Test - Surviving Mars : Mars-Kolonisierung als Survival-Aufbaustrategie

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Der Mars. Vierter Planet des Sonnensystems und Ziel zahlreicher Menschheitsträume, wenn es um die Besiedlung des Alls geht. Besonders in den letzten Jahren erfreut sich der rote Planet wieder der Aufmerksamkeit potenzieller Kolonisierungsversuche. Dieses Wunsches nehmen sich Haemimont Games, die Entwickler von Tropico 5, an und widmen sich statt tropischer Gefilde in ihrem neuen Spiel Surviving Mars genau dieser Thematik: der Besiedlung des Mars.

Publisher Paradox ist bekannt für komplexe Strategiespiele. Dieser Riege schließt sich das neue Aufbaustrategiespiel der Tropico-Entwickler Haemimont Games an. In Surviving Mars gilt es, eine funktionierende Kolonie auf dem roten Planeten zu errichten. Dafür müsst ihr Rohstoffe abbauen, für Strom, Wasser und Sauerstoff sorgen und die Bedürfnisse der Kolonisten befriedigen. Das ist schwerer, als es sich anhört.

Bevor die Besiedlung des Mars beginnt, müssen die Startbedingungen festgelegt werden. Am wichtigsten ist die Wahl des „Sponsors“ für eure Unternehmung, denn dieser bestimmt, welche Boni, Forschungsaufträge oder Einsparungsmöglichkeiten ihr erhaltet. Neben Ländern wie den USA oder Russland können auch Firmen oder eine religiöse Gemeinschaft hinter eurer Mars-Mission stehen.

Gemeinsam mit dem optionalen „Geheimnis“, das ähnlich einer Story-Kampagne einen roten Faden durch eure Spielsitzung spinnt, hängt vom Sponsor der Schwierigkeitsgrad ab. Weitere Boni bekommt ihr durch euren Hintergrund wie etwa Politiker, Erfinder oder Futurist. Habt ihr eure Wahl getroffen und eure Rakete beladen, wählt ihr noch euren individuellen Landepunkt, der sich in Geografie, Temperatur und Art der verfügbaren Rohstoffe unterscheidet. Danach geht es los.

Aufbau einer Mars-Kolonie

Wie im Genre üblich gilt es zunächst, eine funktionierende Infrastruktur aufzubauen. Solarpaneele und Windräder sorgen für Strom, Wasser wird aus dem Boden gewonnen und Beton als wichtigste Grundressource abgebaut. Zu Beginn stehen dafür Drohnen zur Verfügung. Erst wenn eine Kuppel errichtet wurde, können mittels Rakete Kolonisten von der Erde auf den Mars geholt werden. Diese haben individuelle Ansprüche, Stärken und Schwächen, die es zur Herausforderung werden lassen, alle Bewohner eurer Siedlung glücklich zu machen. Das ist aber wichtig, da sie sonst streiken, abtrünnig werden, die Kolonie bei der nächsten Gelegenheit wieder verlassen oder gar Selbstmord begehen.

Hierbei zeigt sich, dass Surviving Mars anders ist als andere Genrevertreter wie Anno oder Tropico. Während der Spieler dort in erster Linie mit dem Aufbau effektiver Produktionswege beschäftigt ist, wird diese Aufgabe in Surviving Mars weitgehend automatisiert und meist ordentlich funktionierend von Drohnen übernommen. Stattdessen bietet die Marsbesiedlung wesentlich mehr Mikromanagement. Man muss nicht nur die Infrastruktur aufrechterhalten und ausbauen, sondern auch das Leben der Kolonisten verwalten.

Jedes noch so kleine Problem kann eine Lawine auslösen, die droht, euch zu begraben. Ein beschädigtes Kabel oder die Verknappung von Rohstoffen können dazu führen, dass ein Gebäude nicht repariert werden kann oder eine Kuppel zu wenig Strom erhält. Daraus resultiert, dass sich die Lebensqualität der Kolonisten verschlechtert und somit auch ihre Laune. Zusätzlich machen euch die äußeren Bedingungen auf dem Mars das Leben schwer. Wetterbedingungen und Katastrophen wie Sandstürme oder Meteoritenschauer sorgen ständig für Probleme.

