Test - The Simpsons: Road Rage : The Simpsons: Road Rage

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Auch wenn mittlerweile der Hype um die gelbe Familie aus Springfield merklich nachgelassen hat, sind die TV-Abenteuer der Simpsons nach wie vor gefragt. Nachdem 'The Simpsons Road Rage' auf PlayStation 2 durchaus erfolgreich war, erscheint nun der freche 'Crazy Taxi'-Clone für die Microsoft-Konsole Xbox.

The Simpsons: Road Rage
Apu lässt sich in Barts Seifenkisten-Rakete herumfahren.

Der böse Mr. Burns
Auch für die Hintergrundgeschichte des neuesten Videospiels um die Familie Simpsons und ihre Freunde muss wieder mal Atomkraftbesitzer und Millionär C. Montgomery Burns als Bösewicht herhalten. Dank seiner Macht über den Strom kontrolliert er praktisch die Einwohner von Springfield und terrorisiert sie mit seinen Ideen. Nach dem Kauf der Springfield Transit Corporation hat er nun sogar die öffentlichen Verkehrsmittel in seiner Hand und presst den Leuten durch hohe Ticketpreise ihr letztes Geld aus der Tasche. Das wirklich Üble dabei: Zwecks Gewinnmaximierung baut Burns alle Busse der Stadt auf Atomantrieb um - keine angenehme Sache, solche rollende Atombomben.

Um dieser Tyrannei Einhalt zu gebieten, müssen die Springfielder zusammenhalten und die öffentlichen Verkehrsbetriebe des Geizhals boykottieren. Allerdings wollen die unbescholtenen Bürger immer noch die verschiedenen Punkte schnell und bequem erreichen, also was tun? Da kommt ihnen eine clevere Idee: einige der Springfield-Einwohner setzen sich einfach in ihr privates Gefährt und transportieren die anderen Leute in einer Art Shuttle-Service. Da die so transportieren Personen aus Dankbarkeit ein paar Dollar springen lassen, ist die Motivation bei diesen 'Taxifahrern' hoch. Doch kann Mr. Burns' Transportmonopol mit dieser Taxi-Guerilla-Technik niedergeschlagen werden?

Einiges zu tun
Im Spielmenü habt ihr die Wahl zwischen drei Singleplayer-Modi und einem Mulitplayer-Modus. Ingesamt bleibt das Spielkonzept aber gleich und erinnert erschlagend an den Sega-Arcadehit 'Crazy Taxi', das auch in den Heimumsetzungen auf Dreamcast und PlayStation 2 zu haben ist. Neben dem allerdings nicht sonderlich aufregenden Trainingsmodus 'Sonntagsfahrer', in dem ihr die Umgebung von Springfield ohne Zeitlimit im Nacken befahren könnt, dürfte der Spielmodus 'Road Rage' von Interesse sein. Zunächst wählt ihr einen der verfügbaren Charaktere wie Homer, Bart, March oder Lisa - später könnt ihr noch zahlreiche weitere Figuren wie Barney, Krusty oder Busfahrer Otto freispielen. Jede der Figuren hat natürlich ihr eigenes Gefährt: So brettert beispielsweise Bart mit einer großen Seifenkiste herum und der Schulmeister von Springfield fährt mit einem Traktor durch die Strassen, während der Pfarrer das Wort Gottes aus einem Bücherverbrennungswagen heraus verkündet.

The Simpsons: Road Rage
Homer trifft unsanft auf Burns.

