende Thema. Auch dabei klappt bei Weitem nicht alles so, wie es sollte. Wer hätte das gedacht?

Action steht im Vordergrund

Aus dieser Verfolgungsjagd ergibt sich automatisch ein ziemlich hoher Action-Anteil, bei dem immerhin versucht wird, die Quick-Time-Events so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Insbesondere bei der Inszenierung der „Finishing Moves“, mit denen Michonne die Zombies ausschaltet, scheint die Machete ein unendlicher Quell der Inspiration für die Entwickler gewesen zu sein. Damit geht aber auch einher, dass der Anteil der Dialoge gefühlt reduziert wurde oder zumindest auf bestimmte, ruhigere Situationen beschränkt ist. Das macht die zweite Episode mit rund 80 Minuten tatsächlich noch kürzer als den Vorgänger.

Das ist auch der größte Kritikpunkt an der Episode: Obwohl sie spannend und rasant ist, gibt es eigentlich keine Handlung abseits der genannten Flucht. Mit Ausnahme von Michonne haben die einzelnen Charaktere auch zu wenig Zeit, um euch ans Herz zu wachsen. Die Antagonistengeschwister Norma und Randall schienen nach der ersten Episode noch das Potenzial zu haben, nicht bloße Fieslinge zu sein, doch nun verkommen sie zu Abziehbildern von Bösewichten.

The Walking Dead: Michonne - Episode #2: Give No Shelter Launch Trailer
Pünktlich zur Veröffentlichung der zweiten Episode namens Give No Shelter gibt es hier den passenden Trailer zu The Walking Dead: Michonne für euch.

Unheimliche Rückblicke

Natürlich darf auch ein typischer Walking-Dead-Moment nicht fehlen, bei dem man dem Bildschirm nur noch „Warum?!“ entgegenbrüllen möchte, weil das Unglück schon kilometerweit vorhersehbar ist – aber eben nur für uns Spieler, während die Charaktere wieder einmal möglichst einfältig agieren. Ein völliger Kontrastpunkt zu all der Action ist die neuerliche Flashback-Szene, bei der das Verschwinden von Michonnes Kindern weiter behandelt wird. Die setzt bewusst auf einen ruhigen Ton und wirkt dadurch weitaus unheimlicher als heranstürmende Zombiehorden.

Dieser Ausschnitt ist dadurch eine der stärksten in der Episode. Im Allgemeinen jedoch wird Michonnes Kampf mit ihren inneren Dämonen ein wenig zu krampfhaft in den Vordergrund gerückt und wirkt dadurch aufgesetzt. Eine weitere herausstechende Sequenz ist das Verarzten einer Schusswunde. In der Fernsehserie schon unzählige Male gesehen, verleiht das eigene Handanlegen dem Ganzen eine völlig neue, furchtbare Perspektive.

Fazit

Markus Rohringer - Portraitvon Markus Rohringer
Die rasante Action lässt die Handlung hinter sich

Obwohl die zweite Episode sogar noch kürzer als die erste ist und damit die Funktion als „Kernstück“ des Dreiteilers nur mangelhaft erfüllt, empfinde ich sie als Steigerung. Das liegt nicht an der viel zu dünnen Story, die mich mitsamt der Charakterentwicklung bisher leider enttäuscht. Die Stärken dieser Episode sind vielmehr die einzelnen Szenen, die alle auf gewisse Weise herausstechen und auch in der Fernsehserie als erinnerungswürdig gelten würden.

Als Episode im Gesamtbild wirkt es dann aber doch eher wie Stückwerk, sprich: eine Aneinanderreihung besagter Szenen. Für mich geht das Konzept der dreiteiligen Miniserie bisher nicht so ganz auf. Auch wenn die einzelnen Episoden noch so kurz sind, wirkt die Dimension der Geschichte „kleiner“ und privater als etwa die Antagonisten, die dazu im Vergleich viel zu „groß“ und umfassend wirken. Ein Governor aus der Fernsehserie etwa begleitete die Handlung über mehr als eine ganze Staffel.

Ich glaube, eine normale fünfteilige Serie mit mehr Zeit fürs Detail hätte mehr aus der Story herausholen können. Nachdem ich schon letztens die deutsche Synchronisation kritisierte, auch ein Wort dazu: Dieselben Fehler existieren nach wie vor, betreffen aber diesmal zumindest nicht die wichtigen Entscheidungen.

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