Test - The Red Star : Knifflige, aber spaßige Retro-Ballerei

  • PS2
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Totgeglaubte leben länger. So im Falle auch von ‘The Red Star‘, welches ursprünglich vor knapp drei Jahren über Acclaim hätte erscheinen sollen. Take 2 zeigt nun mit dem Spiel in der Schublade Erbarmen und veröffentlicht die Retro-Ballerei als Budget-Version auch in Deutschland.

‘The Red Star‘ basiert auf der gleichnamigen Comicbuchreihe von Christian Gosset, die allerdings nur eingefleischten Comic-Fanatikern ein Begriff sein wird. Eine 1:1-Umsetzung der Vorlage ist ‘The Red Star‘ dennoch nicht geworden. Anders als erwartet, nutzen die Entwickler die durchaus spannende Vorlage nicht konsequent aus und verzichten auf aufwändige Story-Sequenzen. Lediglich Text-Briefings werden vor den einzelnen Missionen eingeblendet. Eine Sprachausgabe oder gut inszenierte Zwischensequenzen vermisst man leider.

Welcome to the United Republics of the Red Star

‘The Red Star‘ spielt kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in einem fiktiven russischen Staat namens United Republics of the Red Star. Ihr schlüpft dabei in die Rolle eines von drei Rebellen, die sich gegen das Regime des bösen Herrschers Troika wenden und dieses stürzen wollen. Zu Beginn des Spiels habt ihr lediglich die Auswahl aus zwei Rebellen. Erst nach erfolgreichem Durchspielen wird der dritte Charakter freigeschaltet. Die Spielfiguren unterscheiden sich sowohl in der Hauptbewaffnung als auch in ihrer Vitalität und Agilität. Der muskulöse Kyuzo etwa trägt einen recht großen Metallspeer bei sich. Dementsprechend langsam bewegt sich der Herr auch durch die Levels, hält dafür aber deutlich mehr aus als seine Kollegin Makita. Die zierliche Dame ist deutlich agiler als Kyuzo, ist trotz ihres mächtigen Hammers aber deutlich schwächer. Der dritte Charakter im Bunde ist die Hexe Maya, die auf Zaubersprüche zurückgreift und dem russischen Regime Feuer unterm Hintern macht.

Egal, für welchen Charakter ihr euch auch entscheidet, am linearen und eintönigen Spielprinzip ändert sich nichts. Ob mit Nah- oder Fernkampfangriffen, euer Ziel besteht immer darin, das Levelende zu erreichen und auf diesem Weg so viele Regime-Soldaten wie nur möglich ins virtuelle Nirwana zu schicken. Diese stellen sich leider nicht sonderlich klug an, sollten ob ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit jedoch nicht unterschätzt werden. Was ihnen an Grips fehlt, machen sie mit Feuerkraft wieder wett. Fast im Sekundentakt werden die Salven der feindlichen Maschinengewehre auf euch losgelassen, sodass ihr kaum Zeit zum Verschnaufen habt. Ähnlich wie bei ‘Contra‘ werden so eure Ausweich- und Schussreflexe stark gefordert. Hinzu kommt die Angst vorm Bildschirmtod. Rücksetzpunkte scheinen die Entwickler nämlich nicht zu kennen. Wer stirbt, startet am jeweiligen Levelanfang. Gespeichert werden darf zudem nur am Ende eines Levels. Immerhin ist eure Spielfigur mit einer Lebensanzeige ausgestattet, sodass ihr nicht bei jedem Treffer sofort ins Gras beißt. Dennoch zerrt dieser grobe Schnitzer im Design ordentlich an den Nerven und schnell breitet sich Frust aus, den es eigentlich nicht geben sollte.

Kenne ich Sie nicht irgendwoher?

Bei so einem klassischen Action-Titel, wie es ‘The Red Star‘ ist, freut man sich besonders auf die fiesen Bosskämpfe. Anders als bei der Konkurrenz fallen diese im fiktiven russischen Staat allerdings weniger spektakulär aus. Unterschiede zwischen den Bossgegnern sucht man mit der Lupe. Auch die Kampftaktik ist oftmals die gleiche. Weiche hier einem Laser aus, positioniere dich dort und gib dem Kerl Saures – mehr wird vom Spieler nicht verlangt. Spielerische Höhepunkte sucht man vergebens, wenn man von den kleinen Raumschiffpassagen absieht. Ist ein Level trotz des kniffligen Schwierigkeitsgrads überstanden, könnt ihr mit den gewonnen Punkten (je nachdem wie zielsicher ihr wart) die Attribute eures Charakters aufwerten. Wem der Kampf gegen das russische Regime zu schwer ist, der schnappt sich kurzerhand einen Freund oder die Freundin und ballert sich im spaßigen Zwei-Spieler-Modus durch die Levels. Praktisch: Sollte euer Partner das Zeitliche segnen, könnt ihr ihn an bestimmten Stellen wiederbeleben.

Technisch merkt man ‘The Red Star‘ sein Alter von drei Jahren stark an. Effekte, Texturen und Animationen sind einfach nicht mehr auf aktuellem Stand, wobei Letztere sehr flüssig ausgefallen und durchaus ansehnlich sind. Doch kann man als Genre-Fan die dürftige Grafik verschmerzen, da das Spiel eigentlich das bietet, was es verspricht: Satte Action mit einem kniffligen Schwierigkeitsgrad.

Fazit

Jens Sobotta - Portraitvon Jens Sobotta
Ich sage immer: Ein guter alter Bitmap-Shooter musste noch auswendig gelernt werden. Diese Aussage trifft auf ‘The Red Star‘ nur bedingt zu. Zwar bietet das Spiel einen kniffligen Schwierigkeitsgrad, was letztlich aber auch nur auf die Überzahl und den immensen Munitionsvorrat eurer Widersacher zurückzuführen ist. Spielerische Höhepunkte bleiben aus; in jedem Level müssen die gleichen Aufgaben erledigt werden. Zudem nerven die fehlenden Rücksetzpunkte ungemein. Dennoch macht ‘The Red Star‘ Spaß. Auch wenn es nicht ganz mit der Konkurrenz in diesem Genre mithalten kann: Freunde der Retro-Action können bei einem Preis von nur 20 Euro zugreifen.

Überblick

Pro

  • drei spielbare Charaktere
  • Attribute lassen sich verbessern
  • spaßiger Koop-Modus

Contra

  • fehlende Rücksetzpunkte
  • kniffliger Schwierigkeitsgrad
  • Story nicht konsequent ausgenutzt
  • grafisch nicht mehr auf der Höhe der Zeit

Wertung

  • PS2
    69
    %

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