Danach findet ihr euch auch schon im Spielgeschehen wieder: Euch stehen 75 Sekunden zur Verfügung, die gnadenlos verrinnen, allerdings könnt ihr durch Fahrgeschick die Zeit wieder etwas verlängern. Wer schon mal 'Crazy Taxi' gespielt hat, hat sofort alles im Griff: Ihr steuert zu einem der am Wegrand herumstehenden Passanten und haltet innerhalb eines um ihn herum bestehenden Kreis an, so dass er einsteigen kann. Nun gibt der Kunde sein Ziel an und gibt euch ein paar Sekunden Zeit für den Weg. Mit Hilfe eines Pfeils am oberen Bildrand findet ihr das Ziel problemlos- zumindest in der Theorie. In der Praxis sieht das schon ganz anders aus: Neben dem die Strassen verstopfenden Verkehr macht euch auch die verschlungene Architektur von Springfield zu schaffen. Außerdem haben einige Kunden Sonderwünsche: So wollen einige, wie zum Beispiel der dickliche Polizist, möglichst ohne Crashs ans Ziel kommen, während andere, wie zum Beispiel Otto, bei möglichst vielen umgefahrenen Streckendetails ein Extra-Trinkgeld springen lassen. Da die Ansprüche der Gäste immer steigen und das Zeitlimit immer knapper wird, kommt immer mehr Hektik auf. Doch selbst bei geübten Fahrern ist irgendwann der Timer endgültig abgelaufen und es heißt 'Game Over' - seid ihr ein erfolgreicher Taxifahrer gewesen, winkt ein Platz in der High Score-Liste. Bei genügend erspielten Punkten könnt ihr euch entweder ein neues Gebiet oder eine neue Spielfigur aussuchen, die dann in den nächsten virtuellen Ausflügen nach Springfield zur Verfügung stehen. Ziel dies Spiels ist es schlussendlich, in den sechs Gebieten insgesamt eine Million Dollar zu verdienen, um die Busse von Mr. Burns freizuspielen.

Habt ihr die beiden Modi 'Sonntagsfahrer' und 'Road Rage' satt, empfiehlt sich die Wahl des 'Missionsmodus'. Auch hier dreht sich alles ums Gas geben, Springfield unsicher machen und jede Sekunde ausnutzen. Allerdings dürft ihr hier weder die Umgebung noch die Figur wählen - das übernimmt das Spiel. Denn anhand von kleinen Geschichten wird euch eine Aufgabe gestellt, die ihr meist in wenigen Sekunden erfüllen müsst. So ist zum Beispiel Homer Simpsons zu spät aufgestanden und muss nun ins Atomkraftwerk fahren - gemeinerweise müsst ihr euch von hinten dem Eingang nähern, da euch sonst Mr. Burns sieht und Homer mit seinem Wagen abblockt. Ein anderes Mal soll Schulbußfahrer Otto seine Treffsicherheit beim Fahrscheintest unter Beweis stellen, indem er innerhalb von wenigen Sekunden fünfzehn Straßenlampen auf einem Parkplatz umfahren soll. Leider werden euch, wie auch die anderen Spielmodi, die zehn Missionen nicht sonderlich lange vor den Bildschirm fesseln - zu kurz und zu einfach sind die verschiedenen Aufgaben ausgefallen.

The Simpsons: Road Rage
Chaos auf dem Flughafen.

Zu zweit Taxifahren
Im Gegensatz zum unzweifelbar erkennbaren Vorbild, Segas 'Crazy Taxi', verfügt 'Simpsons Road Rage' über einen Zweispielermodus, der den Namen 'Kopf an Kopf' trägt. Beide Spieler wählen ihren Lieblingsfahrer unter den freigespielten Charakteren und das Gebiet - und schon kann es losgehen. Natürlich bleibt man dem Spielprinzip treu: Auf dem gesplitteten Screen fahrt ihr zu einem auf der Karte angezeigten Gast und ladet ihn ein. Dann muss er bloß noch zum gewünschten Ziel gebracht werden. Das Salz in der Suppe ist aber, dass es gleichzeitig bloß einen Gast gibt, der somit von beiden Fahrern umkämpft wird. Berührt der eine Spieler den besetzten Wagen des Mitspielers, wechselt der Gast in das andere Fahrzeug. Derjenige, der den Gast am Zielort abliefert, erhält die volle Summe von 1000 Dollar. Wer zuerst die vorher bestimmte Geldmenge verdient hat, gewinnt das Wettrennen. Dieser Zweispielermodus macht durchaus Spaß, hat aber zwei Mankos: Einerseits sind die Fahrzeuge ziemlich unterschiedlich, so dass je nach Wahl ein Spieler benachteiligt ist, andererseits hat ein ungeübter Spieler trotz des einfachen Spielprinzips keine Chance gegen einen geübten 'Simpsons'-Taxifahrer.

