Special - Das Leid mit den Lootboxen : Zu viel Loot tut nicht gut

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    Alles nur Abzocke?

    Verschwinden Mikrotransaktionen nach dem heftigen Gegenwind von der Bildfläche? Keinesfalls. Die Hersteller werden weiter kostenpflichtige Extras in ihre Spiele einbauen, denn die möglichen Einnahmen gehören aus wirtschaftlicher Sicht inzwischen zum Pflichtprogramm. Möglicherweise geschieht das auch, um in Zeiten riesiger Entwicklungskosten für Spiele das investierte Geld wieder reinzuholen, weil der Kaufpreis nicht mehr ausreicht.

    Doch selbst wenn das stimmen würde, wäre es keine Entschuldigung für etwaige Pay-to-win-Konzepte – und genau davor fürchten sich viele Spieler. Zusatzkäufe funktionieren so lange, wie die damit erworbenen Gegenstände völlig optional sind und keine Vorteile im Onlinespiel gegen andere verschaffen. Auch innerhalb von Solokampagnen sind plötzlich auftauchende, riesige Hürden gepaart mit käuflichen Erleichterungen Gift für die geschundene Zockerseele.

    Der erste Anlauf, Spieler zu Mikrotransaktionen zu drängen, ging daneben. Das negative Echo war gleich derart mächtig, dass andere Hersteller vorsorglich zurückruderten. So verzichtete beispielsweise Activision bei Call of Duty: WWII eine Zeit lang darauf, bestimmte Beutekisten zu integrieren – diese beinhalten für den Mehrspielermodus relevante Gegenstände. Das Fettnäpfchen war zu einem regelrechten Pool angewachsen, in den niemand mehr hineinfallen mochte.

    Es bleibt zu hoffen, dass die kritische Haltung der Spieler zur Lootbox bestehen bleibt. Der Vergleich mit Microsofts ursprünglichem Konzept der Xbox One als Always-online-Konsole drängt sich auf: Damals reagierten die Spieler ebenfalls mit großer Abneigung und zwangen den Konzern, alles umzukrempeln. Die spielende Gemeinschaft hat ihre Position auch diesmal sehr deutlich gemacht: Kaufen ist in Ordnung, aber nicht, um zu gewinnen.

    Ein Blick in die Zukunft

    Dennoch ist die Faszination Lootbox nicht wegzudiskutieren. Wer schon einmal ein virtuelles Päckchen in FIFA Ultimate Team geöffnet hat, kennt den Reiz, den das Ganze ausübt. Es ist wie mit den Überraschungseiern: Man weiß nicht, was man bekommt, nur, was es sein könnte. Die Aussicht auf einen Topspieler bei FIFA 18 lockt und die Freude ist groß, wenn es trotz geringer Wahrscheinlichkeit wirklich klappt. Ist das der Fall, macht man gerne noch eine Box auf. Wenn nicht, geht es trotzdem weiter – schließlich könnte es diesmal klappen.

    Im Gegensatz zu anderen Spielen lassen sich in Sporttiteln wie FIFA jedoch nicht benötigte Spieler, Trikots und Co. via eines Transfermarktes verkaufen, sodass selbst nicht gewünschte oder doppelte Objekte eine gewisse Menge Spielwährung einbringen können. Dieses System wäre auch in anderen Spielen denkbar. Weitere Alternativen dürften generell attraktivere Inhalte sowie besser versteckte Kosten sein. Parallel dazu können die Hersteller darauf vertrauen, dass sich die Spieler an Lootboxen gewöhnen. Anfangs wurden auch Downloadinhalte sehr kritisch beäugt und gescholten, dasselbe galt für den Day-One-Patch. Und heute? Beides gehört zum Alltag von PC- und Konsolenspielern. Dass auch Mikrotransaktionen irgendwann der Regelfall sind, erscheint deshalb sehr wahrscheinlich. Zu erfolgreich verlief ihre Entwicklung, zu groß sind die Gewinne für die Hersteller.

    Und warum? Weil die Spieler zahlen. Egal ob es Packs bei FIFA oder kosmetische Items bei Overwatch sind, es wird gekauft. Selbst beim viel gescholtenen Battlefront II konnte man als Spieler der ersten Stunde buchstäblich sehen, dass einige mehr investiert als gespielt hatten. Auch bei Solospielen werden Mini-DLCs angenommen – sei es zum Spaß oder weil man die Spielzeit verkürzen möchte.

    Fazit

    Mikrotransaktionen sind auf dem Vormarsch. Der große Widerstand der Spieler gegen die Auswüchse in diesem Jahr hat den Prozess gebremst, wird ihn jedoch nicht aufhalten können. Denn trotz der Ablehnung vieler gibt es eine noch größere Menge, die bereitwillig den Geldbeutel öffnet und in Kisten, kosmetische Items und Co. investiert. Die Frage für die Zukunft dürfte darum sein, wie sehr sich die Beutekisten der Pandora im jeweiligen Spiel auswirken. Der Trend ist bereits heute erkennbar: Es geht weg von optionalen hin zu spielrelevanten Gegenständen.

    Eine große Hürde könnte möglicherweise juristischer Art sein: Durch Star Wars: Battlefront II entbrannte in mehreren Ländern eine Diskussion darüber, ob Lootboxen als Glücksspiel einzustufen sind und daher eingeschränkt oder gar verboten werden müssen. Bis es hier zu einer Entscheidung kommt, dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen.

    Die einzig sichere Methode, den Kistenwahnsinn zu stoppen, stellt einzig und allein das konsequente Ignorieren dieser Angebote dar – zu jeder Zeit, in jedem Spiel und auf jeder Plattform. Ansonsten werden wir eines Tages womöglich permanent zur Kasse gebeten: für Levels, Erfahrungspunkte und sogar Munition. Eine schreckliche Vorstellung, die hoffentlich niemals Realität wird.

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