Kolonisten mit Ansprüchen

Darüber hinaus müssen die Wohnkuppeln alles bieten, was die Kolonisten zum Leben brauchen. Was das ist, hängt von jedem einzelnen Bewohner des Mars individuell ab. Entsprechend ihrem Profil stellen sie andere Anforderungen. Das geht sogar so weit, dass ihr beim Anwerben neuer Kolonisten nicht nur gewünschte und unerwünschte Spezialisierungen wie Botaniker oder Wissenschaftler berücksichtigen müsst, sondern auch Charaktereigenschaften ausschließen oder bevorzugen dürft. Ein belastbarer Workaholic ist schließlich besser als ein spielsüchtiger Trunkenbold, der zudem faul ist. Aber nicht immer steht das, was ihr wollt, zur Verfügung, weshalb ihr euch mit dem begnügen müsst, was möglich ist.

Später habt ihr die Möglichkeit, auf dem Mars geborene Kinder durch Schulen und Universitäten weiterzubilden oder zu spezialisieren. Das ist besonders hilfreich, wenn ihr dringend eine bestimmte Berufsgruppe braucht, aber auf der Erde niemand verfügbar ist, der dem gewünschten Profil entspricht. Arbeiten die Kolonisten entsprechend ihrer Profession, erhöht sich ihre Produktivität, während falsch eingesetzte Arbeitskräfte einen Moralabzug erleiden. Leider zeigt sich hier eine der größten Schwachstellen von Surviving Mars: Manchmal wechseln Kolonisten ohne erkennbaren Grund ihren Arbeitsplatz oder sind trotz vorhandenen Wohnraums obdachlos. Das mündet in unnötiges Mikromanagement und häufiges Umherschieben der Kolonisten.

Forschung ist Zukunft

Neue Gebäude, Verbesserungen und Möglichkeiten erhaltet ihr durch die Forschung. In mehreren Kategorien gibt es zahlreiche Technologien. Von neuen Wohnungen über Produktionsstätten bis hin zu Verbesserungen für Drohnen und Kolonisten wird einiges aufgefahren. Erforschen könnt ihr solche Technologien entweder klassisch im Baumprinzip oder durch Erkunden des Mars. Das in mehrere Raster eingeteilte Siedlungsgebiet bietet neben Rohstoffen auch Anomalien, die entweder Ereignisse auslösen, Forschungspunkte bringen oder direkt neue Technologien zur Erforschung freischalten. Ein Zweig des Technologiebaums kann sogar ausschließlich auf diese Weise erweitert werden.

Surviving Mars - Launch Trailer
In Surviving Mars könnt ihr es SpaceX ab heute vormachen und den roten Planeten besiedeln.

Abseits der Besiedlung des Mars und der Verwaltung eurer Kolonie bietet Surviving Mars jedoch nicht viel. Eine Kampagne ist nicht vorhanden. Vielmehr versteht sich das Aufbaustrategiespiel dem Sandbox-Prinzip verpflichtet. Abwechslung und eine Art roter Faden wird jedoch durch die bereits erwähnten Geheimnisse geboten. Diese lösen Ereignisse aus, die euch langsam, aber sicher einem Mysterium auf dem Mars auf den Grund gehen lassen und neue Herausforderungen mit sich bringen. Zwar handelt es sich dabei um keine richtige Geschichte, als zusätzliche Motivation sind die Geheimnisse aber gut geeignet.

Grafisch kann sich Surviving Mars durchaus sehen lassen. Die karge Oberfläche des Roten Planeten ist zwar angemessen trostlos, aber nicht langweilig umgesetzt. Highlight ist das Design des Spiels, das sich an der Science-Fiction-Literatur der 50er- und 60er-Jahre als Inspirationsquelle orientiert. Das verleiht den Bauwerken einen zum Szenario passenden, stimmungsvoll futuristischen und doch klassischen Stil. Genau richtig für ein Spiel wie Surviving Mars. Bei der Inszenierung hält sich das Aufbaustrategiespiel allerdings zurück. Berater gibt es keine und auch sonst wird vorwiegend auf Textboxen und wenig Text gesetzt. Dafür bieten verschiedene Radiosender zumindest etwas Abwechslung in Sachen musikalischer Begleitung.

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