The Simpsons: Road Rage
Was dieser Schurke wohl bei der Tankstelle will?

Präsentation im Cartoon-Look
Die Entwickler von 'Simpsons Road Rage' haben sich in punkto Grafik einiges vorgenommen: Dank der Toon Renderer-Egine will man echten Cartoon-Flair auf den heimischen Bildschirm zaubern, der der TV-Serie rund um die Familie Simpsons in nichts nachstehen soll. Nun, man wählte keine 2D-Optik wie bei der TV-Serie, sondern transferierte die Action in ein 3D-Springfield. Der Cartoon-Charakter kommt aber durchaus zur Geltung, denn die Häuser und Strassen sind sehr bunt und etwas detailarm - durch den sehr sparsamen Einsatz von Texturen wirkt das tatsächlich wie in einem Comic, kann aber technisch aufgrund der Schlichtheit nicht so ganz begeistern. Außerdem kommt bei der Darstellung der Fahrzeuge die derzeit beliebte Cel Shading-Technik zum Einsatz, die gelungen wirkt - schade, dass man nicht die ganze Grafik mit dieser Technik gezeichnet hat. Der Xbox-Titel 'Jet Set Radio Future' zeigt, dass dies sehr beeindruckend aussehen kann. Immerhin gefällt die Umsetzung der 'Simpsons'-Figuren und auch die gerenderten Zwischensequenzen können überzeugen, wenn auch bei letzterem Fans der Serie sicher lieber echte 2D-Cartoons gesehen hätten.

Beim Sound hingegen gibt's nichts zu meckern, im Gegenteil: Die Original-Melodien aus der TV-Reihe lassen richtige Cartoon-Stimmung aufkommen und die Soundeffekte passen wunderbar in die bunte Welt von Springfield. Das Highlight in Sachen Sound stellt aber sicherlich die Sprachausgabe dar: Während der verrückten Taxifahrt plappern die Gäste und der Fahrer vor sich hin und kommentieren ihr Reiseziel. Fans der 'Simpsons' dürften öfters mal schmunzeln, wenn auf ein bestimmtes Charakteristikum einer Figur oder auf eine bestimmte TV-Episode angespielt wird. Was die einen freut, dürfte die anderen allerdings stören: Die Sprachausgabe ist komplett englisch gehalten. Zwar wählte man die Original-Synchronsprecher des US-Originals, diese dürften aber den hiesigen Fernsehzuschauer unbekannt sein. Außerdem dürften selbst Spieler mit fundierten Englischkenntnissen bei dem einen oder anderen Slang-Begriff Verständigungsprobleme haben.

 

Fazit

von David Stöckli
Selten ist mir ein Spiel untergekommen, dass sich so schamlos bei einem anderen Titel bedient. Allerdings haben sich die 'Simpsons Road Rage'-Entwickler mit 'Crazy Taxi' ein Hitspiel ausgesucht, dessen Gameplay nach wie vor begeistern kann. Zwar wurde das Spielgeschehen in der 'Simpsons'-Version klar vereinfacht und ist etwas weniger hektisch geraten - trotzdem kurvt man immer mal wieder gerne durch die Strassen von Springfield. Leider ist der Umfang des Spiels ziemlich knapp ausgefallen, so dass zumindest in den Einzelspielermodi bald Langweile aufkommt - da helfen auch die vielen versteckten spielbaren Charaktere nicht wirklich. Auch technisch wäre sicherlich mehr drin gewesen: Schon die gleich aussehende PlayStation 2-Fassung des Spiels war kein Grafik-Highlight, auf der Xbox macht diese Optik dann aufgrund der eigentlich vorhandenen stärkeren Hardware einen noch weniger spektakulären Eindruck. Immerhin gibt's beim Sound mit der tollen englischen Sprachausgabe nichts zu meckern.  

Wertung

  • Xbox
    72
    %

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