Test

The Elder Scrolls V: Skyrim – Dawnguard

Bissige Erweiterung?

  • X360

Schon bei der Veröffentlichung machte Dawnguard Schlagzeilen, wenn auch negative: zahlreiche Bugs, fehlende Texturen, unsichtbare Charaktere. Mittlerweile wurden die Probleme durch ein Update behoben, sodass der Konflikt von Dämmerwacht und Vampiren endlich vernünftig spielbar ist. Doch lohnt sich der mit 1.600 MS-Punkten (knapp 20 Euro) nicht ganz billige Griff in die Tasche?

Habt ihr Level 10 hinter euch gebracht, könnt ihr auch schon ins bissige Vergnügen einsteigen. Entweder plaudert ihr mit einer Stadtwache oder wartet auf den entsprechenden Kurier, der euch zur nagelneu ins Spiel eingebauten Festung der Dämmerwacht scheucht. Nach kurzer Plauderei dort geht es auch schon los und ihr macht Bekanntschaft mit den Vampiren im Spiel. Dabei liegt es ganz an euch, ob ihr euch auf die Seite der Blutsauger schlagt oder an deren Bekämpfung mitwirkt. Ihr habt mehrmals die Möglichkeit, zu den Vampiren zu stoßen, auch wenn ihr euch bereits für die Dämmerwacht entschieden habt.

Zwar erlebt ihr in den folgenden rund zehn bis zwölf Stunden auf beiden Seiten mehr oder minder die gleiche Geschichte mit einigen fraktionsabhängigen Abweichungen, spielerisch gibt es aber doch so manchen Unterschied. Schließt ihr euch der Dämmerwacht an, erwartet euch unter anderem mit der Armbrust eine neue Waffe, für die ihr zahlreiche Aufwertungen basteln könnt. Klar, dass die Stanzmaschine gegen Vampire genau das richtige Mittel ist. Und die gepanzerten Trolle, die ihr als Begleiter anheuern könnt, sind ebenfalls keine schlechte Ergänzung. Nebenher gibt es aber noch allerlei neue Waffen und Rüstungen, sodass einer Optimierung eurer Ausrüstung nichts im Wege steht. Wer zudem Werwolf ist, darf sich über eine Handvoll neuer Fähigkeiten freuen.

Lust und Frust als Blutsauger

Spaßiger wird die Angelegenheit, wenn ihr euch den Vampiren anschließt. Dann nämlich erhaltet ihr schon früh in der Erweiterung die Möglichkeit, euch in einen Vampirlord zu verwandeln. Der bringt nicht nur ein ziemlich hässliches Aussehen mit, sondern auch gleich einen komplett neuen Fähigkeitenbaum, dessen Elemente sich euch nach und nach erschließen, wenn ihr die Vampirfähigkeiten anwendet – ganz levelunabhängig. Das lohnt sich durchaus, denn die Fähigkeiten sind vielfältig. So entzieht ihr Gegnern Lebenskraft, beschwört einen Gargoyle zu eurer Unterstützung oder teleportiert euch als Fledermausschwarm über kurze Entfernungen.

The Elder Scrolls V: Skyrim - Dawnguard DLC Debut Trailer

Das Dasein als Vampirlord hat allerdings nicht nur Vorteile. Zum einen könnt ihr zwar Türen öffnen, aber keine Truhen aufschließen, keine Objekte aufnehmen und keine Gegner plündern. Das alles funktioniert blöderweise nur in menschlicher Gestalt. Wäre ja nicht so schlimm, wenn das Verwandeln nicht immer so lange dauern würde. Somit wird das Leben als Vampir ab und an zu einer äußerst lästigen Angelegenheit. Zweiter Schwachpunkt: Beim Level-Design haben die Entwickler offenbar vergessen, dass ein Vampirlord voluminöser als eine menschliche Spielfigur ist. Das hindert euch nicht selten daran, schmale Passagen in Vampirform zu beschreiten – ihr bleibt schlicht stecken und müsst euch wieder verwandeln. Das alles ist zwar nicht spielbehindernd, aber auf jeden Fall nervig.

