Test - Super Mario Odyssey : Das vielleicht genialste Spiel des Jahrzehnts

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Bizarre Stilbrüche

Solche „Ausflüge“ sind nicht die einzige Neuerung, die auf den ersten Blick nach Stilbruch schreit. Einige Länder auf der Odyssee folgen dem typischen kunterbunten und abstrakten Stil, den man seit Jahrzehnten kennt. Siehe beispielsweise das Kochzutatenland, die Tropeninsel oder die große Wüste. Andere Länder wirken dagegen ungewohnt realistisch. In New Donk City saust ihr auf einer Vespa durch düstere, verregnete Gassen und sprecht mit ganz normalen Menschen, die weder dem niedlichen Gestaltungsstil noch der üblichen Körpergröße einer typischen Super-Mario-Besetzung entsprechen.

Ihr bringt eine Band zusammen, hopst über Baustellen, Markisen und Feuerleitern sowie durch einen Spielplatz, der keine etlichen Quadratkilometer braucht, sondern in kompakter Bauweise jeder Ecke ein Quäntchen Spielspaß aus den Rippen quetscht. Ihr schießt euch Hausfassaden hoch, rempelt euch durch Flure voller Passanten und meistert kleine Akrobatikeinlagen mit der Uhr im Nacken – kurze, knackige Herausforderungen.

Nach dem Zusammenbringen der Band startet zudem einer der besten seitwärts scrollenden Abschnitte. Ein Kunststück, das Nintendo locker aus dem Ärmel zu schütteln scheint. Die Idee ist so großartig, dass sie wahrscheinlich etliche Nachahmer finden wird. Drückt Mario seinen Astralkörper durch eine grob geformte Röhre, so verwandelt er sich in eine 2-D-Pixelfigur wie anno 1985, die mal frei in der 3-D-Umgebung und mal als spielbare Wandtextur durch die Gegend saust, kleine Puzzles löst oder Klassikern wie dem Original-Donkey-Kong Tribut zollt.

Wie so oft in Nintendos Werken geht es um die Erfassung und volle Nutzung des Spielraums, ob nun in 2-D oder 3-D. Traumhafte Aussichten inklusive, die zum Spaß am Zuschauen beitragen. Wenn im Hintergrund ein Feuerwerk tobt und die Skyline New Donk Citys von schmissiger Swingmusik untermalt wird, gibt es kein Halten mehr auf Stuhl, Sessel oder Liegefläche. Man möchte aufstehen und vor Begeisterung im Raum herumhopsen, als wäre man Mario höchstpersönlich.

Keine Leben, wenig Frust

Super Mario Odyssey schlägt an mancher Stelle sehr ungewohnte Pfade ein, selbst auf musikalischer Seite. Der fantasievollen Gestaltung tut das aber keinen Abbruch. Tatsächlich wirkt das Ganze sogar noch bizarrer als sonst, weil man nicht mehr auf den ersten Blick abschätzen kann, welche Utensilien und Umgebungselemente als Jump-'n'-Run-Plattform fungieren. Warum sollte etwa ein Taxi als Trampolin herhalten? Na, darum eben!

Ebenfalls ungewohnt: Es gibt keine Leben mehr und somit auch kein Game over. Verliert Mario alle Lebenspunkte oder stürzt in einen Abgrund, so verliert er lediglich zehn Münzen. Diese Strafe ist eher symbolisch als einschneidend, weil Münzen überall herumliegen. Völlig belanglos sind sie aber auch nicht, spätestens beim Shoppen, etwa für ein Extrapolster Lebenskraft oder den Einkauf diverser Outfits, werden sie benötigt.

Letztere sind einfach nur liebenswert. Manchmal hinreißend, nicht selten etwas albern, aber immer wieder unbekümmert. Wenn Mario nur in Badeshorts oder mit flatterndem Sombrero herumrennt, im Nadelstreifenanzug auf Gangster macht, den Koch mimt oder gar in Samurai-Rüstung herumstapft, werden Auge und Ohr bedient. Eine Empfehlung: Schaut euch Marios Idle-Animationen genau an und lacht euch den Hintern weg! Nutzt den Fotomodus der Switch und freut euch über seine Mimik, wenn er in seiner Mario-Maker-Kluft Pirouetten dreht und in jedem Moment als Teil dieser Spielwelt funktioniert.

Outfits dienen jedoch nicht nur modischen Zwecken. Einige Räumlichkeiten sind erst dann zugänglich, wenn der Schnauzbart die richtige Kleidung trägt. Siehe New Donk City: Dort erhält nur ein Bauinspektor Zugang zu einer verborgenen Baustelle. Viele weitere Outfits und Souvenirs eines Landes könnt ihr des Spaßes halber erwerben, sofern ihr die richtige Währung parat habt. Goldmünzen sind überall gleich viel wert. Ortsspezifische Waren verlangen hingegen nach lilafarbenen Münzen mit lokaler Prägung, von denen es abhängig von der Gegend 50 oder 100 gibt.

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