Special - The Elder Scrolls V: Skyrim : Ein psychopathischer Killer in Himmelsrand

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Töte ihn, nein, sie! Ach was, beide!

Flusswald, anderer Tag, anderer Spielstand. Ich stehe im Haus der beiden Valerius-Geschwister. Sie sind freundlich, aber schroff. Eines Nachts sehe ich auf ihrem Tresen im Erdgeschoss kostbare Gegenstände liegen. Keinen davon kann ich mir nehmen, ohne eines Verbrechens bezichtigt zu werden. Plötzlich stehe ich im Dachgeschoss – mit erhobener Axt über den schlafenden Geschwistern. Ich kann den strafbaren Diebstahl nur umgehen, indem ich die Eigentümer der Schätze, die ich begehre, töte. Am besten im Schlaf, denn meine Ausrüstung hält nicht vielen Hieben stand.

Ich schaffe es, Camillas Bruder im Schlaf zu ermorden, während sie keine zwei Meter daneben schlummert. Doch irgendwas hat sie mitbekommen, sie regt sich und steht auf. Glücklicherweise lag die Tatwaffe längst wieder im Inventar. Sie sieht Lucan, merkt nicht, dass er nicht mehr nur schläft, sondern bereits entschlafen ist. Ich bin mir nicht sicher, ob sie den Mord nicht doch mitbekommen hat und vielleicht sogar ganz froh darüber ist. Vielleicht gab es im Hintergrund ja Erbstreitigkeiten, die mir nicht bekannt waren, und ich habe sie gerade um die Hälfte ihres Anteils reicher gemacht. Ein Gespräch, Beruhigung: Sie versichert mir, dass ich, der Mörder ihres Bruders, jederzeit ein willkommener Gast sei, und sie sich in meiner Anwesenheit sicher fühle.

Einfältiges Weib! Bevor ich weiterziehe, verkaufe ich ihr noch ihr eigenes Eigentum, das ich unter ihren Augen gestohlen habe. Auf einmal zückt sie dann doch das Messer … Mir blieb nichts anderes übrig. Ich hatte wieder Blut an den Händen. Und wieder saß der kleine Khajiit mit den Flügeln auf meiner rechten Schulter und redete mir ins Gewissen. Ich verließ das Haus und es wurde gespeichert. Kein Weg zurück. Dieses Verbrechen hatte ich endgültig geschehen lassen. Ein neuer Morgen brach in Flusswald an und ich spürte die urteilenden Blicke der Bewohner. Keiner von ihnen konnte wissen, was ich getan habe, doch sie schienen zu ahnen, dass eine Gefahr in ihrer Mitte lauerte. Und allmählich fand ich Gefallen daran.

Aber nicht nur im Himmelsrand hatte sich etwas verändert. In der Realität stieß mein brutales Verhalten auf Ablehnung. So suchte ich Rat bei meinem Skyrim-Ziehvater Hoppi. Statt aber nach Hilfe für bestimmte Quests zu fragen, wollte ich mehr. Ich wollte wissen, was ich noch alles tun konnte, um Himmelsrand in Aufruhr zu versetzen. „Mal angenommen, ich heirate in Skyrim eine Person. Ich töte sie und nehme all ihre Habseligkeiten. Kann ich dann erneut heiraten?“

Ziehvater Hopmann starrte mich an. Und ich sah in seinen Augen, dass etwas in ihm zerbrach. Ich sollte der Auserwählte sein. Der, mit dem er gemeinsam durch die Wälder streifen konnte, um verborgene Banditenlager zu säubern. Der, der das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse wiederherstellt, und nicht derjenige, der Himmelsrand ins Chaos stürzt. Er hatte seinen Schüler, mich, verloren.

Ist doch nur ein Spiel

Jetzt, da ich Skyrim schon eine Weile beiseitegelegt habe, frage ich mich, ob ich wirklich so ein furchtbarer Mensch bin. Diese Frage kann ich glücklicherweise verneinen. Denn obwohl ich schon in Gedanken mit dem Genozid an den verschlagenen Dunkelelfen spielte, könnte ich mich in der Realität nicht weniger mit diesem Gedankengut identifizieren. Letztlich ist es wohl einfach die Neugier, herauszufinden, ob meine Taten weitreichende Konsequenzen für den Spielverlauf haben, die ich hinterher bereuen könnte. Schließlich ziehe ich, wann immer möglich, den Schwanz ein und lade einen Spielstand, bei dem ich mich noch nicht wie ein gefährlicher Psychopath verhalten habe.

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