Dünne Geschichte, typische Fehler

Neben den neuen Fähigkeiten erhaltet ihr natürlich auch eine neue Geschichte, die mit einer Reihe von optionalen Nebenaufgaben gewürzt wird. Zwar ist die Handlung insgesamt nicht schlecht, wirkt aber schon beim Einstieg ein wenig unlogisch und aufgezwungen. Wie schon beim Hauptspiel zeigt sich auch hier wieder: Das Erzählen einer guten Geschichte ist nicht gerade eine Stärke von Bethesda. Besser hingegen sind die neuen Umgebungen, die nahtlos in die Karte von Skyrim integriert werden. Die hübschen Winterlandschaften können überzeugen und einige Szenen, die ihr im Rahmen der Handlung erlebt, sind wirklich episch geraten, allen voran der fulminante Kampf auf einem zugefrorenen See. Der Handlung selbst fehlen allerdings die Aha-Momente.

Noch eine weitere typische Eigenschaft von Bethesda-Titeln hat sich eingeschlichen: technische Unzulänglichkeiten. Bereits zur Veröffentlichung der Erweiterung gab es heftige Probleme, die mittlerweile per Update behoben wurden. Doch auch so treten immer wieder KI-Aussetzer, Clipping-Fehler und kleinere Performance-Probleme auf. Die sind ebenfalls nicht spielbehindernd, aber lästig und unschön. Schlussendlich ist der DLC mit 1.600 Punkten beziehungsweise knapp 20 Euro nicht gerade günstig, wenn man Umfang und Inhalt zum Hauptspiel in Relation setzt. Das ändert allerdings nichts daran, dass Dawnguard sich gut und mehr oder minder nahtlos ins Skyrim-Universum einfügt und eine gute Motivation ist, nochmals die Weiten der Spielwelt zu erkunden und neue Abenteuer zu erleben.

Fazit

Insgesamt eine durchaus brauchbare Ergänzung für Spieler, die einfach nicht loskommen von Skyrim. Ein echtes Muss ist Dawnguard allerdings nicht.Ich muss gestehen, ich habe mir von Dawnguard etwas mehr versprochen, sowohl inhaltlich als auch vom Umfang her. Gerade das Vampirthema sollte doch dazu verlocken, eine richtig spannende Geschichte zu erzählen, aber schon der gesamte Einstieg wirkt ein wenig an den Haaren herbeigezogen und die Handlung ein bisschen dünn. Davon abgesehen gibt es wieder einmal viel zu entdecken und der heimliche Held ist auch diesmal die Spielwelt, die einige sehenswerte Momente bereithält und immer wieder zum Erkunden einlädt. Zudem macht es durchaus Laune, sich als fieser Vampirlord mit all den originellen Fähigkeiten auszutoben, was die andere Seite der Geschichte aufseiten der Dämmerwacht ziemlich verblassen lässt. Schade nur, dass die Steuerung des bissigen Helden oftmals umständlich geraten und in engeren Levelbereichen gar nicht möglich ist. Insgesamt eine brauchbare Ergänzung für Spieler, die einfach nicht loskommen von Skyrim. Ein echtes Muss ist Dawnguard allerdings nicht, zumal der Preis in Relation zu Hauptspiel und Umfang schon recht happig ist.

Überblick

Pro

  • originelle Vampirlordfähigkeiten
  • einige wirklich sehenswerte Kämpfe
  • sinnvolle neue Features und Ausrüstungen
  • Geschichte auf zwei Wegen spielbar
  • schöne neue Gebiete
  • neue Fähigkeiten für Werwölfe
  • gewohnt gute Atmosphäre

Contra

  • umständliche Verwandlung
  • eingeschränkte Interaktion als Vampirlord
  • enge Bereiche als Vampir nicht begehbar
  • diverse technische Probleme und Bugs
  • in Relation zum Hauptspiel etwas wenig Inhalt für den Preis
  • gewohnt dünne Handlung

Wertung

  • X360
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    /10
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