Special - The Legend of Zelda: Breath of the Wild : Verrückt: So hätte Breath of the Wild auch aussehen können

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Was wäre eigentlich, wenn Link auf einem Motorrad angeschlittert käme, mit einer Hand den Lenker führt und Gas gibt, mit der anderen das Schwert schwingt? Oder gar wie Tom Cruise ohne Hände fährt und stattdessen seinen Bogen mit Explosivpfeilen spannt, um auf Alien-Raumschiffe zu feuern? Diese und viele andere wilde Ideen gingen durch die kreativen Köpfe des Entwicklungsteams von The Legend of Zelda: Breath of the Wild, wie uns gleich drei Entwickler im Rahmen eines GDC-Panels verrieten.

„Eiji Aonuma (Chefproduzent, Anm. d. Redaktion) wollte, dass in einem Meeting einfach mal gebrainstormt wird und alle möglichen Konzepte besprochen werden. Allerdings nicht nur schriftlich, sondern durchaus bildlich. Ihm gefiel diese Idee eines radikalen Bruchs in der Serie, ein Motorrad fahrender Biker-Link beispielsweise“, erzählt Art Director Satoru Takizawa.

Biker-Link braucht eine Lederjacke

„Diese Gameplay-Ideen brachten viele Veränderungen mit sich. Das Design sollte ja konsistent sein, ergo steckten wir Link in eine blaue Jeans, zogen ihm eine grüne Lederjacke über und statteten ihn mit einem gigantisch großen Schwert aus. Wenn man ein solches Feature in Betracht zieht, müssen alle Komponenten darauf abgestimmt sein: etwa die Länge der Klinge, damit es nicht zu schwer ist, auf einem Motorrad einen Gegner anzuvisieren.“ Mit der Entscheidung, eine offene Welt anzubieten, die erste Open-World der Zelda-Historie, schossen die Gameplay-Fantasien gen Himmel.

„Wir wollten alles massiv größer machen, insbesondere die Schlachten. Es gab ein Konzept namens Hyrule Wars, in dem Link gegen Alien-Raumschiffe gekämpft hätte.“ Das Ziel wäre es gewesen, auf dem Motorrad dem massiven Gegenfeuer auszuweichen und platzierte Treffer auf bestimmte Schwachpunkte eines schwebenden Monstrums zu setzen. Interessant, dass diese Idee im Grunde jetzt Guerrilla Games mit Horizon: Zero Dawn umgesetzt hat.

Art Director Takizawa zeigte zudem Concept-Artworks, die Link beim Besteigen und Betreten eines Alien-Raumschiffs zeigen. Und ohne hier spoilern zu wollen: Das Konzept, Hightech-Gadgets mit einer märchenhaften Kulisse zu verschmelzen, ist mit Breath of the Wild mehr als geglückt. Die eine oder andere Idee wurde also durchaus übernommen, wenn auch nicht eins zu eins.

Das Original-Zelda als Prototyp

Für seine offene, sehr glaubwürdige und hochexperimentelle Welt musste Nintendo alle Konventionen über Bord werfen und Zelda neu denken. Ergo hat man recht früh in der Produktion die 2-D-Karte von The Legend of Zelda aus dem Jahre 1986 benutzt und im Grunde alle Grenzen eingerissen. „Wir wollten ausprobieren, wie es sich anfühlt, aus diesem linearen Leveldesign auszubrechen“, erklärt Game Director Hidemaro Fujibayashi. „Wie fühlt sich das an, wenn wir, statt an Mauern abgestoßen zu werden, darüberklettern können.“

Der Prototyp wurde dann schnell um Physikelemente erweitert: „Wie kann ich Feuer taktisch nutzen und mir die Welt zu eigen machen? Um ehrlich zu sein, war es immer unser Ziel, euch eine Art Aha-Moment zu schenken. Ihr dürft euch ruhig wie ein Genie fühlen, wenn ihr der Welt ihre Geheimnisse entreißt.“ Laut technischem Direktor hat sich mit dem Gamedesign auch die Technik immer weiter verfeinert: „Das Wasser sollte sich realistisch anfühlen, die Geschwindigkeit des Flusses passen. Schließlich könnt ihr nicht nur Bäume fällen, sondern auch darauf den Fluss runterfahren.“

Der Prototyp war letztlich die Basis für alles, was folgte: „Es gab diese Initialzündung und plötzlich gab es kein Halten mehr“, erinnert sich der technische Direktor Takuhiro Dohta. „Wir hatten eine Art Fake-Physik, also keine wirklich authentische Physik, aber eine, die fürs Spiel gut tauglich war. Es wäre nicht besonders dienlich gewesen, mit einem Feuer einen ganzen Wald abzufackeln, aber es ist ein schönes Element, um Gegner zu schwächen. Zur Physik-Engine gesellte sich dann recht schnell eine Chemie-Engine: Was, wenn gewisse Stoffe miteinander reagieren?“ So entstand die Munition für Links unterschiedliche Bögen sowie die Idee, Elektrizität und Magnetisierung als Gameplay-Bausteine zu benutzen.

Warum sollte ein Feuer nicht Aufwind geben?“

Was nach simpler Chemie klingt, mündete letztlich in diese Welt, die sich mitunter sehr viel organischer anfühlt als bei vielen anderen Open-World-Produktionen. „Wir haben uns die Frage gestellt, wie sich diese ganzen Elemente im Kampf, aber auch zivil nutzen lassen“, erörtert Dohta. „Wenn ich mit einem Feuer meine Pfeile entzünden kann, warum dann nicht eines entfachen, um dem Gleitschirm kurzfristig mehr Auftrieb zu geben? Und warum sollte ich nicht ein Blatt nutzen können, um zu wedeln, damit mein Boot schneller fährt? Das klingt eigentlich sehr offensichtlich, wird aber in Spielen nicht genutzt. Wir wollten das unbedingt einbauen, weil nur dann sich eine offene Welt auch wirklich offen anfühlt.“

Viele von euch werden bereits Breath of the Wild spielen. Was diesen Titel so auszeichnet, ist, dass Nintendo die Intelligenz der Spieler ernst nimmt. Wer über ein Grundverständnis von Physik verfügt, der kann sich unglaublich coole Mechaniken selbst basteln. Eine davon erklärt der technische Direktor wie folgt: „Ihr könnt das Magnetmodul nutzen, um einen Eisenblock an den Rand eines Sees zu transportieren, ihn jetzt in Stasis versetzen und so lange mit dem Schwert draufhauen, bis er sich energetisch lädt. Dann springt ihr auf den Eisenblock, hebt die Stasis auf und katapultiert euch über den See. Probiert es aus!“

Bereits seit Links Master Cycle in Mario Kart hat Eiji Aonuma den Wunsch geäußert, Motorräder in Zukunft auch mal in eigenen Spielen einzubauen. Er bezeichnete es als „Pferd aus Stahl, mit dem man schöne Driftmanöver umsetzen könnte“. Wäre durchaus interessant für Kämpfe oder Rätsel und ich würde mich nicht wundern, wenn Nintendo dieses Konzept später auf die eine oder andere Weise umsetzt. Nur zu The Legend of Zelda hätte es nicht gepasst, weil es viele spielerische Mechaniken wie das Zähmen von Pferden oder die Ausdaueranzeige nichtig gemacht und auch nicht so richtig ins Szenario gepasst hätte.

Oder wie seht ihr das? Motorbike-Link, ja oder nein?

Das Beste, was Zelda zu bieten hat: Top 10 Zelda-Dungeons

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